31. März 2026, 9:10 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hundehalter unterschätzen, wie wichtig Ruhezeiten für ihre Tiere sind. Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum Hunde so viel schlafen müssen, welche Folgen fehlende Erholung hat – und wieso Ruhe sogar über die Lebenserwartung entscheidet.
Hunde brauchen mehr Schlaf, als viele denken
Viele Hundebesitzer glauben, es genüge, wenn ihr Vierbeiner nachts schläft. Doch Hundetrainerin Katharina Marioth stellt klar: Hunde brauchen deutlich mehr Erholung. Welpen sollten sogar 20 bis 22 Stunden am Tag ruhen, erklärt sie. „Ein gesunder, erwachsener Hund kommt auf 16 bis 18 Stunden, und ältere Hunde dürfen gerne auch wieder bis zu 20 Stunden schlafen – abhängig von Größe und Tagesform.“
Überforderung statt Erholung
Dass diese Zahlen für viele überraschend wirken, liegt laut Marioth daran, dass Besitzer ihre Tiere häufig überfordern. „Man hat oft das Gefühl, der Welpe müsse von Anfang an beschäftigt werden wie ein Kind, das nach der Schule noch Klavier und Fußball hat“, sagt sie. Dabei werde vergessen, dass das Gehirn Zeit brauche, um Eindrücke zu verarbeiten.
Hunde, die in der frühen Entwicklungsphase nicht lernten, Ruhe zu halten, kämen spätestens mit eineinhalb Jahren in ihre Beratung – meist mit massiven Verhaltensproblemen. Gleichzeitig gebe es Tiere, die von sich aus Schwierigkeiten hätten, sich zu entspannen. Hier sei es die Aufgabe des Menschen, Strukturen und Rituale zu schaffen.
Rituale helfen beim Herunterfahren
Doch wie lässt sich so viel Schlaf im Alltag unterbringen? Von den 20 Stunden bei Welpen fallen rund acht auf die Nacht, bleiben also noch zwölf am Tag. „Ein klarer Tagesablauf und feste Rituale helfen enorm“, erklärt Marioth. Viele Hunde schliefen etwa problemlos im Auto, weil die Abläufe dort immer gleich seien.
Gefährlich werde es, wenn Halter glaubten, ein unruhiger Hund brauche noch mehr Beschäftigung. „Dann erziehe ich mir einen Adrenalin-Junkie, der irgendwann gar nicht mehr runterfahren kann“, warnt Marioth. Dauerstress wirke sich nicht nur auf das Verhalten, sondern auch auf die Lebenserwartung aus.
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Folgen von zu wenig Schlaf
Die Konsequenzen sind oft gravierend: Hunde, die dauerhaft zu wenig Ruhe bekommen, reagieren übermäßig empfindlich auf Reize. „Das muss nicht Aggression sein, es zeigt sich oft durch extremes Bellen oder übersteigertes Jagdverhalten“, so die Trainerin. Auch Zerstörungswut sei ein typisches Zeichen. Im schlimmsten Fall entwickelten Hunde sogar Aggression gegen sich selbst – sie attackierten ihre Rute oder verletzten sich an den Pfoten.
Für Marioth ist Ruhe ein völlig unterschätztes Thema. Würde sie heute eine Welpen- oder Junghundeschule aufbauen, gäbe es für sie nur drei Kernpunkte: Ruhe lernen, den eigenen Namen kennen und zuverlässig zurückkommen. „Unsere Welt ist hektisch genug – auch für Hunde“, betont sie. Deshalb sollten Halter ihren Tieren ebenso wie sich selbst echte Auszeiten ermöglichen. „Me-Time für den Hund heißt schlicht: liegen, sich sicher fühlen, entspannen und schlafen dürfen.“
Überblick: So viel Schlaf braucht Ihr Hund
- Welpen: 20–22 Stunden
- Erwachsene Hunde: 16–18 Stunden
- Senioren (große Rassen ab ca. 7 Jahren, kleine ab ca. 10 Jahren): bis zu 20 Stunden
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in diesem Artikel: Wie viel Schlaf braucht ein Hund wirklich?
Das ganze Interview mit Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.
