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Panikattacken und Aggression

Auslöser für „Werwolfsyndrom“ endlich gefunden! Tierklinik warnt vor Kauknochen

Boxer liegt auf Wiese und kaut an Kauknochen
Bestimmte Kauknochen gelten als Auslöser für schwere neurologische Störungen bei Hunden, die als „Werwolfssyndrom“ bekannt sind (Symbolbild). Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

14. August 2025, 16:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Seit Ende des Jahres 2024 wurden in Deutschland vermehrt Hunde auffällig, die plötzlich schwere neurologische Symptome zeigten. Die als „Werwolfsyndrom“ bezeichnete Krankheit umfasste Unruhe, Panikattacken, übermäßiges Speicheln, Aggression, Fluchtverhalten und auffällige Lautäußerungen. Bereits damals warnten niederländische und dänische Behörden vor bestimmten Kauartikeln für Hunde. Sie wurden als Auslöser der Symptome vermutet. Nun hat sich der Verdacht bestätigt, wie die Tierklinik Hofheim am 14.08. offiziell mitteilte.

„Aktuelle Untersuchungsergebnisse der Futtermittelüberwachung Bayern in Zusammenarbeit mit Toxikologen und dem Unternehmen zooplus deuten nun darauf hin, dass Methioninsulfoximin (MSO) ein möglicher Auslöser dieser Symptome sein könnte“, heißt es in einem Post auf dem offiziellen Instagramkanal der Tierklinik.

MSO könne als Nebenprodukt entstehen, wenn Rinderhaut mit nicht zugelassenen Bleichmitteln behandelt wird, heißt es weiter. Diese wurden vermutlich zur Herstellung bestimmter Kauknochen verwendet.

Tierklinik warnt vor Gabe von Produkten mit Rohhaut

Zwar sei MSO bislang nicht direkt in Proben betroffener Hunde nachgewiesen worden, doch gebe es Hinweise aus anderen Tierarten, die auf einen möglichen Zusammenhang mit neurologischen Störungen schließen lassen, betont die Tierklinik Hofheim. Zudem seien bisher keine Schwellenwerte für Hunde bekannt. Trotzdem sollten Hundehalter künftig vollständig auf die Gabe von Produkten mit Rohhaut verzichten. Dazu zählen viele beliebte Kauartikel. Vor allem die, die in eine künstliche Form gebracht werden. Etwa Knochen, Schuhe oder auch gedrehte Stangen.

Die Firma Zooplus hatte bereits Ende Juli mitgeteilt, dass alles darauf hindeute, dass Methioninsulfoximin (MSO) die plausibelste Ursache für die beobachteten neurologischen Symptome sei, wie das schweizerische Online-Lifestyle-Magazin „20 Minuten“ berichtete. Eine Tochtergesellschaft von Zooplus hatte mit Barkoo-Kauknochen einen Teil der fraglichen Kauartikel hergestellt. „20 Minuten“ fragte an, wer an der Untersuchung beteiligt war, wie man vorgegangen ist, was genau untersucht wurde und was zu dem Schluss geführt hat. Die Anfrage blieb bislang jedoch unbeantwortet.

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Was ist das Werwolfsyndrom?

Unter dem Werwolfsyndrom versteht man eine akute neurologische Störung. Betroffene Hunde zeigen dabei Symptome wie plötzliche Panikattacken, unkontrollierte Bewegungen, Jaulen. Im späteren Verlauf können auch epileptische Anfälle dazukommen. Das ist allerdings selten der Fall.

Dass Methioninsulfoximin in Kauknochen in Verdacht stand, ist nicht verwunderlich. Denn diese chemische Verbindung hemmt im Gehirn die sogenannte Glutaminsynthetase, ein wichtiges Enzym für den Stoffwechsel im Gehirn. Fehlt es, kann das zu schweren neurologischen Störungen bei Hunden führen, wie eine Studie aus dem Jahr 2013 bereits untersuchte.

Seit Ende August 2024 waren deutschlandweit vermehrt Fälle bekannt geworden, wie die Tierärztliche Hochschule Hannover in einer Pressemitteilung am 20. Dezember berichtete. Um die Ursachen besser zu verstehen, hatte ein Forschungsteam einen Fragebogen für Betroffene entwickelt. 1

Behörden hatten bereits Anfang 2025 gewarnt

Bereits Anfang Dezember warnten Tierkliniken und Veterinäre vor den Symptomen (PETBOOK berichtete). Schon damals standen Kauartikel aus China in Verdacht, da Besitzer oft davon berichteten, dass die Symptome auftraten, nachdem der Hund Produkte aus Tierhaut erhalten hatte.

Im Januar 2025 warnten die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) sowie dänische Behörden dann konkret vor ganz bestimmten Produkten, die als Auslöser für das sogenannte Werwolfsyndrom vermutet wurden. Betroffene Hunde zeigten schwere neurologische Schäden, waren unruhig oder schrien sogar vor Panik.

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Diese Produkte waren betroffen

Die NVWA warnte explizit vor Kauknochen des Herstellers Barkoo, die das Werwolfsyndrom auslösen sollen. Sie werden in den Niederlanden von den Online-Shops Zooplus und Bitiba vertrieben, waren wahrscheinlich aber auch in Deutschland erhältlich. Betroffen sind folgende Produkte: 2

Barkoo Kauknochen, geknotet natur 11cm
Verpackung: Beutel zu 150 g (mit je 3 Kauknochen)
Code (siehe Abbildung): 1148592 MHD 07.2027 3200PF027
Barcode: 4260077046875 

Barkoo Kaustange Käse natur 29 cm
Verpackung: Beutel à 570 g (mit 3 Kauknochen)
Code auf der Verpackung (siehe Foto): 1148655 MHD 04.2027 3200PF027
Barcode: 4260077047292

Zudem rief der Hersteller Chrisco A/S aus Vorsichtsgründen in Dänemark Kaubrötchen sowie weitere Kauartikel mit Huhn zurück, da dem Unternehmen Berichte über Verhaltensänderungen bei Hunden nach dem Verzehr des Produkts vorliegen, wie die Danish Veterinary and Food Administration (DVFA) mitteilte. 3 Die Artikel sind in Tierfachgeschäften Dänemarks erhältlich.

Keine Lebensgefahr für Hunde!

In vielen Medien hieß es, dass die Kauknochen oder das Werwolfsyndrom für Hunde tödliche Folgen haben können. Vermutlich handelt es sich dabei zwar um eine Vergiftungserscheinung, diese würde jedoch nach bisherigem Wissensstand kein Todesurteil für die Tiere bedeuten, wie die Tierärztliche Hochschule Hannover damals mitteilte.

In der Regel klingen die Symptome nach mehreren Tagen – manchmal auch Wochen – wieder ab. Betroffene Halter sollten trotzdem umgehend einen Tierarzt aufsuchen und schnellstmöglich auch einen auf Neurologie spezialisierten Veterinär zu Rate ziehen. Dieser kann feststellen, ob hinter den Symptomen tatsächlich neurologische Ursachen stecken, und damit zur weiteren Aufklärung der Fälle beitragen. Eine Übersicht von Fachärzten in der näheren Umgebung finden Sie unter www.tier-neurologen.com.

Quellen

  1. tiho-hannover.de, „Studie zum „Werwolfsyndrom“: Schwere neurologische Symptome bei Hunden“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎
  2. produktwarnung.eu, „Achtung Hundehalter: Behördliche Warnung vor Barkoo-Kauknochen für Hunde“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎
  3. foedevarestyrelsen.dk, „Rückruf von Kaubrötchen für Hunde“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎

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