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Expertin ordnet ein

Cat-Spanking – ist der Social-Media-Trend Spaß oder Tierquälerei?

Zurückgelegte Ohren und starrer Blick: Diese Katze zeigt deutlich, dass sie die Situation nicht genießt
Zurückgelegte Ohren und starrer Blick: Diese Katze zeigt deutlich, dass sie die Situation nicht genießt – ein Ausdruck, den man auch häufig in den Videos zum „Cat Spanking“ sieht Foto: Getty Images/michaldziki
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

29. April 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Immer mehr Videos unter dem Hashtag „Cat Spanking“ zeigen Katzen, die auf den Hinterkörper geschlagen werden – angeblich, weil sie es genießen. Doch ein genauer Blick auf die Tiere wirft Zweifel auf. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider ist Expertin für Katzenverhalten und erklärt, warum der Trend kritisch zu sehen ist.

Was hinter dem Trend „Cat Spanking“ steckt

Wer beim Begriff „Cat Spanking“ kurz stutzt und an Praktiken aus der SM-Szene denken muss, liegt nicht ganz falsch. In den Videos geht es tatsächlich darum, Katzen wiederholt auf den Hinterkörper zu schlagen – meist mit der flachen Hand, manchmal auch mit Gegenständen oder sogar Schnüren, die wie eine Peitsche eingesetzt werden.

Die Clips erreichen teils zehntausende Aufrufe. In den Kommentaren liest man Sätze wie: „Meine Katze liebt das“ oder „Ich kann nicht glauben, dass sie das genießt“. Doch genau dieser Eindruck trügt häufig.

Viele Katzen zeigen deutlichen Stress

Schaut man sich die Tiere genauer an, fällt auf: Viele Katzen wirken angespannt oder sogar verunsichert. Typische Signale sind:

  • nach hinten gerichtete Ohren
  • ein steifer Körper
  • geweitete Augen
  • Zucken, Miauen oder Wegdrehen

Aus verhaltensbiologischer Sicht sind das klare Anzeichen für Unwohlsein. Manche Katzen verharren regelrecht in einer Art Starre. Andere drehen sich um oder „antworten“ ihrem Menschen mit einem Miauen. All das spricht nicht für Genuss, sondern für Stress.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: Einzelne Katzen wirken entspannt oder suchen die Interaktion aktiv. Doch das ist nicht die Regel – und genau das wird in den Videos oft falsch dargestellt.

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Warum der Po-Bereich so sensibel ist

Ein möglicher Grund, warum manche Halter glauben, ihre Katze finde das gut, liegt in einem realen Verhalten: Viele Katzen reagieren empfindlich auf Berührungen an der Schwanzwurzel.

Dort verlaufen besonders viele Nervenenden. Für einige Tiere ist das eine sehr angenehme Stimulation – sie strecken den Hinterkörper sogar aktiv entgegen. Andere wiederum empfinden genau das als unangenehm oder schnell als zu viel. Mehr über dieses Verhalten erfahren Sie in unserem Artikel „Warum viele Katzen es mögen, am Po geklopft zu werden“.

Und selbst bei Katzen, die diese Stelle mögen, kann die Stimmung schnell kippen. Was sich zunächst gut anfühlt, wird innerhalb von Sekunden zur Überstimulation.

Überstimulation: Wenn es plötzlich zu viel wird

Man kann sich das wie einen Ballon vorstellen, der immer weiter aufgeblasen wird. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem er platzt.

Viele Katzen zeigen zunächst noch Wohlfühlverhalten, werden dann aber zunehmend angespannter. Manche miauen, andere drehen sich um oder fixieren die Hand ihres Menschen. Wird das ignoriert, kann es auch zu Kratzen oder Beißen kommen.

Das Problem: Diese feinen Signale werden in den Videos oft übersehen oder schlichtweg bewusst ignoriert.

„Sie könnte ja weggehen“ – stimmt das wirklich?

Ein häufiges Argument lautet: Wenn die Katze es nicht mögen würde, würde sie einfach gehen. Doch so einfach ist es nicht.

Katzen haben verschiedene Strategien, mit unangenehmen Situationen umzugehen. Neben Flucht oder Angriff gibt es auch weniger offensichtliche Reaktionen:

  • Beschwichtigungsverhalten („Fiddle“)
  • oder das sogenannte Einfrieren

Gerade Letzteres wird häufig missverstanden. Die Katze bleibt still sitzen, wirkt ruhig – tatsächlich erträgt sie die Situation nur. Vor allem ängstliche oder unsichere Tiere wählen diese Strategie.

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Warum „Cat Spanking“ problematisch ist

Nicht jede Katze nimmt durch solche Situationen sofort körperlichen Schaden. Trotzdem ist der Trend kritisch zu sehen.

Denn: Für viele Tiere bedeutet das Schlagen auf den Hinterkörper einen Übergriff – insbesondere dann, wenn ihre Signale ignoriert werden. Auf Dauer kann das „Cat Spanking“ das Vertrauen zum Menschen beeinträchtigen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Social Media vermittelt ein verzerrtes Bild. Wenn immer wieder behauptet wird, Katzen würden das „typischerweise“ mögen, entsteht der Eindruck, das Verhalten sei normal, obwohl viele Tiere deutlich etwas anderes zeigen.

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Woran Halter erkennen, was ihre Katze wirklich will

Eine Katze, die etwas genießt, zeigt das klar und aktiv:

  • Sie sucht von sich aus Kontakt
  • Sie drückt sich gegen die Hand
  • Sie reibt Kopf oder Körper
  • Sie fordert die Interaktion regelrecht ein

Ein einfacher, aber effektiver Trick: Pausen einlegen. Geht die Katze danach aktiv wieder auf die Hand zu oder fordert mehr ein, ist das ein gutes Zeichen. Bleibt sie angespannt oder wendet sich ab, sollte man aufhören.

Fazit: Bitte nicht nachmachen

Der Trend rund um „Cat Spanking“ zeigt vor allem eines: wie leicht Katzenverhalten missverstanden werden kann.

Nur weil einzelne Tiere bestimmte Reize tolerieren oder sogar genießen, gilt das nicht für alle. Im Gegenteil, viele Katzen zeigen in den Videos deutlich, dass sie sich unwohl fühlen.

Wer seine Katze gut kennt und ihre Körpersprache ernst nimmt, wird schnell merken: Eine Katze, die etwas wirklich mag, braucht keine Schläge, um das zu zeigen.

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