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Šarplaninac

Dieser Herdenschutzhund gehört nicht in private Hände

Der Šarplaninac ist ein Herdenschutzhund mit starken Prinzipien
Der Šarplaninac ist ein Herdenschutzhund mit starken Prinzipien Foto: WikimediaCommons/ Orjen /CC BY-SA 4.0
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

18. Oktober 2025, 8:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Der Šarplaninac ist ein Hund für Menschen mit Erfahrung, Entschlossenheit und einem sicheren Gespür für tierische Eigenwilligkeit. Der aus den südlichen Gebirgsregionen des ehemaligen Jugoslawiens stammende Herdenschutzhund vereint Mut, Unabhängigkeit und eine jahrhundertealte Schutzinstinktnatur in sich. Wer diesem stolzen Vierbeiner eine Aufgabe, Raum und Respekt bietet, gewinnt einen loyalen Beschützer mit starkem Charakter.

Herkunft

Der Šarplaninac – auch als Jugoslawischer Hirtenhund oder veraltet als Illyrischer Schäferhund bekannt – entstammt den Bergregionen des Šar-Planina-Gebirges, das sich über Nordmazedonien, den Kosovo und Teile Serbiens erstreckt. Diese geografische Herkunft gab der Rasse nicht nur ihren Namen, sondern auch ihre widerstandsfähige Natur. Seit dem frühen 19. Jahrhundert diente der Šarplaninac dort als unermüdlicher Wächter von Schaf- und Rinderherden. Oft tagelang sich selbst überlassen, musste er Entscheidungen eigenständig treffen und seine Herde gegen Raubtiere wie Wölfe und Bären verteidigen.

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erkannte die Rasse 1939 zunächst unter dem Namen „Illyrischer Hirtenhund“ an. 1956 erfolgte die offizielle Umbenennung in „Jugoslawischer Hirtenhund – Šarplaninac“. Auch heute wird er in seiner Heimat traditionell als Wach-, Schutz- und Militärhund eingesetzt. Außerhalb des Balkans ist er hingegen selten anzutreffen und wird fast ausschließlich von Liebhabern mit Herdenschutzhund-Erfahrung gehalten.

Aussehen & Fell

Der Šarplaninac ist ein großer, kräftig gebauter Hund mit einem robusten, wohlproportionierten Körper und starker Knochensubstanz. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von durchschnittlich 62 cm, Hündinnen etwa 58 cm – wobei auch Tiere mit bis zu 70 cm Schulterhöhe vorkommen. Das Gewicht liegt bei Rüden zwischen 35 und 45 kg, bei Hündinnen zwischen 30 und 40 kg.

Sein markanter Kopf ist breit, mit einem geraden Fang und mandelförmigen, braunen Augen, die einen ruhigen, wachsamen Ausdruck verleihen. Die v-förmigen, hängenden Ohren liegen eng am Kopf an und sind mit kurzem Haar bedeckt. Die lange, säbelförmige Rute reicht mindestens bis zum Sprunggelenk.

Das dichte, wetterfeste Haarkleid besteht aus langem Deckhaar und einer sehr dichten Unterwolle. Kopf, Vorderläufe und Ohren sind mit kürzerem Haar bedeckt, während Rumpf, Hals und Hinterläufe von einem langen, fast flach anliegenden Fell bedeckt sind. Erlaubt sind alle einfarbigen Töne von Weiß über Strohgelb, Grau, Braun bis fast Schwarz. Bevorzugt werden Eisengrau und Dunkelgrau. Die Fellfarbe ist im Rumpf- und Kopfbereich am intensivsten ausgeprägt und wird an den unteren Gliedmaßen heller. Leichte Schattierungen und eine Maske sind zulässig, jedoch darf das Haarkleid nicht gefleckt wirken.

Charakter & Gemüt

Als klassischer Herdenschutzhund vereint der Šarplaninac Unabhängigkeit, Mut und territoriale Wachsamkeit. Ursprünglich darauf gezüchtet, eigenverantwortlich Herden vor Raubtieren zu beschützen, zeigt er sich äußerst selbstständig und entscheidungsfreudig. Er gilt als aufmerksam, arbeitswillig, furchtlos und zuverlässig – Eigenschaften, die ihn auch als Wachhund und Polizeihund auszeichnen.

Gegenüber seiner Familie zeigt er sich loyal, ruhig und gutmütig, sofern seine Grundbedürfnisse erfüllt werden. Er kann mit größeren Kindern gut umgehen, wenn er frühzeitig sozialisiert wird. Fremden Menschen und Tieren begegnet er dagegen mit großem Misstrauen. Seine Bellfreudigkeit und Präsenz können auf Außenstehende einschüchternd wirken – er ist jedoch nicht von Natur aus aggressiv, sondern dominant und sicherheitsorientiert.

Erziehung

Die Erziehung eines Šarplaninac erfordert Erfahrung, Geduld und eine klare, konsequente Führung. Der Hund neigt dazu, Kommandos kritisch zu hinterfragen – ein Ausdruck seiner hohen Intelligenz und Eigenständigkeit. Drill, Wiederholungen und starre Methoden zeigen wenig Wirkung. Stattdessen sind ruhige Konsequenz, feste Regeln und eine vertrauensvolle Bindung gefragt. Härte oder Nachgiebigkeit führen hingegen zu unerwünschtem Verhalten. Für Anfänger ist die Rasse gänzlich ungeeignet. Eine frühe Sozialisierung, klare Rollenverteilung und Beschäftigung sind essenziell für ein harmonisches Miteinander.

Richtige Haltung & Pflege

Der Šarplaninac braucht ein Umfeld, in dem er seine Schutzaufgabe erfüllen kann – idealerweise ein großes, umzäuntes Grundstück oder einen Bauernhof. Ein Leben in einer Stadtwohnung wird ihm nicht gerecht. Er benötigt viel Platz, Ruhe und die Möglichkeit, eigenständig zu agieren. Tägliche Spaziergänge sind wichtig, müssen aber nicht sportlich ausfallen – er bevorzugt moderate Bewegung mit klarem Zweck.

Sein dichtes Haarkleid erfordert regelmäßige Pflege: Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst ist tägliches Bürsten nötig, ansonsten reicht wöchentliches Kämmen aus. Baden ist nur im Ausnahmefall zu empfehlen, um die natürliche Schutzschicht der Haut zu erhalten. Halterinnen und Halter sollten die Ohren, Zähne, Krallen und Ballen regelmäßig kontrollieren und pflegen.

Ernährung

Die Ernährung des Šarplaninac sollte hochwertig, ausgewogen und auf seine Größe, Aktivität und Lebensphase abgestimmt sein. Ein hoher Fleischanteil, gesunde Fette und wenig unnütze Füllstoffe sind ideal. Welpen sollten vier bis sechs Mahlzeiten täglich erhalten, später auf zwei Portionen reduziert. Leckerlis sollten nur in Maßen gegeben und bei der Gesamtfuttermenge berücksichtigt werden. Frisches Trinkwasser muss jederzeit verfügbar sein. Nach dem Fressen sollte eine Ruhepause erfolgen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Grundsätzlich gilt der Šarplaninac als robuste, widerstandsfähige Rasse. Bei verantwortungsvoller Zucht treten kaum genetisch bedingte Krankheiten auf. Dennoch besteht, wie bei vielen großen Hunden, ein erhöhtes Risiko für Hüftdysplasie (HD). Seriöse Züchterinnen und Züchter lassen ihre Tiere vor der Zucht medizinisch untersuchen und stellen entsprechende Nachweise bereit.

Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sowie eine ausgewogene Ernährung und angepasste Bewegung sind entscheidend für die Vorbeugung. In Ländern wie Dänemark oder dem Kanton Tessin (Schweiz) steht die Rasse auf der Liste potenziell gefährlicher Hunde – dort gelten Haltungsauflagen bis hin zu Verboten.

Der Šarplaninac im Überblick

  • Typ: Herdenschutzhund mit starkem Territorialverhalten
  • Größe: Rüden ca. 62 cm, Hündinnen ca. 58 cm (teilweise bis 70 cm)
  • Gewicht: Rüden 35–45 kg, Hündinnen 30–40 kg
  • Fell: Lang, dicht, mit Unterwolle
  • Charakter: Eigenständig, mutig, loyal, bellfreudig, dominant

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