28. Oktober 2025, 6:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Klein, kleiner, Minihund. Ob Chihuahuas, Zwergspitze oder Toypudel – Hunde in XXS sind seit Jahren im Trend und werden immer kleiner. Das bringt erhebliche gesundheitliche Probleme mit sich, scheint der Zucht aber keinen Abbruch zu tun. In den Niederlanden startete deshalb die Kampagne „Keine Minihunde kaufen“. Wird es bald auch ein Verbot geben? Und wie sieht die Lage in Deutschland aus?
Am 20. Oktober startete in den Niederlanden die nationale Kampagne „Keinen Minihund kaufen“, wie das niederländische Tierärzte-Magazin „Vetlife“ berichtete. Auf großen Plakaten sieht man kleine, niedliche Hunde wie Chihuahuas – darüber die Worte in großen, lila Buchstaben „Klein maar pijn“ (zu Deutsch sinngemäß: „Klein, aber mit Schmerz“). Die Kampagne richtete sich gezielt gegen den Verkauf von Hunden unter drei Kilogramm.
Diese sogenannten Minihunde wirken auf den ersten Blick zwar niedlich, ihre Größe bringt aber erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich wie Hernien, Nackenschmerzen, Atemnot, lockere Kniescheiben, ernsthafte Zahnprobleme und chronischen Stress. „Die meisten Besitzer erkennen die Schmerzsignale nicht. Wenn wir sie sehen, ist es oft schon schlimm“, zitiert „Vetlife“ die niederländische Tierärztin Joyce Hofman, die täglich sechs bis zehn Minihunde mit derartigen Beschwerden bei sich in der Praxis sieht.
Gesundheitliche Probleme der Minihunde
Das Problem bei der Zucht von Minihunden ist, dass hier immer die kleinsten Hunde ausgewählt werden. Dabei geht es rein nach Optik und oft wird nicht überprüft, ob auch die Organe alle gesund sind. Denn diese schrumpfen nicht im gleichen Verhältnis wie die Knochen. So passt das Gehirn bei vielen Minis oft nicht mehr in den Schädel und Zunge samt Gaumensegel nicht mehr ins Mäulchen.
Das führt zu einer Reihe gesundheitlicher Probleme, die die Tiere in ihrer Lebensqualität teils stark beeinträchtigen und Schmerz und Leid verursachen können. Dazu zählen neurologische Erkrankungen wie die Chiari-Malformation, die zu chronischen Schmerzen und neurologischen Ausfällen führen kann. Auch Knieprobleme wie Patellaluxation, die Lahmheit und weitere Gelenkprobleme verursacht, ist bei kleinen Hunden unter drei Kilogramm fast die Regel.
Dazu kommen Kieferprobleme, Zahnfehlstellungen und Zahnsteinbildung sowie Atemprobleme. Vor allem, wenn zum Zwergwuchs auch noch die Brachycephalie, also Kurzköpfigkeit, hinzukommt.
Minihunde haben es bei der Sozialisation schwer
Aufgrund ihrer Größe besteht für Minihunde ein hohes Verletzungsrisiko, wenn sie mit anderen, größeren Hunden interagieren. Diese müssen es nicht mal „böse meinen“. Eine unbedachte Bewegung und schon ist ein Beinchen gebrochen. Das führt oft dazu, dass kleine Hunde ständig unter Stress stehen. Denn zu selten stehen die Besitzer für ihr Tier ein und schützen es oder bemühen sich um eine vernünftige Sozialisation mit umsichtigen großen Hunden und Spielkameraden in der passenden Größe.
Das ist übrigens auch ein Grund, warum viele kleine Hunde zu „Kläffern“ oder „bissig“ werden. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel: Sind Chihuahuas wirklich so aggressiv? Das sagen Experten.
Werden Minihunde in den Niederlanden bald verboten?
Ob aus der Kampagne tatsächlich ein Verbot entsteht, bleibt abzuwarten. Doch die Niederlande sind, was das Verbot von Qualzuchten angeht, Vorreiter in der EU. Bereits 2023 hat das Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität die Zucht von brachycephalen Hunden mit bestimmten Defektmerkmalen endgültig verboten.
Da mittlerweile auch viele kleine Hunderassen wie Zwergspitze – vor allem diejenigen unter drei Kilogramm – Qualzuchtmerkmale aufweisen, könnte es bald ein Verbot der Minihunde geben.
Minihunde-Verbot – diese Rassen wären betroffen
Solch ein Verbot würde vor allem die Rassen treffen, die für ihre geringe Größe bekannt sind. Allen voran der Chihuahua. Richtet man sich nach dem Zuchtstandard der Fédération Cynologique Internationale (FCI), der weltweit größten kynologischen Organisation, an dem sich auch deutsche Züchter halten, dürften Chihuahuas gar nicht mehr gezüchtet werden. Denn dort heißt es zu „Größe und Gewicht“: „Idealgewicht zwischen 1,5 und 3 Kilogramm. Trotzdem werden Hunde zwischen 500 Gramm und 1,5 Kilogramm akzeptiert. Exemplare über 3 Kilogramm werden ausgeschlossen.“1
Andere Rassen, die für Minihunde bekannt sind, wären laut dem Zuchtstandard nicht betroffen. Darunter Zwergpinscher, die 4 bis 6 Kilogramm wiegen sollen, und auch Zwergspitze, bei denen zwar kein Mindestgewicht genannt wird, bei denen die Schulterhöhe aber um die 20 Zentimeter liegen sollte, was in der Regel einem Gewicht von etwa 3,5 bis 4 Kilogramm entspricht.
Warum man keine Teacup-Hunde kaufen sollte
Bundestierschutzbeauftragte: „Das beste Gesetz hilft nicht, wenn es nicht umgesetzt wird“
Sollten Minihunde auch in Deutschland verboten werden?
Das Problem sind allerdings weniger die eingetragenen Zuchtvereine, wie die niederländische Kampagne betont. Beunruhigend sei der massive Import extrem kleiner Hunde aus Ländern wie Russland, Weißrussland und anderen Teilen Osteuropas. In diesen Ländern gebe es oft keine genetischen Tests. Viele Welpen, die in den Niederlanden landen, würden versteckte Erbkrankheiten tragen, heißt es weiter.
Dieses Problem existiert auch in Deutschland. Ein Zuchtverbot der Minihunde würde also zu kurz greifen. Auch die Haltung und der Erwerb müssten verboten werden. Doch wie stehen deutsche Hundehalter dazu?
Mehrheit der Hundehalter in Deutschland begrüßt die Kampagne
Im Forum der App „Dogorama“, die von mittlerweile mehr als 850.000 Hundehaltern genutzt wird, konnten die Nutzer über das Thema Minihunde-Verbot diskutieren. Dabei begrüßte die überwältigende Mehrheit der Nutzer die Kampagne deutlich positiv. Viele fordern sogar ein europaweites oder deutsches Verbot von Minihunden und anderen Qualzuchten. Einige User betonen, dass bestehende Verbote in Deutschland oft nicht durchgesetzt werden, und äußern Skepsis gegenüber der Effektivität neuer Regeln.