16. September 2025, 10:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Der Chodský pes, auch Böhmischer Schäferhund genannt, ist ein echter Geheimtipp unter den Hütehunden. Mit seinem eleganten Erscheinungsbild, seinem ausgeprägten Arbeitseifer und seinem freundlichen Wesen vereint er viele Qualitäten, die ihn sowohl für sportlich aktive Familien als auch für professionelle Einsätze interessant machen. Doch was macht diesen vielseitigen Vierbeiner aus Tschechien so besonders – und passt er wirklich in jede Lebenssituation?
Herkunft
Die Ursprünge des Chodský pes reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als er als Hüte- und Wachhund des Volksstamms der Choden im südwestlichen Böhmen eingesetzt wurde. Diese Hunde bewachten Haus und Hof im Gebiet der Chodsko und hüteten das Vieh der ansässigen Bauern. Ihr Image war so eng mit der Region verbunden, dass ihr Antlitz sogar auf der lokalen Flagge zu sehen ist und in der Literatur, etwa bei Alois Jirásek, verewigt wurde.
Trotz dieser tiefen historischen Wurzeln handelt es sich beim modernen Chodský pes um eine vergleichsweise junge Rasse. Erst 1984 initiierte der tschechische Kynologe Jan Findejs eine gezielte Zucht auf Basis historischer Quellen und vorhandener Hütehundtypen. Die ersten Welpen wurden 1985 geboren. Ziel war es, eine nationale Hunderasse zu etablieren, die an das ursprüngliche Erscheinungsbild und die Arbeitsweise der alten Chodenhunde anknüpft. Die tschechische kynologische Vereinigung ČMKU erkannte die Rasse 1984 an, die Fédération Cynologique Internationale (FCI) folgte 2019 mit einer vorläufigen Anerkennung unter der Standardnummer 364 in Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde).
Aussehen & Fell
Der Chodský pes ist ein mittelgroßer, athletischer Hund mit einem rechteckigen Körperbau und harmonischen Proportionen. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von 52 bis 56 cm, Hündinnen 49 bis 53 cm. Das Gewicht liegt bei etwa 19 bis 27 kg bei Rüden und 17 bis 24 kg bei Hündinnen, womit er zu den eher leichten Arbeitshunden zählt.
Typisch ist das lange, seidige und wetterfeste Fell mit dichter Unterwolle. Die Grundfarbe ist schwarz oder metallschwarz, kombiniert mit rotgelben Abzeichen – eine Farbgebung, die als „Black and Tan“ bezeichnet wird. Die Abzeichen befinden sich klassischerweise über den Augen, an Wangen, Brust, Bauch, Beinen und Rute. Der elegante Haarkleid verdeckt die Körperform leicht, unterstreicht aber zugleich den anmutigen Eindruck des Hundes.
Der Kopf wirkt edel mit dunkelbraunen, ausdrucksstarken Augen und kleinen, eng stehenden, dreieckigen Stehohren, die leicht nach vorn gerichtet sind. Insgesamt vermittelt der Chodský pes ein wachsames, freundliches und aufmerksames Erscheinungsbild.
Charakter & Gemüt
Der Chodský pes gilt als temperamentvoll, intelligent und menschenbezogen. Seine Reaktionen sind schnell, aber nicht nervös. Er ist nervenstark, ausgeglichen und zeigt eine hohe Bereitschaft zur Mitarbeit. Sein stark ausgeprägter „Will-to-please“ erleichtert die Kommunikation mit dem Menschen und macht ihn zu einem angenehmen Begleiter – sei es im Alltag oder bei der Arbeit.
Er versteht sich meist gut mit anderen Hunden und verhält sich gegenüber Fremden freundlich bis neutral. In der Familie zeigt er sich liebevoll, verspielt und besonders kinderfreundlich. Dennoch ist er ein echter Arbeitshund, der seine Aufgaben ernst nimmt. Seine Wachsamkeit ist ausgeprägt, jedoch gut kontrollierbar bei entsprechender Sozialisierung. Dank seiner Vielseitigkeit eignet er sich sowohl als Familienhund als auch für sportliche und dienstliche Einsätze – von Rettungseinsätzen über Lawinensuche bis hin zu Schutzdienst und Therapiearbeit.
Erziehung
Die Erziehung des Chodský pes gestaltet sich in der Regel unkompliziert, sofern eine konsequente und liebevolle Führung gewährleistet ist. Aufgrund seines hohen Lernwillens, seiner Intelligenz und seiner engen Bindung zum Menschen lässt er sich gut trainieren – auch von engagierten Anfängerinnen und Anfängern, sofern diese sich vorab gründlich informieren und Unterstützung durch Hundeschulen oder Hundevereine in Anspruch nehmen.
Frühzeitige Sozialisierung und eine klare, ruhige Führung sind entscheidend, um seinen Schutztrieb in gewünschte Bahnen zu lenken. Bei unsicherer Führung oder Überforderung kann der Hund sonst die Initiative übernehmen. Eine konsequente, aber faire Erziehung sichert langfristig ein harmonisches Miteinander.
Richtige Haltung & Pflege
Als aktiver Arbeitshund benötigt der Chodský pes viel Bewegung und geistige Auslastung. Tägliche Spaziergänge von mindestens drei bis vier Stunden, ergänzt durch Hundesport oder spezifische Aufgaben wie Such- oder Apportierspiele, sind Pflicht. Ideal sind sportliche Halterinnen und Halter, die gerne wandern, joggen oder Rad fahren – der Hund begleitet begeistert.
Die Rasse sollte möglichst nicht in einer kleinen Wohnung gehalten werden. Ein Haus mit Garten ist vorteilhaft, sofern der Hund nicht isoliert wird – der soziale Kontakt ist essenziell. Auch Alleinbleiben fällt ihm schwer, da er die enge Bindung zu seinen Menschen sucht.
Das lange Fell muss regelmäßig, insbesondere während des Fellwechsels, gebürstet werden. Tägliches Bürsten verhindert Verfilzungen und Hautprobleme. Zudem sollten Ohren, Zähne und Krallen wöchentlich kontrolliert werden.
Ernährung
Der Chodský pes ist ein robuster und wenig anfälliger Hund, stellt jedoch hohe Ansprüche an die Qualität seiner Nahrung. Hochwertiges Futter mit hohem Fleischanteil, ohne unnötige Füllstoffe wie Getreide oder Soja, ist zu empfehlen. Die Zusammensetzung sollte an Alter, Aktivitätslevel und gesundheitliche Situation angepasst werden.
Welpen benötigen spezielles Welpenfutter bis etwa zum 6. Lebensmonat, erwachsene Tiere profitieren von ausgewogenem Adultfutter, Senioren von nährstoffangepasstem Futter zur Entlastung von Herz, Nieren und Gelenken. Kauartikel helfen der natürlichen Zahnpflege und beugen Zahnbelag vor. Wichtig ist zudem, die Futtermenge an Bewegung und Gewicht anzupassen, um Übergewicht zu vermeiden.
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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Der Chodský pes gilt insgesamt als gesunde Rasse ohne bekannte rassetypische Erbkrankheiten – ein Vorteil gegenüber vielen anderen Hütehunderassen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt – eher ungewöhnlich für so große Hunde – bei 13 bis 14 Jahren.
Dennoch können wie bei anderen mittelgroßen bis großen Arbeitshunden orthopädische Probleme wie Hüftgelenksdysplasie (HD) oder Ellbogendysplasie (ED) auftreten, insbesondere bei Überbelastung, falscher Haltung oder genetischer Vorbelastung. Deshalb sollte beim Welpenkauf auf eine seriöse Zucht mit tierärztlich untersuchten Elterntieren geachtet werden. Kontrollierte Zuchtlinien minimieren zudem das Risiko für andere genetische Erkrankungen wie degenerative Myelopathie oder Taubheit.
Der Chodský pes im Überblick
- Charakter: Temperamentvoll, arbeitsfreudig, intelligent, familienbezogen
- Größe (Schulterhöhe): Rüden 52–56 cm, Hündinnen 49–53 cm
- Gewicht: Rüden 19–27 kg, Hündinnen 17–24 kg
- Fell: Langstockhaar mit dichter Unterwolle
- Bewegungsbedarf: hoch, benötigt jeden Tag viel Auslauf und Abwechslung
- Durchschnittliche Lebenserwartung: 13 – 14 Jahre
- Besonderheiten: Vielseitig einsetzbar – geeignet für Hundesport, Schutz- und Rettungshundearbeit