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Im Kugelhagel gefunden

Hund Smoky rettete Soldaten im Zweiten Weltkrieg das Leben

Symbolbild: Yorkshire Terrier auf dem Arm
Smoky war der erste Therapiehund der Welt. Und anders als viele vermuten würden kein Golden Retriever oder Labrador. (Symbolbild) Foto: Getty Images
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Sonja Jordans

4. März 2026, 13:13 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

Hunde, die Menschen im Alltag begleiten oder emotional unterstützen, sind heute weitverbreitet. Besonders in Krisen und nach traumatischen Erlebnissen helfen sie. Einer der ersten nachweislich eingesetzten „Therapiehunde“ war der kaum zwei Kilogramm schwere Yorkshire-Terrier Smoky. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte er verletzte und traumatisierte US-Soldaten. Heute gilt er als einer der ersten Therapiehunde, auch wenn er damals nicht so genannt wurde. PETBOOK erzählt seine Geschichte.

Assistenz- und Therapiehunde dürften nahezu jedem schon einmal begegnet sein. Je nach Einsatzgebiet werden sie speziell ausgebildet, wie Blinden- und Diabeteswarnhunde. Andere Tiere leisten emotionale Unterstützung bei Einsamkeit, Krisen und Ängsten. Zudem gibt es Hunde, die Menschen helfen, die ein schweres Trauma erlebt haben. Therapiehunde besuchen regelmäßig Schulen, Seniorenheime und Kinderkrankenhäuser und leisten dort emotionale Unterstützung.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt: Menschen reagieren auf die Nähe von Hunden und auf Interaktionen. Berührungen wie Streicheln führen zu einer vermehrten Freisetzung von Oxytocin, einem Glücks- und Bindungshormon. Gleichzeitig nimmt die Menge des Stresshormons Cortisol ab. Als der erste bekannte Assistenzhund, der als emotionaler Unterstützer eingesetzt wurde, gilt ein Yorkshire-Terrier namens Smoky. Der Hund eines US-amerikanischen Soldaten besuchte während und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verletzte und traumatisierte Soldaten, spendete Trost und unterhielt mit kleinen Tricks.1

Mit Smoky begann die Erfolgsgeschichte tiergestützter Therapien. Weil der kleine Hund spürbar die Stimmung der Verwundeten hob und Soldaten Trost spendete, kamen daraufhin immer mehr Hunde in zahlreichen Krankenhäusern der Vereinigten Staaten zum Einsatz. Inzwischen sind Hunde weltweit als Therapieunterstützer anerkannt. Smoky hatte ihnen den Weg geebnet. 2, 3

Bei Einsätzen im Rucksack dabei 

Smokys Karriere als Assistenzhund begann jedoch alles andere als behütet. Wann und wo der Hund geboren wurde, ist unbekannt. Fest steht aber: Der kleine Terrier hatte keinen leichten Start ins Leben. 1944, während des Zweiten Weltkriegs, wurde er im Dschungel Neuguineas inmitten der dort noch nicht beendeten Kampfhandlungen zwischen alliierten und japanischen Truppen gefunden. Ein US-amerikanischer Soldat namens Ed Downey war laut überlieferten Berichten gerade dabei, einen Militärjeep aus dem Schlamm zu ziehen, als er ein Wimmern hörte. Als er dem Wimmern nachging, fand er einen kleinen Terrier-Welpen in einem Fuchsloch, nahm ihn an sich und rettete ihm so vermutlich das Leben. 4

Weil er laut Überlieferung Geld für ein Pokerspiel benötigte, verkaufte Downey den kleinen Hund kurz darauf an einen anderen US-Soldaten, Corporal William („Bill“) A. Wynne. Der Kriegsfotograf brachte aus seiner Heimat Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) Erfahrung mit der Ausbildung von Hunden mit. In seinen später als Buch erschienenen Erinnerungen an Smoky, wie er den Hund nannte, erzählte Wynne, er habe das Tier rasch als „ungewöhnlich abenteuerlustig, zäh und klug“ erlebt. Diese Eigenschaften sollte Smoky inmitten des Krieges noch brauchen. 5

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Kriegsjahre im Rucksack

Zusammen mit Bill Wynne, der bei der Luftwaffe eingesetzt war, überlebte Smoky anderthalb Jahre Krieg. Der winzige Hund schlief während dieser Zeit bei seinem Besitzer im Zelt. Sein Futter bestand aus Essensrationen, die Wynne mit ihm teilte. Da Smoky nicht offiziell als Kriegshund eingesetzt war, erhielt er weder Hundefutter noch medizinische Versorgung. Wynne schaffte es dennoch, seinen Hund am Leben zu halten. Gemeinsam überstanden er und Smoky laut Berichten 150 Luftangriffe auf Neuguinea und nahmen an zwölf Rettungs- und Aufklärungsmissionen teil.

Während dieser Einsätze saß Smoky im Rucksack seines Halters. Als Wynne an Bord des Schiffes Dienst tat, überlebten er und sein Hund mehrere Kamikaze-Angriffe und einen Taifun. Smoky erwies sich tatsächlich nicht nur als zäh und unverwüstlich, sondern auch als besonders klug: Inzwischen beherrschte er rund 200 Tricks und Kommandos, die ihm sein Halter beigebracht hatte. 

Lebensretter und Bote für Nachrichten 

Kurz darauf rettete der Terrier seinem Herrchen sogar das Leben, wie aus Erinnerungen Wynnes hervorgeht. Als der Soldat gemeinsam mit Kameraden plötzlich mit einer Granate angegriffen wurde, soll Smoky die drohende Gefahr rechtzeitig erkannt und seinen Halter gewarnt haben. Wynne brachte sich und einige Kameraden daraufhin in Sicherheit und überlebte. Acht Soldaten kamen dennoch bei diesem Angriff um. Später übernahm Smoky während des Krieges „Botengänge“ und überbrachte Nachrichten an andere Einheiten, indem er durch Tunnel kroch, die für Menschen zu eng waren, und Kampfgebiete durchquerte. In Indonesien leistete Smoky Unterstützung beim Bau eines Luftwaffenstützpunkts.

Im Januar 1945 war Wynne in den Golf von Lingayen geschickt wurde. Dort musste die Einheit, in der er seinen Dienst tat, einen Luftwaffenstützpunkt unter heftigen Bombenangriffen errichten, wie aus zeitgenössischen Berichten hervorgeht. Während der Arbeiten musste ein Kabel durch ein Rohr mit lediglich 20 Zentimeter Durchmesser gezogen werden. Statt dafür einen Zugang auszugraben, was mehrere Tage Arbeit unter Beschuss bedeutet hätte, kam Smoky zum Einsatz: Wynne band seinem kleinen Hund das Kabel um den Hals und schickte ihn durch das Rohr. Fotos aus der Zeit zeigen Smoky, Wynne und andere Soldaten vor dem Rohr. Smoky erledigte auch diese Aufgabe mit Bravour und entwickelte sich zunehmend zu einem Maskottchen der Truppen.

„Amerikas kleinster Soldat“

Schließlich schickte Bill Wynne ein Foto seines Hundes an ein Magazin, das regelmäßig Berichte und Nachrichten für US-Soldaten veröffentlichte. Das noch immer bekannte und im Internet auffindbare Foto zeigte den winzigen Smoky im Helm seines Halters sitzend. Smoky, dessen Erlebnisse sich inzwischen herumgesprochen hatten, erhielt daraufhin den Titel „Champion-Maskottchen im Südwestpazifik“. Viele weitere Auszeichnungen für „Amerikas kleinsten Soldaten“, wie der Hund inzwischen genannt wurde, sollten folgen. 

Hilfe für traumatisierten Soldaten 

Als Therapietier war Smoky zu jener Zeit allerdings noch nicht aufgefallen. Das sollte sich aber bald ändern, wenn auch durch dramatische Umstände. Smokys Herrchen Bill Wynne erkrankte schwer an Dengue-Fieber und kam ins Lazarett. Seinen geliebten Hund durfte er jedoch nicht mitnehmen, da Tiere in Krankenhäusern nicht erlaubt waren. Da sich Hund und Halter jedoch offenbar vermissten, schmuggelte ein Kamerad Wynnes, der sich um Smoky kümmerte, das Tier ins Lazarett zu seinem Herrchen. Dort angekommen, zeigte Smoky sein wirkliches Talent: Er munterte nicht nur Wynne, sondern auch zahlreiche andere verletzte und traumatisierte Soldaten auf. Der Kommandant der Krankenhausbasis, Charles Mayo, Namensgeber der heutzutage weltweit Mayo-Kliniken, bemerkte die Wirkung des Hundes auf traumatisierte Soldaten und nahm Smoky mit zu einigen seiner Patienten.

Somit begann die „Karriere“ des kleinen Fund-Hundes als erstes bekanntes Therapietier. Einer der Soldaten, denen Smoky half, litt Berichten zufolge unter einem Trauma und posttraumatischen Belastungsstörungen. Er hatte sich demnach völlig zurückgezogen und aufgehört zu sprechen. Nachdem ihm jedoch Smoky auf den Schoß gesetzt worden und sich mit dem Mann beschäftigt hatte, soll er gelächelt, wieder kommuniziert und mit anderen gesprochen haben. 

Vom Kriegsschauplatz in die Krankenhäuser

Als Wynne wieder gesund war, besuchten er und Smoky aufgrund dieser Erlebnisse regelmäßig verwunderte Soldaten in Krankenhäusern des gesamten Pazifikraums. Die Geschichte des Hundes wurde zunächst in Militärmagazinen verbreitet und führte dazu, dass in den USA immer mehr Hunde in Krankenhäusern und bei der Behandlung traumatisierter Soldaten eingesetzt wurden.

Wie aus Berichten hervorgeht, waren mithilfe von Spenden bis Ende 1947 schließlich rund 700 Hunde als offizielle Therapiehunde in US-Kliniken eingesetzt worden – dank Smoky, der gezeigt hatte, welche Wirkung Tiere auf traumatisierte und verletzte Menschen haben können. Auch Smoky war weiterhin regelmäßig in Krankenhäusern unterwegs, besuchte ehemalige Soldaten und half ihnen, mit den Erlebnissen aus dem Krieg fertigzuwerden.

Smoky hätte gar nicht in die USA gedurft 

Dass Smoky heute als erster, bekannter Therapiehund gilt und dieser Therapieform den Weg geebnet hat, wäre jedoch beinahe gescheitert. Nur, weil sich sein Halter Bill Wynne nach Ende seiner Dienstzeit einer offiziellen Anweisung der US-Armee widersetzte, kam sein Hund in die USA. Denn die Streitkräfte hatten eigentlich angeordnet, dass Tiere aus Einsatzgebieten nicht mitgenommen werden durften, sondern im jeweiligen Land verbleiben sollten. Wynne aber hielt sich nicht daran und nahm seinen treuen Freund mit nach Hause. Noch lange nach Kriegsende war Smoky daher dort als Therapiehund unterwegs, trat im örtlichen Kinderfernsehen auf und besuchte Pflegeheime und Schulen. 1955 ging der Hund schließlich in „Ruhestand“. Zwei Jahre später starb Smoky mit etwa 14 Jahren friedlich im Schlaf. Sein Herrchen Bill Wynne und er waren bis zuletzt zusammen. 

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Ein Denkmal für den kleinen Terrier

Wynne begrub sein geliebtes Tier in einer ausgedienten Munitionskiste in der Rocky River Reservation nahe seines Wohnorts in Cleveland. Gut fünf Jahrzehnte blieb das Grab des kleinen Hundes unbekannt. Seine Geschichte jedoch geriet nicht in Vergessenheit. Ein Vietnam-Veteran, der von Smoky gehört hatte, nahm schließlich Kontakt zu Wynne auf und erfuhr, wo der Hund begraben lag. Der Veteran sorgte dafür, dass Smoky ein Denkmal gesetzt wurde. 6

Er  sammelte Geld, um dem kleinen Terrier eine Statue errichten zu lassen. Die Figur stellt das ikonische Foto nach, das Wynne einst an ein Militärmagazin geschickt hatte und das Smokey im Soldatenhelm sitzend zeigt. Sie steht an jener Stelle in der Rocky River Reservation, an der Smoky begraben ist. Die Statue ist nicht nur dem Terrier, sondern allen Hunden gewidmet, die in Kriegen eingesetzt werden. 7

Späte Ehrungen und bleibendes Vermächtnis

Für seinen Dienst im Zweiten Weltkrieg wurde Smoky zudem 2022 posthum mit der „Animals in War and Peace Distinguished Service Medal“ ausgezeichnet, höchsten US-Medaille, die an ein Tier vergeben werden kann. Australien ehrte das Tier ebenfalls. Dort wurde ihm das „Purple Heart“ verliehen, das Handlungen von Tieren würdigt, die ihr Leben riskiert haben, um Menschen vor Verletzung oder dem Tod zu bewahren. 

Smokys Halter William Wynne arbeitete nach dem Krieg als Fotojournalist. 1996, im Alter von 74 Jahren, schrieb er ein Buch über seinen besonderen Hund (Yorkie Doodle Dandy: A Memoir). Darin erzählte er von den Erlebnissen Smokys im Krieg und während der Jahre danach. Smoky inspirierte zudem andere Autoren, es erschienen ein Roman und eine Kindergeschichte über den Hund. Nicht nur am Grab des Hundes in Ohio steht heute ein Denkmal, das an den ersten bekannten Therapiehund der Welt erinnert. Auch in Brisbane (Australien) steht ein Smoky-Denkmal. Smokys Halter Bill Wynne starb 2021 im Alter von 99 Jahren. 

Quellen

  1. hundehelfenheilen-stiftung.de, „Wirkung der Hunde auf uns Menschen“ (aufgerufen am 20.02.2026) ↩︎
  2. theexasperatedhistorian.com, „Smoky“ (aufgerufen am 20.02.2026) ↩︎
  3. dogcentral.org, „What Was So Special About the First Therapy Dog?“ (aufgerufen am 20.02.2026) ↩︎
  4. military.com, „The World's First Therapy Dog Was a World War II Pacific Veteran“ (aufgerufen am 20.02.2026) ↩︎
  5. baseljetzt.ch, „Diese Hunde haben Geschichte geschrieben“ (aufgerufen am 20.02.2026)  ↩︎
  6. cuteness.com, „The World's First Therapy Dog Isn't The Breed You Would Expect“ (aufgerufen am 20.02.2026)  ↩︎
  7. nationalserviceanimalsmemorial.org, „Smoky – First Therapy Dog & Veteran of WWII“ (aufgerufen am 20.02.2026) ↩︎

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