2. März 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Schon mal was von den „Railway Dogs“ gehört? Hinter dem Namen, der nach Casting-Band klingt, stecken ein paar Jungs, die deutlich süßer als jede Boygroup sind. Das Besondere: zu Lebzeiten hatten sie eine echte Mission. PETBOOK erzählt die tierisch faszinierende Geschichte.
Die vergessenen Charity-Pioniere auf vier Beinen
London, Paris, Hamburg – wer heute durch die großen Bahnhöfe dieser Welt läuft, sieht überall dasselbe Bild: Hektik, Pendler-Stress und dazwischen viele Menschen, die vom Schicksal hart getroffen wurden. Obdachlose, Menschen mit Suchterkrankungen, Menschen, die auf ein wenig Kleingeld hoffen. Viele Bahnhöfe sind Orte der Not. Das war früher sogar noch schlimmer.
Im letzten und vorletzten Jahrhundert war der Dienst bei der Eisenbahn ein knallhartes und brandgefährliches Pflaster. Sicherheitsstandards, wie wir sie heute kennen, existierten noch nicht. Unfälle waren hier an der Tagesordnung. Verstarben die Bahnangestellten, bliebe ihre Kinder oft mittellos zurück, da es keine staatliche Absicherung gab, die das Familieneinkommen auffing.
Damit Kindern in solchen Fällen geholfen werden konnte, wurde im Jahr 1885 das Waisenhaus Southern Railway Servants’ Orphanage in Woking gegründet. Mitte der 1960er-Jahre trugen ganz spezielle „Sammler“ an den Bahnhöfen Spenden zusammen. Die sogenannten „Railway Dogs“, Hunde, die ausgerüstet mit einer Spendendose auf dem Rücken durch die Wartehallen patrouillierten.
Ein Ehren-Centurian im Ruhestand
Die „Railway Dogs“ gelten heute als Vorreiter der Charity-Kultur und werden auch heute noch für ihr beispielhaftes Verhalten gefeiert. Einer von ihnen steht heute ausgestopft am Bahnhof Wimbledon. „Laddie“ ist ein Airedale-Terrier, er wurde 1948 geboren und lief zu Lebzeiten wedelnd am Londoner Bahnhof Waterloo entlang.
Laddies Erfolg war so durchschlagend, dass er zum Ehrenmitglied im Tail Waggers Club ernannt wurde – einer legendären Tierschutzorganisation, die bereits 1929 gegründet wurde. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1956 brachte er es zum „Ehren-Centurian“, dem höchsten Rang, den ein Hund dort erreichen konnte. Als er am 31. März 1956 schließlich in den Ruhestand ging, zog er in das Altenheim der Eisenbahner in Woking. Man gönnte ihm seine Knochen und seine Ruhe.
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Lasst uns mehr wie Laddie sein!
Als Laddie um 1960 starb, entschied man sich, ihn nicht einfach gehen zu lassen. Professionell präpariert kehrte er in einer Vitrine an den Bahnhof Wimbledon zurück.
Dort ersetzte er seine Vorgängerin „Wimbledon Nell“, die bereits ins Museum umgezogen war. In seiner Vitrine auf Gleis 8 sammelte Laddie unermüdlich weiter. Bis 1990 – also unglaubliche 30 Jahre nach seinem biologischen Tod – fütterten Passagiere weiterhin seine Spendenbox. Man schätzt, dass er und seine „Kollegen“, wie der berühmte „Station Jim“, über die Jahrzehnte Tausende von Pfund für Witwen und Waisen gesammelt haben.
Was wir von Laddie lernen können
Heute steht Laddie sicher verwahrt. Reisende können Laddie begutachten und seine Geschichte auf kleinen Infotafeln nachlesen. Die kleine Anekdote aus dem 20. Jahrhundert erinnert uns an Gemeinschaft und Fürsorge, auf die wir alle angewiesen sind.
Mein Fazit für den Gang über den Bahnhof: Wenn wir dort auf Obdachlose und Menschen, die Hilfe brauchen, stoßen, lasst uns nicht stumm weitergehen. Ein wenig mehr „Laddie-Spirit“ fühlt sich im Pendler-Chaos gut an.