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Erfahrungsbericht

»Lasse mir in der Hundeschule nicht mehr alles bieten

Hundeschulen können für einige Hundehalter durchaus zur unschönen Erfahrung werden.
Hundeschulen können für einige Hundehalter durchaus zur unschönen Erfahrung werden. Foto: picture alliance / imageBROKER | J. De Meester & Getty Images
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1. September 2025, 10:00 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

„Wo gehen Sie in die Hundeschule?“ Die Frage kam beiläufig, auf einem dieser typischen Spaziergänge, bei denen sich Hunde in Sekunden anfreunden und die Halter versuchen, sich in der Zwischenzeit ebenfalls langsam anzunähern. Ich zögerte kurz. Die ehrliche Antwort ist: Wäre die Hundeschule eine Menschenschule, hätte ich hier nicht mal den Grundschul-Abschluss geschafft. Lange habe ich es nämlich nie irgendwo durchgehalten.  

Taub und beratungsresistent?

Im Laufe meines Lebens als Hundehalterin habe ich mir einige Hundeschulen angeschaut. Nicht, weil ich mit einem konkreten Problem hingegangen wäre, sondern eher für das gute Gewissen. „Hundeschule“ – das war bisher immer mein Eindruck – gehört halt irgendwie dazu. Vielleicht muss man dazu sagen, dass ich das Glück habe, bisher nie wirklich verzweifelt wegen meiner Hunde gewesen zu sein. Meine Hunde – obwohl beide aus dem Tierschutz – sind beide etwas stürmisch, in für sie passenden Situationen taub und beratungsresistent. Im Großen und Ganzen sind sie aber doch insgesamt ziemlich unproblematisch. 

Unproblematisch heißt für mich: Sie gehen im Haus auf ihren Platz, wenn ich es verlange, sie knurren niemanden an, sie bellen nicht aufgeregt, wenn sie fremde Hunde sehen und zumindest meine Hündin kann ich problemlos ableinen, ohne dass sie wegläuft. Ich kann mich auf beide also mehr oder weniger verlassen und sie machen mir mehr Freude als Sorgen. Für mich war die Hundeschule deshalb nie ein letzter Ausweg. Eher ein Ausgleich, etwas, das ich freiwillig mache, weil ich meinen Hunden Abwechslung und Spaß gönnen will – und weil auch ich selbst dazulernen möchte.  

Ohne jede Einsicht

Aber was ich dort erlebt habe, hat mich oft eher abgeschreckt. Ich habe Hundeschulen erlebt, in denen regelrecht verbissen an eigenen Methoden festgehalten wurde, ganz ohne ersichtlichen Grund.  

Ich erinnere mich an einen Vorfall, als ich keine Decke dabei hatte, auf der mein Hund während der Stunde „Platz“ machen sollte. Ich wurde nicht etwa freundlich erinnert, sondern regelrecht angefahren. Eine andere Schule ermutigte uns Hundehalter bei quasi jeder Bewegung dazu, den Hunden Leckerli zuzustecken, sodass ich mich fragte, ob ich nun zukünftig deshalb immer mit einem Rucksack voll Proviant auf den Spaziergang aufbrechen sollte. Für mich absolut nicht alltagstauglich. In solchen Momenten habe ich mir gedacht: „Nein, danke. Dann komme ich halt nicht wieder. So will ich meine Freizeit nicht verbringen.“ Und ganz ehrlich? Es war die richtige Entscheidung. 

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Wenn Unsicherheit auf Autorität trifft 

Für mich war es einfach, zu gehen. Aber für viele andere ist es das nicht. Ich kenne einige Menschen, die gerade mit ihrem ersten Hund total verunsichert sind. Diese treffen dann auf eine Person, die sich mit voller Überzeugung hinstellt und sagt: 

  • „Ihr Hund muss IMMER warten, bis Sie ein Kommando AUFLÖSEN.“ 
  • „Ohne Klicker geht gar nichts.“ 
  • „Die Pfeife ist das A und O.“ 

Wenn dann noch eine autoritäre Ausstrahlung dazukommt, neigen viele dazu, zu glauben: Dieser Mensch weiß alles, ich weiß nichts. 

Aber je mehr Hundeschulen man sich anschaut, desto mehr erkennt man: Es gibt nicht den einen goldenen Weg. Im Gegenteil: Die Methoden unterscheiden sich zum Teil extrem. Die einen arbeiten mit positiver Verstärkung, die anderen mit Leinenruck und Unterwerfung. Die einen schwören auf freie Entscheidungen, die anderen auf hundertprozentige Kontrolle. Und wissen Sie was? Das ist in Ordnung. Aber Sie dürfen – und sollten – entscheiden, welcher Weg zu Ihnen und Ihrem Hund passt. 

Wo fängt Grenzüberschreitung an? 

Was müssen Sie sich in einer Hundeschule gefallen lassen? Ganz klar: einen respektvollen Umgang. Punkt. Das heißt nicht, dass man Ihnen nach dem Mund reden muss, aber wenn Sie sich herablassend behandelt fühlen, Schuldgefühle bekommen oder keine Fragen mehr stellen dürfen, dann ist das ein deutliches Warnsignal. 

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ein Hundetraining, bei dem sich Halter nicht ernst genommen fühlen, nicht sonderlich effektiv ist. Mir persönlich jedenfalls geht es so, dass meine Motivation sinkt, die Trainingsinhalte im Alltag umzusetzen, wenn mir das Gefühl gegeben wird, ich würde ohnehin alles falsch machen. Und das wiederum hat negative Effekte auf meine Hunde. Kurz gesagt: Wie man mit Ihnen spricht, beeinflusst, wie Sie mit Ihrem Hund arbeiten. 

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Was Sie erwarten dürfen – und was nicht 

Sie dürfen in einer Hundeschule erwarten: 

  • Dass man Ihnen zuhört. 
  • Dass auf Ihren Hund individuell eingegangen wird. 
  • Dass Methoden erklärt – nicht aufgedrückt – werden. 
  • Dass Sie Fragen stellen dürfen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. 
  • Dass Ihr Hund nicht angeschrien, körperlich korrigiert oder unter Druck gesetzt wird (es sei denn, Sie haben dem ausdrücklich zugestimmt – was Sie nicht müssen!). 

Was Sie nicht hinnehmen müssen: 

  • Herablassende, belehrende oder aggressive Ansprache. 
  • Pauschalurteile über Sie oder Ihren Hund („Der hat Sie nicht ernst genommen!“, „Puh, da müssen wir aber ganz von vorn anfangen!“) 
  • Ein System, das sich im Alltag nicht umsetzen lässt – etwa zehn Hilfsmittel, die Sie ohnehin nie dabeihaben. 
  • Eine Atmosphäre, in der Sie sich klein oder inkompetent fühlen. 
  • Abgrenzung lernen – auch als Hundehalter 

Abgrenzung lernen – auch als Hundehalter 

Viele Menschen, die Hunde haben, sind empathisch, harmoniebedürftig – und neigen dazu, eher still zu halten, wenn jemand „von oben herab“ redet. Aber genau hier ist gesunde Abgrenzung wichtig. 

In der Psychologie nennt man das „assertive Kommunikation“, also: Klar und freundlich Grenzen setzen. Wer das kann, ist langfristig zufriedener – auch in der Beziehung mit Hundetrainern.  

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Ein Beispiel für eine klare Grenze wäre: 

„Ich verstehe, dass die Decke für Sie wichtig ist, aber ich habe heute bewusst darauf verzichtet. Ich würde mir wünschen, dass wir das kurz ruhig besprechen können.“ 

Oder auch: 

„Das klingt interessant, aber das passt für mich im Alltag leider nicht. Ich komme ohne Pfeife besser klar.“ 

Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Sie dürfen eigene Entscheidungen treffen. Ihr Hund lebt schließlich bei Ihnen und muss für Sie im Alltag kontrollierbar sein – nicht nur auf dem Hundeplatz.

Suchen Sie sich Menschen, die Sie ernst nehmen 

Eine Hundeschule ist keine Pflichtveranstaltung. Es ist ein Angebot, ein Hobby und hoffentlich, sofern Ihr Hund nicht verhaltensauffällig ist, eine Art von Freizeitspaß. Die Welt wird nicht untergehen, wenn Sie die verlangte Pfeife nicht zum Training mitbringen, und ja, es ist auch in Ordnung, wenn Sie Klicker doof finden und Ihren Hund auf Ihre Art loben. Wie bei jedem Angebot dürfen Sie frei entscheiden: Tut mir das gut? Lerne ich hier etwas? Passt der Ton zu mir? Und entspricht der Erziehungsstil meiner Überzeugung? 

Wenn nicht: gehen Sie. Sie schulden niemandem Ihre Zeit, Ihr Geld oder Ihre Unsicherheit. 

Ich selbst habe einen tollen Trainer. Torsten treffe ich alle drei, vier Wochen und wir üben mit meinen Hunden das, worauf wir und die Hunde Lust haben. Dabei folgt er keinen starren Regeln, sondern guckt immer primär auf die Hunde und darauf, wie sie sich fühlen. Für mich sieht so ein gutes Hundetraining genauso aus: eine Mischung aus Fachwissen, Feingefühl UND ganz viel Freude am Zusammensein. Denn darum geht es doch vor allem in der Beziehung zwischen uns und unseren Hunden: darum, uns als Team zu sehen – nicht als Problemfall. 

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