21. August 2025, 6:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer den Neuseeländischen Huntaway bei der Arbeit erlebt, vergisst ihn nicht: Mit kraftvollem Gebell und beeindruckender Ausdauer treibt er große Schaf- oder Rinderherden über weite, teils unwegsame Flächen. Diese seltene Hunderasse aus Neuseeland ist ein reiner Arbeitsspezialist – gezüchtet nach Leistung, nicht nach Aussehen. Kein FCI-Standard, keine Schönheitsideale, sondern pure Funktionalität. Doch was macht diesen vielseitigen Vierbeiner abseits seiner Arbeit so besonders?
Herkunft
Der Neuseeländische Huntaway entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Neuseeland, um den steigenden Anforderungen der Schaf- und Rinderwirtschaft gerecht zu werden. Die weiten, feuchten Weideflächen und die großen Herden machten herkömmlichen Hütehunden wie dem Border Collie zu schaffen. Farmer benötigten einen Hund, der mit lautem, tiefem Bellen und enormer Ausdauer Tiere auch auf Distanz dirigieren konnte.
Zur Entstehung wurden vermutlich verschiedene Rassen gekreuzt – darunter Border Collie, Bearded Collie, Labrador Retriever, Rottweiler, Harrier, Gordon Setter und Smithfield Collie. Ziel war ein kräftiger, wetterfester Arbeitshund, der körperlichen Kontakt mit Vieh nicht scheut und lange Arbeitstage mühelos meistert. Die Selektion orientierte sich ausschließlich an Arbeitsleistung, nicht an Optik. Erst 2013 wurde der Huntaway vom New Zealand Kennel Club offiziell als erste nationale Rasse des Landes anerkannt. International, etwa bei der FCI oder dem AKC, existiert bis heute keine Anerkennung. Außerhalb Neuseelands ist die Rasse selten und in Europa fast ausschließlich auf spezialisierten Farmen zu finden.
Aussehen & Fell
Der Huntaway ist mittelgroß bis groß, robust gebaut und muskulös, mit tiefer Brust und kräftigen Hinterläufen. Rüden erreichen etwa 61–66 cm Schulterhöhe bei 30–40 kg, Hündinnen 56–61 cm bei 25–35 kg. Sein Kopf ist mäßig breit mit flachem Schädel, kräftigem Kiefer und dunklen, mandelförmigen Augen. Die Ohren hängen halb herab, oft in Knickform.
Das Fell variiert stark: von kurz über mittellang bis rauhaarig, mit oder ohne Unterwolle. Am häufigsten ist kurzes, dichtes Stockhaar, das vor Wind und Wetter schützt. Farblich dominieren Schwarz mit lohfarbenen Abzeichen, Tricolor-Kombinationen mit Weiß und Beige oder gestromte Muster. Da es keinen internationalen Standard gibt, sind optische Unterschiede zwischen einzelnen Linien deutlich. Allen gemein ist jedoch eine funktionale, athletische Erscheinung, die auf Ausdauer, Kraft und Wetterfestigkeit optimiert ist.
Charakter & Gemüt
Der Huntaway ist ein energiegeladener, ausdauernder und arbeitsfreudiger Hund mit hoher Intelligenz. Er gilt als führerbezogen, loyal und zuverlässig, zeigt aber gleichzeitig eine ausgeprägte Eigenständigkeit – notwendig, um Herden auch ohne direkte Anweisungen zu steuern. Typisch ist seine starke Bellfreude: Während andere Hütehunde oft stumm arbeiten, treibt der Huntaway gezielt mit lautem Bellen. Menschen gegenüber ist er in der Regel freundlich, sozial und kinderlieb, sofern er artgerecht ausgelastet wird. Mit anderen Hunden oder Haustieren kommt er meist gut aus. Unterforderung führt leicht zu Frust und problematischem Verhalten.
Erziehung
Die Erziehung eines Huntaways erfordert Konsequenz, Geduld und Erfahrung im Umgang mit Arbeitshunden. Frühzeitige Sozialisation ist ebenso wichtig wie das Erlernen von Ruhephasen – denn dieser Hund arbeitet von Natur aus „auf Volldampf“.
Wesentliche Kommandos sind in der Hütearbeit oft „Speak up“ (Bellen) und „Quiet“ (Abbruchsignal). Als reiner Begleithund ist er nur geeignet, wenn er trotzdem körperlich und geistig stark gefordert wird. In einer landwirtschaftlichen Umgebung fällt die Ausbildung meist leichter, da der Hund seiner Bestimmung folgen kann.
Richtige Haltung & Pflege
Der Huntaway braucht viel Platz und Bewegung. Ideal ist ein Leben auf dem Land, am besten auf einem Hof mit Vieh. Tägliche lange Arbeitseinsätze oder intensive Trainingseinheiten sind Pflicht. Stadt- oder Wohnungshaltung ist ungeeignet.
Die Fellpflege hängt vom Haartyp ab: Kurzhaarige Varianten benötigen wenig Aufwand, während langhaarige häufiger gebürstet werden sollten. In der Fellwechselzeit ist tägliches Bürsten ratsam. Hängeohren sollten regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden, um Entzündungen vorzubeugen.
Ernährung
Als aktiver Arbeitshund benötigt der Huntaway eine energiereiche, proteinbetonte Ernährung mit hochwertigem Fleischanteil. Die Futtermenge richtet sich nach Arbeitsbelastung und Körpergewicht. Gleichmäßige Fütterung in zwei bis drei Portionen pro Tag beugt Magenproblemen vor. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein.
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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Trotz robuster Konstitution können beim Huntaway rassetypische Erkrankungen wie Hüftdysplasie und Herzprobleme auftreten. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, insbesondere im Seniorenalter, sind empfehlenswert. Vorbeugung durch kontrollierte Zucht und angepasste Belastung ist wichtig.
Der Neuseeländische Huntaway im Überblick
- Größe: Rüden 61–66 cm, Hündinnen 56–61 cm
- Gewicht: Rüden 30–40 kg, Hündinnen 25–35 kg
- Fell: Kurz, mittellang oder rau; meist schwarz mit lohfarbenen Abzeichen
- Charakter: Arbeitswillig, eigenständig, freundlich, sehr bellfreudig
- Bewegung: Sehr hoch, tägliche intensive Auslastung nötig
- Besonderheit: Treibt Vieh mit lautem, gezieltem Bellen