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Vollblut-Jagdhund

Für wen sich die Westfälische Dachsbracke eignet – und für wen nicht

Die Westfälische Dachsbracke, die zu den seltensten Jagdhunderassen Deutschlands gehört, ist  ein echtes Multitalent im Wald.
Die Westfälische Dachsbracke, die zu den seltensten Jagdhunderassen Deutschlands gehört, ist ein echtes Multitalent im Wald. Foto: Getty Images
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

1. August 2025, 6:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Westfälische Dachsbracke gehört zu den seltensten Jagdhunderassen Deutschlands – und ist zugleich ein echtes Multitalent im Wald. Trotz ihres sanftmütigen Wesens ist sie kein Hund für jedermann, denn ihr ausgeprägter Jagdtrieb verlangt nach einer fachkundigen Führung. Warum sie unter Jägern hochgeschätzt ist und dennoch ein liebevoller Familienhund sein kann, verrät dieser ausführliche Überblick.

Herkunft

Die Westfälische Dachsbracke entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts im westlichen Deutschland. Hintergrund war die zunehmende Verkleinerung der Jagdreviere nach der Märzrevolution 1848, die den Einsatz großrahmiger Jagdhunde erschwerte. Rheinisch-westfälische Jäger begannen deshalb um 1880 mit der gezielten Zucht eines niederläufigen, leistungsstarken Waldgebrauchshundes – der späteren Westfälischen Dachsbracke. Als Zuchtbasis dienten vor allem kleinere Deutsche Bracken sowie die mittlerweile ausgestorbene Steinbracke. Ziel war ein kompakter, anpassungsfähiger Jagdhelfer mit hoher Spurtreue und feiner Nase.

Bereits 1900 wurden erste Rassekennzeichen definiert, 1906 erfolgte die Gründung des Westfälisch-Rheinischen Dachsbracken-Klubs. Die offizielle Anerkennung durch die FCI erfolgte im Jahr 1954. Seither wird die Rasse in Deutschland vom Deutschen Bracken-Club e.V. betreut. Trotz ihrer jagdlichen Eignung gilt die Westfälische Dachsbracke heute als stark gefährdet: Mit jährlich nur rund 35 bis 50 Welpen zählt sie zu den seltensten Jagdhunderassen überhaupt.

Aussehen & Fell

Die Westfälische Dachsbracke ist ein kompakter, kräftig gebauter Jagdhund mit einer Schulterhöhe von 30 bis 38 cm und einem Gewicht von etwa 18 bis 24 kg. Ihr Körperbau ist mäßig lang mit einem stabilen Rücken und gut entwickelter Muskulatur, was ihr Durchhaltevermögen im Gelände verleiht. Der Kopf wirkt edel und länglich, mit einem treuen, wachsamen Ausdruck. Die mittelgroßen, breiten Hängeohren sind gut angesetzt und unten abgerundet.

Das Haarkleid ist kurz, dicht und derb strukturiert. Es zeigt an Kopf, Ohren und Läufen kürzere Behaarung, während Rücken, Hals und Rutenunterseite länger behaart sind. Farblich dominiert eine rot- bis gelbgrundige Tönung mit schwarzem Sattel oder Mantel. Typisch sind zudem die sogenannten Brackenabzeichen: eine weiße Blesse oder Schnippe, weißer Fang mit Halsring, helle Brust, Läufe und Rutenspitze. Unerwünscht sind zweifarbige Hunde sowie solche mit schwarzem Kopf oder schokoladenbraunem Fell – Letzteres gilt als zuchtausschließend.

Charakter & Gemüt

Die Westfälische Dachsbracke ist ein klassischer Vollblut-Jagdhund: wachsam, spurlaut, ausdauernd und äußerst orientierungssicher. Ihre Passion liegt vor allem in der Stöberarbeit und der Nachsuche – sie liebt es, Spuren im Unterholz zu verfolgen und ihre Nase intensiv einzusetzen. Dabei zeigt sie sich arbeitsfreudig, führerbezogen und zuverlässig.

Abseits der Jagd beeindruckt sie durch ein ruhiges, gutmütiges Wesen. Sie gilt als freundlich, kinderlieb und anhänglich – Eigenschaften, die sie bei ausreichender Auslastung auch zu einem angenehmen Familienhund machen. Wichtig ist dabei die konsequente Führung, denn die Dachsbracke besitzt einen eigenständigen Charakter und erwartet klare, faire Ansagen. Ihre Bindungsfähigkeit macht sie zugleich zu einem treuen Partner im Alltag.

Erziehung

Diese Bracke lässt sich mit Geduld und einer vertrauensvollen Beziehung gut erziehen – jedoch nicht im klassischen Kommandoton. Ihre Intelligenz erfordert eine feinfühlige, aber bestimmte Führung. Konsequente Regeln, liebevolle Autorität und frühzeitige Sozialisierung sind entscheidend, um ihre jagdliche Energie in kontrollierte Bahnen zu lenken.

Besonders wichtig ist die Gewöhnung an das Alleinsein, da die Westfälische Dachsbracke enge Nähe zu ihren Bezugspersonen sucht. Ihr lauter Spurlaut und ihre Sensibilität machen sie zudem ungeeignet für die Haltung in lärmsensibler Umgebung oder in städtischen Wohnungen. Eine klare, verlässliche Bezugsperson mit jagdlicher Erfahrung ist für diese Rasse ideal.

Richtige Haltung & Pflege

Als passionierter Jagdhund benötigt die Westfälische Dachsbracke ein Umfeld, das ihrem Bewegungsdrang gerecht wird – idealerweise ein Haus am Waldrand mit Garten. Sie darf keinesfalls als Zwingerhund gehalten werden und braucht engen Anschluss an ihre Menschen. Die Haltung in reiner Wohnungshaltung ohne jagdliche Arbeit ist nicht artgerecht.

Die Fellpflege ist unkompliziert: Regelmäßiges Bürsten reicht aus, um Schmutz zu entfernen und das Haarkleid gesund zu erhalten. Da der Fellwechsel moderat ausfällt, ist der Pflegeaufwand insgesamt gering. In Sachen Beschäftigung ist Abwechslung gefragt – Mantrailing, Fährtenarbeit oder Suchspiele bieten sich als ideale Auslastung an.

Ernährung

Die Westfälische Dachsbracke stellt keine besonderen Anforderungen an ihre Ernährung. Entscheidend ist die Qualität: Hochwertiges, proteinreiches Futter – egal ob Trocken-, Nassfutter oder BARF – unterstützt Vitalität und Leistungsfähigkeit. Die Futtermenge sollte stets an den Aktivitätsgrad des Hundes angepasst werden.

Gelegentliche fleischige Rinderknochen oder Frischfleisch sorgen für Abwechslung und leisten einen Beitrag zur Zahnpflege. Wichtig ist zudem eine gute Wasserzufuhr – gerade bei hoher körperlicher Belastung im Jagdbetrieb oder bei warmem Wetter.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Die Rasse gilt als robust und gesundheitlich weitgehend unproblematisch. Rassetypische Erkrankungen sind bislang nicht dokumentiert. Einzig die langen, gut anliegenden Hängeohren können gelegentlich zu Entzündungen neigen – regelmäßige Kontrolle und Reinigung helfen, schmerzhafte Otitis externa zu vermeiden.

Aufgrund ihrer dichten Behaarung und ihres aktiven Wesens sollte bei Hitze auf ausreichende Abkühlung geachtet werden. Lange Jagdeinsätze bei hohen Temperaturen sind zu vermeiden. Bei guter Pflege und artgerechter Haltung erreicht die Dachsbracke ein Alter von etwa 12 bis 15 Jahren.

Die Westfälische Dachsbracke im Überblick

  • Typ: Niederläufiger Vollblut-Jagdhund
  • Größe: 30–38 cm Schulterhöhe
  • Gewicht: 18–24 kg
  • Fell: Kurz, dicht, grob
  • Wesen: Freundlich, ausdauernd & führerbezogen
  • Besonderheiten: Hoher Jagdtrieb, seltene Rasse, nur für Jäger geeignet
  • Pflege: Pflegeleicht, wöchentliche Fellpflege ausreichend

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