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Wölfisch und unabhängig

Nichts für Anfänger! Warum der Shikoku nur in erfahrene Hände gehört

Der Shikoku, auch Kochi-Ken oder Shikoku Inu genannt, stammt aus Japan und ist nach der Region Shikoku benannt.
Der Shikoku, auch Kochi-Ken oder Shikoku Inu genannt, stammt aus Japan und ist nach der Region Shikoku benannt. Foto: Getty Images / Anastasiia Cherniavskaia
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

10. August 2025, 15:41 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Seine äußere Erscheinung erinnert an einen Wolf, sein Wesen an einen freiheitsliebenden Abenteurer: Der Shikoku ist eine der ursprünglichsten und seltensten Hunderassen Japans. Mit seiner muskulösen Statur, dem wachen Blick und einer bemerkenswerten Ausdauer wurde dieser mittelgroße Hund einst für die Jagd auf Wildschweine gezüchtet – und bringt bis heute eine starke Persönlichkeit mit. Doch wie viel Wildhund steckt wirklich noch in ihm?

Herkunft

Der Shikoku stammt von der gleichnamigen Insel im Süden Japans und wurde traditionell in der bergigen Region Kochi von den Matagi – den japanischen Winterjägern – gehalten. Seine Aufgabe: die Großwildjagd, insbesondere auf Wildschweine, in unwegsamem Gelände. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich daraus ein robuster, trittsicherer Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb und hoher Intelligenz.

Historisch lassen sich drei Zuchtlinien unterscheiden: Awa, Hongawa und Hata. Die heute bekannten Shikokus ähneln am stärksten dem Hongawa-Typ. Alte Abbildungen und Keramiken belegen die lange Geschichte dieser Rasse. 1937 wurde der Shikoku von der japanischen Regierung als nationales Kulturgut anerkannt – ein Ausdruck seines hohen Stellenwerts in der japanischen Kultur. Noch bis in die 1970er-Jahre war es untersagt, diese Hunde zu verkaufen. Erst danach gelangten einzelne Exemplare nach Europa. Seit 1982 ist der Shikoku von der FCI offiziell als Rasse anerkannt.

Aussehen & Fell

Der Shikoku ist ein mittelgroßer, kompakt gebauter Hund mit harmonischer Körperstruktur. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von etwa 52 cm, Hündinnen rund 49 cm. Das Gewicht liegt zwischen 15 und 25 kg. Typisch sind die aufrecht getragenen, dreieckigen Ohren sowie die hoch angesetzte Rute, die sichelförmig oder aufgerollt über dem Rücken liegt. Die Augen sind dunkelbraun, leicht mandelförmig mit einem markanten äußeren Augenwinkel.

Sein dichtes, doppeltes Haarkleid besteht aus hartem Deckhaar und weicher Unterwolle – ideal für kalte und raue Wetterbedingungen. Die Fellfarben sind meist Sesam (eine Mischung aus schwarzen, weißen und roten Haaren), es kommen jedoch auch Varianten in Schwarz-Sesam, Rot oder Black and Tan vor. Sein wölfisches Erscheinungsbild wird durch das dichte Fell und die athletische Statur zusätzlich unterstrichen.

Charakter & Gemüt

Der Shikoku ist ein wachsamer, mutiger und unabhängiger Hund mit starkem Jagdinstinkt. Er gilt als intelligent, lernfreudig und sehr aktiv – Eigenschaften, die auf seine Vergangenheit als Jagdhund zurückzuführen sind. Fremden gegenüber zeigt er sich oft zurückhaltend, jedoch nicht aggressiv. Seiner Bezugsperson begegnet er mit Loyalität und Zuneigung, vorausgesetzt, man hat sich sein Vertrauen erarbeitet.

Der Shikoku ist kein Hund, der sich bedingungslos unterordnet – er handelt gerne eigenständig und kann bei unklarer Führung stur oder dominant auftreten. Gleichzeitig zeigt er sich in vertrauter Umgebung ruhig und ausgeglichen. Seine ausgeprägte Wachsamkeit macht ihn zu einem aufmerksamen Haushüter, der durchaus bellen kann, wenn er sich zum Schutz seiner Umgebung aufgefordert fühlt.

Erziehung

Die Erziehung des Shikoku erfordert Geduld, Konsequenz und Fingerspitzengefühl. Aufgrund seiner Unabhängigkeit eignet er sich nicht als Anfängerhund. Frühzeitige Sozialisierung und das Erlernen grundlegender Kommandos sind essenziell, insbesondere im Hinblick auf seinen Jagdtrieb. Dieser lässt sich nicht abtrainieren, aber durch klare Führung und Beschäftigung in geeignete Bahnen lenken.

Wichtig ist, dem Shikoku klare Grenzen zu setzen, jedoch ohne Druck oder Härte anzuwenden. Wer seine Intelligenz respektiert und ihn geistig wie körperlich fördert, wird mit einem loyalen und kooperativen Begleiter belohnt.

Richtige Haltung & Pflege

Der Shikoku benötigt ausreichend Bewegung und geistige Auslastung, um ausgeglichen zu bleiben. Lange Spaziergänge, sportliche Aktivitäten wie Joggen oder Agility sowie Suchspiele eignen sich hervorragend. Aufgrund seines ausgeprägten Jagdinstinkts ist ein Freilauf ohne Leine in vielen Fällen nicht empfehlenswert. Auch wenn der Shikoku grundsätzlich in einer Stadtwohnung gehalten werden kann, braucht er viel Freiraum im Alltag. In der Pflege ist der Shikoku unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten – besonders während des Fellwechsels – hält das Haarkleid sauber und gesund. Die Krallenpflege sowie regelmäßige Kontrolle von Zähnen, Ohren und Augen sind ausreichend. Baden ist nur bei starker Verschmutzung notwendig.

Ernährung

In der Ernährung zeigt sich der Shikoku meist unproblematisch. Hochwertiges Trocken- oder Nassfutter ist ebenso geeignet wie die Fütterung nach dem BARF-Prinzip. Wichtig ist eine proteinreiche Nahrung, um dem hohen Energiebedarf dieses aktiven Hundes gerecht zu werden. Auf minderwertige Zutaten wie Zucker, Getreide oder künstliche Zusatzstoffe sollte verzichtet werden.

Auch Zahnpflege-Snacks oder Kauartikel können sinnvoll sein, um die Maulhygiene zu unterstützen. Eine tierärztliche Beratung zur individuellen Futterzusammenstellung kann sinnvoll sein, insbesondere bei sehr aktiven oder sensiblen Tieren.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Der Shikoku gilt als sehr robuste Hunderasse. Bisher sind keine typischen Erbkrankheiten bekannt. Sein dichter Fellmantel schützt ihn hervorragend vor Kälte und Nässe, weniger jedoch vor Hitze. An besonders heißen Tagen sollte der Shikoku daher ausreichend Schatten und Kühlung erhalten. Um gesundheitliche Probleme wie Übergewicht zu vermeiden, ist regelmäßige Bewegung essenziell. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen helfen dabei, mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.

Der Shikoku im Überblick

  • Herkunft: Japan, Insel Shikoku
  • Größe: Rüden ca. 52 cm, Hündinnen ca. 49 cm
  • Gewicht: 15–25 kg
  • Fell: Hartes Deckhaar, weiche Unterwolle
  • Wesen: Wachsam, eigenständig, loyal, intelligent, mutig
  • Besonderheiten: Jagdhund mit starkem Bewegungsdrang und hoher Eigenständigkeit

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