23. Februar 2026, 17:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In Catania auf Sizilien soll ein Mann seinen Hund darauf trainiert haben, Müll illegal zu entsorgen, um Überwachungskameras zu umgehen. Die Stadt veröffentlichte die Aufnahmen auf Facebook. Was lustig klingt, ist in Italien ein ernstes Problem. Welche Strafe den Mann erwartet und wie er es vermutlich geschafft hat, seinen Vierbeiner für die „Drecksarbeit“ zu begeistern, verrät PETBOOK-Redakteurin und Verhaltensbiologin Saskia Schneider.
Kleiner Hund trägt Müllbeutel zu einer „wilden Müllkippe“
Die Szenen wurden in der Via Pulacara im Stadtteil San Giorgio aufgezeichnet. Dort hatte die Stadt Kameras installiert, um gegen sogenannte „wilde Müllkippen“ vorzugehen. Auf den Videos ist ein kleiner Hund zu sehen, der einen Müllbeutel trägt und ihn an einer Stelle ablegt, die sich im Laufe der Zeit zu einer illegalen Müllablagerung entwickelt hatte. Laut italienischen Medien wiederholte sich das Verhalten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen – immer nach demselben Muster.
„Einfallsreichtum kann niemals Entschuldigung für Ordnungswidrigkeit sein“
Die Stadt Catania veröffentlichte die Aufnahmen am 19. Februar auf ihrer offiziellen Facebook-Seite der Stadt Catania. Die Videos stammen von der Umweltabteilung der örtlichen Polizei von Catania. Überwachungskameras im Stadtteil San Giorgio nahmen einen Hund auf, wie er eine Mülltüte auf der Straße abstellt. Dazu schrieb die Kommune: „Einfallsreichtum kann niemals eine Entschuldigung für Ordnungswidrigkeit sein.“
Die Szene lasse „wenig Raum für Zweifel“: Das Tier sei offenbar trainiert worden, damit der Besitzer nicht selbst beim illegalen Entsorgen gefilmt werde. Die Stadt bezeichnet das Verhalten als „ebenso schlau wie doppelt falsch“. Nicht nur, weil es die Stadt verschmutze, sondern auch versuche, die Regeln zu umgehen, indem „der ahnungslose vierbeinige Freund“ ausgenutzt werde. Laut der britischen Tageszeitung „The Guardian“ wurde der Mann inzwischen identifiziert und mit einer Geldstrafe belegt.1
Clever trainiert – aber wie?
So außergewöhnlich der Fall klingt: Aus verhaltensbiologischer Sicht ist er durchaus plausibel. Einen Gegenstand im Maul zu tragen und an einem bestimmten Ort fallen zu lassen, gehört zu den klassischen, leicht trainierbaren Aufgaben im Hundetraining. Viele Hunde apportieren begeistert – und nicht selten sieht man einen Hund mit einer Tüte durch die Stadt laufen.
Die Frage, die sich viele stellen: Wie hat der Halter seinen Hund trainiert, damit dieser nicht nur den Müll apportiert, sondern auch eigenständig und ganz allein und der richtigen Stelle ablegt. Tatsächlich lernen Hunde vor allem über sogenannte operante Konditionierung. Das bedeutet: Verhalten, das sich für sie lohnt – etwa durch Futter oder Aufmerksamkeit – wird häufiger gezeigt. Solch ein komplexes Verhalten muss allerdings über mehrere kleine Schritte gut aufgebaut werden.
Dass der Hund den Müll ablegt, scheint dem Mann also sehr wichtig gewesen zu sein, denn er hat wahrscheinlich viel Zeit ins Training investiert. Wie er den Hund aber genau trainiert hat, bleibt wohl das Geheimnis des Mannes.
Illegale Müllentsorgung ist ein großes Problem
Illegale Müllablagerungen sind in Italien, besonders im Süden, seit Jahren ein Problem. Nach Angaben des „Guardian“ wurden 2023 mehr als 9300 abfallbezogene Straftaten registriert – ein Anstieg um 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Um dagegen vorzugehen, setzen viele Städte zunehmend auf Überwachungskameras und sogenannte „Kamerafallen“. In Palermo sollen 93 Prozent der Bußgelder wegen illegaler Müllentsorgung auf Videoaufnahmen beruhen.
Diese Strafe erwartet den „listigen Müllentsorger“
Nach italienischem Recht kann das unerlaubte Zurücklassen von Abfall – selbst von gewöhnlichen Hausmüllsäcken – Geldstrafen zwischen 1500 und 18.000 Euro nach sich ziehen. In schweren Fällen sind auch strafrechtliche Konsequenzen möglich.
Wie viel der „listige Müllentsorger“ letztendlich zahlen muss, bleibt abzuwarten. Eins steht aber fest: Den Vierbeiner trifft keine Schuld. Er hat vermutlich einfach das getan, was er gelernt hat. Für den Hund war das Entsorgen von Müll möglicherweise sogar ein Spiel oder eine Aufgabe, die ihm Freude bereitete – nicht mehr und nicht weniger.