3. November 2026, 17:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bestimmt hat sich Ihr Hund auch schon mal heftig den Kopf gestoßen oder ist beim Spielen mit einem anderen Hund so zusammen geprallt, dass er wie benommen wirkte. Ab wann es sich hier um eine Gehirnerschütterung handelt und wie Halter dann reagieren, hat PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Hunde Philine Ebert für Sie zusammengefasst.
Können Hunde eine Gehirnerschütterung erleiden und wie kann das überhaupt passieren?
Ja, Hunde können genau wie Menschen eine Gehirnerschütterung bekommen. Solange offensichtlich nichts passiert ist, misst man einem Schlag gegen den Kopf keine große Bedeutung bei. Doch wenn der Kopf getroffen wird, kann sich jede Erschütterung in verschiedenem Maße auf das Hundegehirn auswirken, von der Gehirnerschütterung bis zum Schädelhirntrauma.
Die Diagnose Gehirnerschütterung bedeutet eine vorübergehende Beeinträchtigung der Gehirnfunktion, verursacht durch einen Sturz, Schlag, Aufprall oder Unfall, der das Gehirn gegen die harte Innenseite vom Schädel stoßen lässt. Folglich kann das Gewebe des Gehirns geschädigt werden, nach starken Schlägen auf den Kopf sogar lebensbedrohlich anschwellen.
Mögliche Ursachen für eine Gehirnerschütterung
- ein Tritt gegen den Kopf von einem größeren Tier (z.B. Kuh oder Pferd) oder eines
Menschen - der Aufprall gegen einen harten Gegenstand (z.B. Fahrrad, Auto, Laternenpfahl,
Baum) oder eine harte Oberfläche (z. B. Wand, Fenster, Spiegel) - ein Unfall beim Spielen, Toben, Rennen oder Kämpfen mit einem anderen Hund
- ein Autounfall als Mitfahrer im Auto z. B. durch eine Vollbremsung, oft ohne
entsprechende Sicherung - Hundesportunfälle
- der Sturz aus einer größeren Höhe (z. B. aus dem Fenster, von einer Mauer), ein
Absturz am Berg oder ein Treppensturz
Woran erkenne ich, ob sich mein Hund eventuell eine Gehirnerschütterung zugezogen hat?
Da unsere Hunde nicht ausdrücken können, was ihnen fehlt oder wehtut, gibt es ganz
spezielle Anzeichen, die auf einer Gehirnerschütterung hindeuten können. Die Hauptmerkmale sind neurologische Ausfälle und plötzliche Verhaltensänderungen.
Während einige Hunde sofort Anzeichen zeigen, können andere Symptome aber auch erst nach Stunden oder Tagen auffällig werden. Treten nach einer Kopfverletzung oder einem Kopftrauma folgende Symptome auf, sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.
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Symptome die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten können
Wenn Ihr Hund eine oder mehrere dieser Symptome zeigt, sollten Sie schnellstmöglich tierärztliche Hilfe suchen:
- Gleichgewichtsstörungen und Bewegungsverlust z. B. Taumeln, im Kreis drehen,
Stolpern, unsicherer Gang und Stehen - Erbrechen, starkes Speicheln, Nasen- oder Ohrenbluten
- Lethargie und Benommenheit: das Tier verhält sich apathisch, teilnahmslos,
antriebslos, träge, extrem müde, desorientiert und phlegmatisch - Bewusstseins-, Verhaltens- und Orientierungslosigkeit z.B. der Hund kennt sich in
seiner gewohnten Umgebung plötzlich nicht mehr aus - Veränderte Kopfhaltung, steife oder schlafe Glieder
- Schnelle Atmung oder Atemprobleme
- Zittern, Krampfanfälle
- kurzzeitige Bewusstlosigkeit, fehlende Reflexe
- Veränderung der Pupillen und unkontrollierte Augenbewegungen: z. B.
unterschiedliche Größe der Pupillen, flackernde Augen, fehlende oder verlangsamte Reaktion auf Licht, unkontrolliertes Augenzucken oder Lichtempfindlichkeit
Erste Hilfe und Sofortmaßnahmen
Besteht der Verdacht einer Gehirnerschütterung, zählt jede Sekunde. Ähnlich wie beim
Menschen ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass sich ein Hund mit einer Kopf-
oder Nackenverletzung möglichst wenig bewegt. Dabei sollten Mensch und Tier trotz des Schocks Ruhe bewahren. Im besten Fall liegt der Hund ruhig, eventuell unterstützt von einer Decke. Unnötige Bewegungen sollten unbedingt vermieden werden. Lediglich der Kopf sollte leicht erhöht gegenüber dem Körper gelagert sein, um den Hirndruck zu senken.
Damit keine weiteren Schäden entstehen, weil sich das Tier wehrt, falsch gelagert oder transportiert wird, empfiehlt es sich bei akuten Symptomen einen mobilen Tierarzt oder die Tierrettung zu rufen. Mit einer Trage kann der Hund richtig transportiert und sofort vor Ort von einem Arzt versorgt werden.
Behandlung
Stellt der Tierarzt die Diagnose Gehirnerschütterung und konnte er eine schwerwiegendere Kopfverletzung wie ein Schädelhirntrauma ausschließen, helfen Infusionen schnell und effektiv. Musste der Hund erbrechen und ist er womöglich dehydriert, reguliert die Infusion nicht nur die Flüssigkeitszufuhr, sondern stabilisiert auch den Blutdruck. Bei unregelmäßiger Atmung oder Atembeschwerden kann eine Sauerstofftherapie unterstützend wirken.
Die anhaltenden Hauptbeschwerden einer Gehirnerschütterung sind in den meisten Fällen Kopfschmerzen, Übelkeit oder vorübergehende Benommenheit, Müdigkeit und verschiedenste Verhaltensauffälligkeiten. Hier kann der Tierarzt mit entsprechenden Medikamenten die Genesung unterstützen.
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Nachbehandlung und Erholungszeit
Sobald das Tier wieder zu Hause ist, braucht es an allererster Stelle Ruhe und viel Fürsorge um zu genesen. Wie lange ist es dauert bis sich der Hund vollständig erholt hat, hängt von dem Schweregrad der Gehirnerschütterung ab. Die meisten Tiere erholen sich relativ schnell und vollständig. Aber langfristige Auswirkungen oder mögliche Komplikationen können nach einer Gehirnerschütterung auch nach Tagen oder Wochen noch auftreten.
Verhaltensveränderungen, Kopfschmerzen oder anhaltende Benommenheit sind ein Zeichen dafür, dass das Gehirn immer noch beeinträchtigt ist. Eine besondere Fürsorge, viel Feingefühl und genaues Beobachten des Tieres sowie engmaschige Kontrollen durch den Tierarzt sind deswegen besonders wichtig.
Fazit
Eine Gehirnerschütterung beim Hund ist schneller passiert, als man denkt und ein absoluter Notfall. Nach einem Schlag auf den Kopf oder einem Aufprall zählt sie zu den häufigsten Kopfverletzungen. Selbst bei alltäglichen Aktivitäten wie Sport oder Spiel kann es zu einer Gehirnerschütterung kommen, ohne dass man es sofort bemerkt. Nehmen Sie die kleinsten Anzeichen dafür ernst und rufen Sie sofort Hilfe oder suchen Sie schon bei dem geringsten Verdacht auf ein Kopftrauma sofort einen Tierarzt oder eine Tierklinik auf.
Zur Autorin
Philine Ebert begann sich ausführlicher mit Haustieren und im Speziellen mit deren Gesundheit und Ernährung zu beschäftigen, nachdem ihr Hund ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte. Seit 2023 als zertifizierte Gesundheits-, Ernährungs- und BARF-Beraterin für Hunde selbstständig.