23. März 2026, 6:17 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die ersten Sonnenstrahlen, zwitschernde Vögel und frische Frühjahrsluft locken uns nach einem kalten, dunklen Winter jetzt endlich wieder mehr nach draußen. Aber Hund und Katze liegen lieber zu Hause faul in ihrem Körbchen, dösen und wirken lustlos. Leiden unsere Haustiere etwa Frühjahrsmüdigkeit? PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Katzen und Hunde, Philine Ebert, verrät, was dahintersteckt.
Gibt es bei Haustieren Frühjahrsmüdigkeit?
Es ist wissenschaftlich zwar noch nicht erwiesen, aber auch Tiere – und damit auch unsere Haustiere – können an Frühjahrsmüdigkeit leiden. Ihre Körperfunktionen erwachen erst langsam aus dem Winterschlaf und das macht sich ähnlich bemerkbar wie beim Menschen.
Während der kalten und dunklen Jahreszeit ist der Organismus heruntergefahren und muss jetzt erst langsam wieder in die Gänge kommen.
Die Umstellung von Wintertemperaturen auf warmes Frühjahrswetter ist jedes Mal aufs Neue eine besondere Herausforderung – für Mensch und Tier.
Was passiert jetzt im Organismus?
Über die Wintermonate fährt der Organismus herunter, der Serotoninspiegel ist gesunken. Serotonin wird als das „Glückshormon“ bezeichnet. Es ist verantwortlich für Stimmung, Schlaf, Appetit und die Darmtätigkeit. Zusätzlich hat auch das Schlafhormon Melatonin die Müdigkeit erhöht. Katze und Hund halten sich weniger draußen auf und der gesamte Stoffwechsel arbeitet langsamer.
Der Jahreszeitenwechsel von Winter auf Frühjahr mit der Umstellung von kalten auf warme Temperaturen kostet nun zusätzlich Kraft und Energie. Es dauert seine Zeit, bis das gewohnte Energielevel wieder erreicht ist. In dieser Zeit schlafen unsere Haustiere eventuell mehr, wirken schlapp und müde. Auch Appetitlosigkeit kann ein Anzeichen sein. Besonders sensible, ältere oder kranke Tiere brauchen jetzt mehr Zeit und Ruhe für die Umstellung.
Der Fellwechsel – eine oft unterschätzte Belastung
In der Übergangszeit von Frühling auf Sommer steht bei unseren Haustieren auch der Fellwechsel an. Nachdem der Wechsel auf das Sommerfell von ganz alleine stattfindet und dem Halter hauptsächlich durch das stärkere Haaren auffällt, kostet er unsere Tiere aber tatsächlich mehr Kraft, Energie und Nährstoffe als man denkt.
Gerade bei Hunden hat die dicke Unterwolle im Winter vor Kälte geschützt. Sobald es wärmer wird, wird sie aber zur Belastung. Der Fellwechsel dauert mehrere Wochen und bis dahin macht das dicke Fell bei steigenden Temperaturen dem Hund schnell zu schaffen. Wird es ihm zu warm, macht er häufiger Pausen, ruht sich aus, meidet die direkte Sonne und sucht sich ein kühles Plätzchen.
Der Fellwechsel kostet den Organismus aber auch zusätzlich Energie. Stoffwechselbelastungen können dazu führen, dass mehr Nährstoffe benötigt werden. Die Organe entgiften und auch das Immunsystem ist in dieser Zeit oft besonders gefordert. Eine angepasste Nährstoffzufuhr und die Unterstützung durch spezielle Nahrungsergänzung ist während des Fellwechsels oft hilfreich.
Nährstoffgehalt anpassen
Wie wir Menschen nehmen auch unsere Haustiere über den Winter oft an Gewicht zu. Mangelnde Bewegung, ein heruntergefahrenes Energielevel und zusätzliche Leckereien machen sich dann auch bei Katze und Hund auf der Waage bemerkbar. Wir können unser Tier jetzt gezielt unterstützen, indem wir die Nährstoffzufuhr anpassen und langsam die Aktivität wieder steigern.
Gehaltvolle Leckerlis zu reduzieren oder durch gesündere Alternativen wie Obst oder Gemüse zu ersetzen, spart unnötige Kalorien und ist eine willkommene Abwechslung. Ausreichendes Trinken ist auch in dieser Umstellungsphase besonders wichtig.
Bewegung langsam wieder steigern
Katzen, insbesondere Wohnungskatzen zur Aktivität zu motivieren ist oft schwierig. Neues Spielzeug, Versteckspiele oder Aufgaben im Haus oder draußen animieren zur Bewegung. Ein sonniges Plätzchen auf einer Fensterbank oder im Wintergarten lädt zum Beobachten und Sonnen ein. Das weckt schnell die Lust darauf herauszugehen.
Die Abenteuerlust von Hunden steigert man mit abwechslungsreichen, spannenden Spaziergängen auf neuen Wegen mit Spielunterbrechungen auf Wiesen oder Hundeplätzen. Die Sonne kurbelt die Hormonproduktion an und steigert die Neugier. Artgenossen zu treffen, mit ihnen zu kommunizieren und zu spielen macht munter und glücklich. Kontakte, Schnüffeln, Markieren und Entdecken motivieren zu mehr Bewegung und bringen optimale Auslastung.
Auch wenn diese Aktivitäten erst einmal Kraft kosten und müde machen, werden damit alle wichtigen Körperfunktionen wieder in Gang gebracht. Der Winterspeck verschwindet dann schnell von alleine und das Energielevel steigt nach und nach.
Wetterfühligkeit kann auch Haustiere treffen
Auch Tiere merken einen plötzlichen Wetterumschwung. Ähnlich wie wir Menschen sind sie an Tagen mit starken Temperaturschwankungen, Föhn oder Gewitter eher antriebslos, sensibel, müde oder schlapp. Auch Kopfschmerzen und Unwohlsein können sie dann zusätzlich belasten.
An diesen Tagen sollte man sein Haustier nicht überfordern, ausruhen lassen und nichts erzwingen. Auch Katze und Hund steht mal ein „Lazy Day“ zum Faulsein zu, um in den kommenden Tagen wieder richtig durchstarten zu können.
Allergische Reaktionen auf Pollen
Katzen und Hunde können wie Menschen allergisch auf Pollen oder andere Umweltreize reagieren. Hautprobleme, Niesen, tränende Augen, Husten, Rückwärtsniesen oder Verhaltensauffälligkeiten können Symptome für eine allergische Reaktion sein. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte abgeklärt werden, ob es sich um eine Allergie oder lediglich nur um Symptome von Frühjahrsmüdigkeit handelt.
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Die Hormone spielen verrückt
Nach der Winterpause werden Katzen im Frühjahr wieder rollig. Bei Rüden steigt der Testosteronspiegel, Hündinnen werden läufig. Das bedeutet für unsere Haustiere eine zusätzliche Belastung. Regelrechter Liebeskummer, Unruhe, Appetitlosigkeit, Jaulen, Fiepen, Jammern oder vermehrtes Hecheln können hormonell bedingte Symptome neben der Frühjahrsmüdigkeit sein.
Fazit: Zeit für Umstellung geben
Auch wenn die Existenz von Frühjahrsmüdigkeit bei Haustieren bisher nicht eindeutig bewiesen wurde, kennen wir alle dieses träge und unmotivierte Gefühl während der Umstellung aufs Frühjahr.
Wer Hund und Katze aufmerksam beobachtet kann die Anzeichen und Symptome eindeutig erkennen und zuordnen. Geben wir unseren Haustieren jetzt die Zeit und die nötige Unterstützung sich langsam an die neuen Umstände zu gewöhnen, können wir gemeinsam gestärkt und fit in den Frühling starten.