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Kleiner Hund, große Bürde

Warum der Pekingese als Qualzucht gilt

Der Pekinese hat seinen Ursprung in China und wurde dort während der Qing-Dynastie als Symbol für Glück und Wohlstand geschätzt.
Der Pekingese hat seinen Ursprung in China und wurde dort während der Qing-Dynastie als Symbol für Glück und Wohlstand geschätzt. Foto: Getty Images / DevidDO
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

6. November 2025, 6:09 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Trotz seiner geringen Größe ist der Pekingese alles andere als ein typisches Schoßhündchen: Stolz, unabhängig und voller Geschichte. Seine Wurzeln reichen tief in die chinesische Kaiserzeit, wo er einst Tempel bewachte und nur dem Hochadel vorbehalten war. Heute zählt er zu den auffälligsten Kleinhunderassen – mit üppigem Fell, wachem Blick und markanter Persönlichkeit. Doch seine Schönheit hat auch Schattenseiten, denn jahrzehntelange Überzüchtung bringt gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Was macht diesen besonderen Hund aus – und für wen eignet er sich wirklich?

Herkunft

Der Pekingese stammt aus dem kaiserlichen China und hat eine außergewöhnlich lange Kulturgeschichte. Schon früh galt er als Symbol kaiserlicher Macht und wurde ausschließlich am Hof gehalten – insbesondere in der Verbotenen Stadt. Der Hund wurde als „Löwenhund“ bezeichnet, eine Anspielung auf seine charakteristische Erscheinung, die laut Legende aus einer mystischen Verbindung zwischen Löwe und Affe entstanden sein soll. Tatsächlich waren Pekinesen hochgeschätzte Begleiter der chinesischen Oberschicht und übernahmen symbolisch auch Schutzfunktionen, etwa als Tempelwächter.

Besonders unter der Qing-Dynastie (1644–1912) erlebte die Rasse ihre Blütezeit, was zahlreiche Abbildungen und Schriften belegen. Im Jahr 1860 änderte sich das Schicksal des Pekingesen grundlegend: Britische Soldaten nahmen nach der Eroberung Pekings fünf Exemplare als Kriegsbeute mit nach Europa. Einer dieser Hunde – „Looty“ – fand seinen Weg zu Queen Victoria. Damit begann die internationale Zuchtgeschichte, allerdings mit negativen Folgen: In Europa wurden extreme Zuchtmerkmale forciert, insbesondere ein übergroßer Kopf, flache Schnauze und überlanges Fell. Dies führte zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. Erst 2010 wurden neue Rassestandards eingeführt, um dem zunehmenden Tierleid entgegenzuwirken.

Aussehen & Fell

Der Pekingese ist ein auffällig gebauter Kleinhund mit einem kompakten Körper und einem im Verhältnis überproportional großen, breiten Kopf. Die Nase ist extrem kurz, was ihm das typische flache Profil verleiht. Große, dunkle Augen und hängende, herzförmige Ohren unterstreichen seinen ausdrucksstarken Gesichtsausdruck. Die Rute wird hoch angesetzt über dem Rücken getragen und oft leicht zur Seite gebogen.

Besonders auffällig ist das dichte, zweischichtige Haarkleid. Das Deckhaar ist lang, glatt und leicht harsch in der Struktur, während die Unterwolle weich und sehr dicht ist. Laut Standard ist eine schwarze Maske – also eine dunkle Pigmentierung von Nase, Lefzen und Lidrand – erwünscht. Die Farbpalette ist breit: Alle Farben und Zeichnungen außer Albino und Leberfarbe sind zugelassen. Auch mehrfarbige Varianten wie Tricolor kommen vor, wobei die Farben möglichst gleichmäßig verteilt sein sollten. Insgesamt ergibt sich ein löwenartiges Erscheinungsbild – eine Reminiszenz an die mythische Herkunft der Rasse.

Charakter & Gemüt

Pekinesen gelten als selbstbewusste, stolze und eigenständige Hunde. Trotz ihrer kleinen Statur zeigen sie ein bemerkenswert furchtloses Wesen und verhalten sich oft wie große Hunde im Miniaturformat. Sie bauen eine enge Bindung zu ihrer Bezugsperson auf, sind aber nicht übermäßig anhänglich. Vielmehr suchen sie selbstbestimmt Nähe und Zuwendung, wenn ihnen danach ist.

Fremden begegnen sie meist mit Zurückhaltung bis hin zu offenem Misstrauen. Ihre Wachsamkeit ist ausgeprägt, doch sie neigen nicht zum Dauerbellen. Vielmehr zeigen sie gezielt an, wenn sich jemand Unbekanntes nähert. Ihre unabhängige Art kann schnell mit Sturheit verwechselt werden – dabei handelt es sich vielmehr um eine ausgeprägte Eigenwilligkeit, die ihnen den Ruf als „charismatische Einzelgänger“ eingebracht hat.

Erziehung

Die Erziehung des Pekingesen erfordert Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen. Zwar sind diese Hunde intelligent und in der Lage, schnell zu lernen – ihre Eigenwilligkeit steht einem schnellen Training jedoch häufig im Weg. Kommandos befolgen sie nur, wenn es in ihre eigene Agenda passt. Daher ist eine frühe Sozialisierung ebenso wichtig wie liebevolle Konsequenz.

Empfehlenswert ist der Besuch einer Hundeschule, die Erfahrung mit charakterstarken Kleinhunderassen hat. Auch klare Strukturen im Alltag und eine feste Bezugsperson unterstützen die Erziehung. Wichtig ist, dass man sich nicht von der niedlichen Optik täuschen lässt: Der Pekinese braucht eine ernstzunehmende Führung und klare Regeln.

Richtige Haltung & Pflege

Der Pekingese ist kein ausdauernder Läufer, sondern eher ein genügsamer Wohnungshund mit moderatem Bewegungsbedarf. Eine ruhige Stadtwohnung kann für ihn ein ideales Zuhause sein – vorausgesetzt, er bekommt tägliche Spaziergänge und geistige Anregung. Lange Wanderungen sind für ihn ungeeignet, kurze Schnüffelrunden hingegen sehr willkommen.

Unruhe und Lärm mag er nicht. Menschenansammlungen, laute Veranstaltungen oder hektische Umgebung stressen ihn schnell. Die Fellpflege ist aufwendig: Tägliches Bürsten gegen den Strich beugt Verfilzungen vor, Baden sollte nur im Ausnahmefall erfolgen. Da die dichte Unterwolle nur langsam trocknet, muss der Hund nach dem Bad unbedingt warm und zugfrei untergebracht werden. Augen und Ohren sind regelmäßig zu kontrollieren und vorsichtig zu reinigen.

Ernährung

Pekinesen neigen zu Übergewicht und sollten daher kontrolliert und bedarfsgerecht gefüttert werden. Hochwertiges Trocken- oder Nassfutter ist ebenso geeignet wie eine ausgewogene BARF-Ernährung, sofern diese fachgerecht umgesetzt wird. Wichtig ist, dass das Futter keinen Zucker oder Weizen enthält. Die Futtermenge sollte stets an Alter, Aktivitätsniveau und Gewicht angepasst werden. Regelmäßige Gewichtskontrollen helfen, gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Die Rasse gilt als Qualzucht, da viele Pekingesen durch übertriebene Zuchtstandards an erheblichen gesundheitlichen Problemen leiden. Besonders betroffen ist das Atemsystem: Die stark verkürzte Schnauze führt häufig zu Atemnot und erschwert die Regulierung der Körpertemperatur, vor allem bei Hitze. Diese Hunde sind daher stark hitzeempfindlich.

Auch die auffällig großen, hervorstehenden Augen bergen Risiken. Sie sind anfällig für Verletzungen, etwa beim Spielen oder Schnüffeln im Unterholz. Weitere typische Beschwerden betreffen Geburten bei Hündinnen, da das Verhältnis von Kopfgröße zu Becken ungünstig ist. Insgesamt führen diese Merkmale zu häufigen Tierarztbesuchen und teils hohen Behandlungskosten. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Zuchtethik dieser Rasse ist unbedingt erforderlich.

Der Pekingese im Überblick

  • Charakter: selbstbewusst, wachsam, eigenständig
  • Größe: 20–30 cm Schulterhöhe
  • Gewicht: 5–7 kg (gelegentlich auch bis 5,4 kg)
  • Fell: langes, glattes Deckhaar mit dichter Unterwolle
  • Farben: alle Farben erlaubt außer Albino und Leberfarbe
  • Pflegeaufwand: sehr hoch, tägliche Fellpflege notwendig
  • Besonderheiten: gilt als Qualzucht mit gesundheitlichen Problemen

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