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Mehr als nur ein Jagdhund

Warum der Drentsche Patrijshond als Geheimtipp aus den Niederlanden gilt

Die Ursprünge des Drentsche Patrijshond, einer Hunderasse, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, sind bis heute nicht vollständig erforscht.
Die Ursprünge des Drentsche Patrijshond, einer Hunderasse, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, sind bis heute nicht vollständig erforscht. Foto: Wikimedia Commons / Stefanie Joksch / CC BY-SA 4.0 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83811504
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

20. September 2025, 16:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Der Drentsche Patrijshond, ein mittelgroßer Vorstehhund aus der niederländischen Provinz Drenthe, vereint Jagdleidenschaft mit Familienfreundlichkeit. Kaum bekannt außerhalb seiner Heimat, punktet er mit Intelligenz, Gehorsam und einem sensiblen Wesen. Trotz seiner optischen Ähnlichkeit zum Münsterländer besitzt der „Drent“ eine ganz eigene Geschichte – und Fähigkeiten, die ihn nicht nur bei der Jagd, sondern auch als Rettungs-, Therapie- oder Begleithund glänzen lassen. Warum also ist dieser vielseitige Allrounder hierzulande noch ein Geheimtipp?

Herkunft

Die Ursprünge des Drentsche Patrijshond reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Über Frankreich gelangten Hunde spanischen Ursprungs – sogenannte „Spioenen“ oder „Spanjoelen“ – in die Niederlande. In der östlichen Provinz Drenthe wurden diese Jagdhunde als „Patrijshonden“ (Rebhuhnhunde) bekannt und gezielt gezüchtet, ohne Einkreuzung anderer Rassen. Während ähnliche Hunde in anderen Landesteilen mit fremden Linien gemischt wurden, blieb der Drent in seiner Reinzucht erhalten.

Seine Geschichte ist eng mit der regionalen Lebensweise verknüpft: Der Drentsche Patrijshond lebte nicht nur als Jagdhund, sondern auch als Hofhund eng mit der Familie zusammen und übernahm vielseitige Aufgaben. In Deutschland wurde er mit dem Großen und Kleinen Münsterländer gezüchtet, was seine Ähnlichkeit mit diesen Rassen erklärt. Die offizielle Anerkennung erfolgte am 15. Mai 1943 durch den niederländischen Zuchtverband, gefördert von Baronin van Hardenbroek und den Herren van Heek jr. und Quartero. Seit 1948 kümmert sich der Verein „Nederlandse Vereniging De Drentsche Patrijshond“ um Zucht und Standardpflege dieser traditionsreichen Rasse.

Aussehen & Fell

Der Drentsche Patrijshond ist ein mittelgroßer, harmonisch gebauter Vorstehhund mit athletischer Figur und trockener Bemuskelung. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von 58 bis 63 cm, Hündinnen 55 bis 60 cm; das Gewicht liegt bei 30–35 kg (Rüden) bzw. 25–31 kg (Hündinnen). Sein Erscheinungsbild ist ausgewogen, mit einem leicht keilförmigen Kopf, mittellangem Fang und dunklen, intelligent wirkenden Augen.

Das Fell ist mittellang, dicht anliegend, nicht lockig, mit seidiger Struktur und wasserabweisender Unterwolle. Typisch ist die starke Befederung an Rute, Brust und Läufen. Die Behaarung an Hals und Ohren ist länger und oft leicht gewellt. Der Hund wirkt dadurch langhaarig, obwohl das Haar am Körper selbst nicht übermäßig lang ist. Die Rute ist buschig und rundum reichlich behaart.

Zugelassene Fellfarben sind Weiß mit braunen Abzeichen, darunter auch Varianten in Leberbraun oder Rotbraun. Flecken oder Tüpfelungen sind erlaubt, sofern der weiße Grundton erhalten bleibt. Trotz seiner optischen Nähe zum Münsterländer lässt sich der Drent durch seine kompaktere Form und besondere Fellstruktur klar abgrenzen.

Charakter & Gemüt

Der Drentsche Patrijshond zeichnet sich durch ein ruhiges, ausgeglichenes und freundliches Wesen aus. Er ist menschenbezogen, sozialverträglich mit Artgenossen und zeigt sich besonders kinderlieb. Trotz ausgeprägtem Jagdtrieb bleibt er meist in der Nähe seiner Bezugsperson und neigt nicht zum Streunen – ein Vorteil im Alltag.

Seine hohe Intelligenz und der Wille zur Zusammenarbeit machen ihn zu einem verlässlichen Partner, sowohl bei der Jagd als auch im Familienleben. Fremden gegenüber ist er neutral bis freundlich, ohne aggressives Verhalten. Er verfügt über große Geduld, eine hohe Reizschwelle und sucht die Nähe seines Menschen – auch im Freilauf.

Drents gelten als feinfühlige Hunde mit sanftem Charakter, die auf eine gewaltfreie, positive Ansprache reagieren. Unausgelastet können sie jedoch unruhig werden. Daher brauchen sie neben körperlicher auch geistige Beschäftigung. Aufgrund dieser Vielseitigkeit eignet sich der Drent sowohl für aktive Familien als auch als Rettungs- oder Therapiehund.

Erziehung

Die Erziehung des Drentsche Patrijshond gestaltet sich durch seine Kooperationsbereitschaft und Sensibilität meist unkompliziert. Er lernt schnell, vorausgesetzt, es wird mit positiver Verstärkung gearbeitet. Zwang oder Härte wirken kontraproduktiv.

Der Drent sollte früh sozialisiert und konsequent, aber sanft erzogen werden. Er möchte gefallen, stellt jedoch gelegentlich eigene Überlegungen an, was Konsequenz in der Führung notwendig macht. Eine frühe Gewöhnung an Alltagssituationen – wie Stadtbesuche, Büroalltag oder Begegnungen mit fremden Menschen – ist empfehlenswert. Bei richtiger Anleitung eignet sich der Drent auch für ambitionierte Anfänger.

Richtige Haltung & Pflege

Der Drentsche Patrijshond ist ein aktiver Gebrauchshund, der tägliche Bewegung und geistige Forderung benötigt. Ideal ist ein Haus mit Garten, aber auch in einer Wohnung fühlt er sich wohl, wenn seine Bedürfnisse erfüllt werden. Längere Spaziergänge, Hundesport oder gemeinsame Aktivitäten wie Wandern oder Joggen sind essenziell für sein Wohlbefinden.

Die Fellpflege erfordert etwas Aufwand: Tägliches Bürsten beugt Verfilzungen vor, besonders an den befederten Stellen. Nach Spaziergängen sollte das Fell auf Kletten und Zecken untersucht werden. Während des Fellwechsels (zweimal jährlich) ist intensivere Pflege nötig. Die Schlappohren benötigen regelmäßige Kontrolle, da sie anfällig für Entzündungen sind.

Der Drent kann auch einige Stunden alleine bleiben, wenn er es früh gelernt hat – vorausgesetzt, er wird im Alltag ausreichend gefordert.

Ernährung

In puncto Fütterung ist der Drentsche Patrijshond unkompliziert, stellt jedoch hohe Ansprüche an die Qualität. Eine proteinreiche Ernährung mit hohem Fleischanteil ist essenziell – tierische Proteine sollten an erster Stelle der Zutatenliste stehen. Getreide sollte möglichst vermieden werden, da es für Hunde schwer verdaulich ist und Allergien auslösen kann.

Neben hochwertigem Fertigfutter eignet sich auch die Rohfütterung (BARF), sofern sie fachgerecht durchgeführt wird. Wichtig ist die Anpassung der Futtermenge an Alter, Aktivitätslevel und Gewicht. Junghunde sollten spezielles Welpenfutter erhalten, Senioren ab dem 7.–8. Lebensjahr ein altersgerechtes Futter.

Da der Drent zur Gewichtszunahme neigt, ist regelmäßige Gewichtskontrolle sinnvoll. Bei Futterunverträglichkeiten ist eine tierärztlich begleitete Futterumstellung ratsam.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Der Drentsche Patrijshond gilt insgesamt als robuste und gesunde Rasse ohne bekannte rassetypische Erbkrankheiten. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 12 bis 14 Jahren. Dennoch hängt seine Gesundheit stark von verantwortungsvoller Zucht und artgerechter Haltung ab.

Bewegungsmangel und Übergewicht stellen die häufigsten Gesundheitsrisiken dar und können Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Gelenkprobleme verursachen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und tierärztliche Kontrollen sind daher essenziell.

Wichtig ist, auf Inzucht und genetische Vielfalt bei der Auswahl des Züchters zu achten – insbesondere bei seltenen Rassen wie dem Drentsche Patrijshond.

Der Drentsche Patrijshond im Überblick

  • Größe: Rüden 58–63 cm, Hündinnen 55–60 cm
  • Gewicht: Rüden 30–35 kg, Hündinnen 25–31 kg
  • Charakter: Freundlich, gehorsam & intelligent
  • Fell: Mittellang, seidig, mit Befederung
  • Besonderheiten: Hohe Jagdpassion, dennoch menschenbezogen und als Therapiehund geeignet

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