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Selten, aber tödlich

Tetanus bei Hunden – was Halter wissen sollten

Hund liegt steif
Tetanus bei Hunden ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die umgehend tierärztlich behandelt werden sollte. Foto: Getty Images
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Werkstudentin

23. Februar 2026, 5:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn ein Hund plötzlich schlecht schluckt, das Gesicht angespannt wirkt und er ungewöhnlich ruhig erscheint, denken viele Halter zunächst an eine harmlose Ursache wie einen Insektenstich oder den Zahnwechsel. Verschlechtert sich der Zustand jedoch rasch und wirkt der Gesichtsausdruck starr, kann mehr dahinterstecken. Solche frühen Anzeichen werden leicht fehlgedeutet. PETBOOK erklärt, welche Symptome ernst zu nehmen sind und warum schnelles Handeln entscheidend sein kann.

Was steckt hinter einer Tetanusinfektion?

Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine bakterielle Erkrankung des Nervensystems. Verursacht wird sie durch das Bakterium Clostridium tetani. Dabei ist jedoch nicht das Bakterium selbst ausschlaggebend für die Beschwerden, sondern vielmehr ein von ihm gebildetes Nervengift, das sogenannte Tetanospasmin. Dieses Gift wird nach dem Eindringen in den Körper freigesetzt und greift anschließend gezielt in die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln ein. Dadurch wird die normale Signalübertragung gestört, was letztlich zu den typischen Muskelkrämpfen führt.

Im Normalfall sorgt das Nervensystem für ein kontrolliertes Zusammenspiel von Anspannung und Entspannung der Muskeln. Bestimmte Nervenzellen wirken dabei hemmend – sie verhindern, dass Muskeln dauerhaft angespannt bleiben. Allerdings blockiert das Tetanospasmin genau diese hemmenden Signale. Infolgedessen werden die Muskeln permanent angespannt: Es kommt zu anhaltenden Muskelkrämpfen und einer typischen Strecksteife der Gliedmaßen.

Nachdem das Gift in der Wunde entstanden ist, wandert es entlang der Nerven in Richtung Rückenmark und Gehirn. Dort bindet es sich an bestimmten Nervenzellen fest und blockiert dauerhaft deren Funktion. Diese Bindung ist irreversibel – also lässt sich nicht rückgängig machen. Damit sich die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln wieder normalisiert, muss der Körper neue Nervenverbindungen aufbauen. Dieser Prozess braucht Zeit – deshalb kann eine Tetanusinfektion beim Hund über mehrere Wochen andauern.1

Ursachen für Tetanus bei Hunden

Verursacht wird Tetanus durch das Bakterium Clostridium tetani. Es kommt weltweit vor, insbesondere in feuchter Erde, Straßenstaub, Schlamm sowie im Kot verschiedener Tiere. Besonders an dem Bakterium: Es bildet widerstandsfähige Sporen, die über Wochen oder Monate in der Umgebung überleben können.2

Eine Infektion entsteht fast immer über eine Verletzung. Dringen Sporen in eine Wunde ein und herrschen dort sauerstoffarme Bedingungen, beginnen sie sich zu vermehren und bilden das Nervengift. Besonders begünstigt sind tiefe, schlecht belüftete oder verschmutzte Wunden. Aber auch kleine, zunächst unauffällige Verletzungen können als Infektionsstelle dienen. Dazu zählen unter anderem:

  • Biss- und Raufverletzungen
  • Pfotenverletzungen durch Splitter, Dornen oder Nägel
  • Schürf- und Kratzwunden
  • postoperative Wunden
  • kleine Schleimhautverletzungen, etwa beim Zahnwechsel

Von Grund auf reagieren Säugetiere unterschiedlich empfindlich auf das Tetanusgift. Hunde gelten im Vergleich beispielsweise zu Pferden als deutlich weniger empfindlich. Dennoch kann die Erkrankung beim Hund schwer und lebensbedrohlich verlaufen.

Wie Halter die Symptome erkennen

Meistens treten die ersten Symptome drei bis 18 Tage nach der Infektion auf. Zu Beginn ist der Infektionsverlauf häufig schleichend, kann sich jedoch rasch verschlechtern. Frühe Anzeichen betreffen oft die Gesichtsmuskulatur. Typisch sind:

  • steife Gesichtszüge
  • hochgezogene Lefzen mit einem starren Ausdruck („sardonisches Lachen“)
  • Probleme beim Blinzeln
  • Schluckbeschwerden
  • vermehrtes Speicheln
  • steifer, vorsichtiger Gang
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Berührung3

Im weiteren Verlauf kann sich die Muskelsteifheit auf den gesamten Körper ausbreiten. Es kommt zu:

  • generalisierter Muskelstarre
  • deutlich gestreckter Haltung der Gliedmaßen („Sägebockstellung“)
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen
  • steif getragenem Schwanz
  • Kaumuskelkrampf mit eingeschränkter Maulöffnung
  • Fieber
  • erhöhtem Puls
  • Atemproblemen durch verkrampfte Atemmuskulatur

Wenn Tetanus unbehandelt bleibt, kann es im schweren Verlauf zum Atemstillstand kommen.4

So wird Tetanus bei Hunden diagnostiziert

Eine eindeutige Laboruntersuchung zum sicheren Nachweis von Tetanus steht in der Praxis meist nicht zur Verfügung. Die Diagnose basiert daher vor allem auf dem typischen klinischen Erscheinungsbild.

Entscheidend für die Diagnostik sind:

  • charakteristische Muskelveränderungen
  • der starre Gesichtsausdruck
  • Hinweise auf eine vorausgegangene Verletzung
  • neurologische Untersuchung
  • Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Das Gesamtbild der Symptome liefert in der Regel den entscheidenden Hinweis.

Behandlung

Eine Tetanusinfektion ist auch bei Hunden ein akuter Notfall und erfordert eine sofortige, intensive Behandlung. Nachdem der Tierarzt die Diagnose gestellt hat, wird Tetanus folgendermaßen behandelt:

  • Wundversorgung:
    Die Wunde wird gründlich gereinigt. Verschmutztes oder abgestorbenes Gewebe wird chirurgisch entfernt.
  • Antibiotika:
    Zur Bekämpfung des Bakteriums werden Antibiotika eingesetzt.
  • Tetanus-Antitoxin:
    In schweren Fällen kann zusätzlich ein Antitoxin verabreicht werden. Es soll frei zirkulierendes Gift neutralisieren. Die Wirksamkeit wird in der Literatur unterschiedlich bewertet.
  • Symptomkontrolle:
    Muskelrelaxantien (Medikamente zur Muskelentspannung), Schmerzmittel und beruhigende Medikamente kommen zum Einsatz, um die Krämpfe zu kontrollieren. Infusionen stabilisieren Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt.

Die Genesung kann vier bis sechs Wochen dauern. Während dieser Zeit bleibt das Tetanusgift wirksam.

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Prognose

Die Überlebenschancen hängen von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist vor allem, wie ausgeprägt die Symptome bereits sind und ob lebenswichtige Muskelgruppen wie die Atem- oder Herzmuskulatur betroffen sind. Außerdem spielen das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Hundes eine wichtige Rolle. Ebenso beeinflusst der Zeitpunkt des Therapiebeginns maßgeblich den weiteren Verlauf: Je früher die Behandlung einsetzt, desto günstiger sind in der Regel die Aussichten.

Können Halter Tetanus beim Hund vorbeugen?

Eine routinemäßige Tetanus-Impfung wie beim Menschen ist für Hunde nicht üblich. Daher kommt der sorgfältigen Wundhygiene eine besondere Bedeutung zu. Deswegen sollten Verletzungen möglichst zeitnah gereinigt und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel versorgt werden. Wichtig ist dabei, besonders tiefere, verschmutzte oder schlecht heilende Wunden tierärztlich abzuklären.

Es empfiehlt sich zudem, Pfoten und Maulregion regelmäßig zu kontrollieren – insbesondere nach Raufereien, ausgedehnten Buddelaktionen oder in Phasen des Zahnwechsels, in denen kleine Schleimhautverletzungen auftreten können. Je konsequenter selbst kleine Verletzungen beachtet und versorgt werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.

Quellen

  1. lyssbachvet.ch, „Tetanus (Starrkrampf) beim Hund“ (aufgerufen am 19.02.2026) ↩︎
  2. tierarztpraxis-vallendar.de, „Tetanus“ (aufgerufen am 19.02.2026) ↩︎
  3. martinruetter.com, „Tetanus beim Hund“ (aufgerufen am 19.02.2026) ↩︎
  4. klinik-fuer-kleintiere.de, „Tetanus – Der Kampf ums Überleben“ (aufgerufen am 19.02.2026) ↩︎

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