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Expertin klärt auf

Leidet mein Hund an einer Futtermittelunverträglichkeit? 

Hund schaut hoch zum Napf
Ernährungsberaterin Philine Ebert erläutert, woran Sie eine Futtermittelunverträglichkeit erkennen – und was dagegen hilft. Foto: Getty Images
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5. März 2026, 16:43 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Unwohlsein, anhaltende Verdauungsprobleme und quälender Juckreiz sind oft Anzeichen für eine Unverträglichkeit gegenüber Futtermitteln. Dabei sollte gezielt unterschieden und diagnostiziert werden, ob es sich um eine Unverträglichkeit oder eine Allergie handelt. Welche typischen Symptome auf eine Futtermittelunverträglichkeit hindeuten und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, erklärt Ernährungsberaterin und PETBOOK-Autorin Philine Ebert. 

Allergie oder Unverträglichkeit? Die Unterschiede im Überblick

Futtermittelallergie (immunologische Reaktion des Immunsystems) 
Eine Allergie ist eine überschießende, krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems. Bei einer Futtermittelallergie reagiert der Körper auf einen körperfremden, von außen kommenden Stoff und stuft ihn als gefährlich ein. Diese Abwehrreaktion verursacht die dazugehörigen allergischen Symptome, die anhalten, solange dieser Stoff dem Organismus weiter zugeführt wird. 

Futtermittelunverträglichkeit/Intoleranz (Stoffwechsel- oder Verdauungsproblem) 
Die Unverträglichkeit gegenüber Lebensmitteln löst noch keine immunologische Reaktion des Körpers aus. Es handelt sich dabei meistens um einen Enzymdefekt, der Symptome verursacht, da der Stoffwechsel und die Verdauungsorgane den Stoff nicht normal verdauen und verwerten können. Ein typisches Beispiel dafür ist die Laktoseintoleranz bei Hunden. 

Woran erkennt man eine Reaktion speziell auf Futtermittel? 

Die Symptome einer Futtermittelunverträglichkeit oder Allergie beim Hund sind oft ähnlich und dadurch nicht immer eindeutig zuzuordnen. Aber die Auslöser für eine Allergie müssen nicht immer auf das Futter zurückzuführen sein. Auch Hunde können auf aerogene Allergene oder Kontaktallergene wie Pollen, Gräser, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Reinigungsmittel oder Flohspeichel reagieren. 

Dies sollte, ebenso wie ein Parasitenbefall, abgeklärt und ausgeschlossen werden, bevor das Futter als Auslöser in Betracht gezogen wird. Wenn die folgenden Merkmale unabhängig von der Jahreszeit auf das Tier zutreffen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Reaktion auf Futtermittel handelt. 

Die häufigsten Anzeichen einer Lebensmittelallergie oder Lebensmittelunverträglichkeit sind: 

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Blähungen, Krämpfe oder Erbrechen 
  • Juckreiz, der vermehrtes Lecken oder auch Beißen oft an Pfoten, Ohren, in der Bauchregion oder am After zur Folge hat 
  • Hautirritationen wie Rötungen, Entzündungen, Schuppen oder Pusteln
  • Analbeutelentzündung 
  • matt wirkendes Fell oder Haarausfall 
  • wiederkehrende oder chronische Ohrenentzündung 
  • Verhaltensstörungen 

Mögliche Auslöser

Bei einer Reaktion auf Futtermittel reagiert der Hundeorganismus auf: 

  • Tierische oder pflanzliche Proteine wie eine bestimmte Fleischsorte (oft Rind oder Huhn), andere Eiweißbestandteile (Ei, Fisch) oder Histamin 
  • Kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Getreidearten (Gluten), Soja, Milch etc. 
  • Chemische Zusatzstoffe, wie künstliche Konservierungsmittel, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker 

Da unsere Haushunde heutzutage meistens mit Futter und Leckerlis gefüttert werden, die aus 3–4 verschiedenen Proteinquellen zusammengesetzt sind, ist das Allergiepotenzial relativ hoch. 

Maßnahmen bei einer Futtermittelunverträglichkeit oder Futtermittelallergie beim Hund

  • Umstellung auf ein hypoallergenes Futter: Aber: Dieses Futter wird meistens auf Insekten- oder Pflanzenbasis hergestellt, enthält wenig andere ernährungsphysiologisch wichtige Komponenten. Auf Dauer sichert es leider oft keine artgerechte, gesunde und ausgewogene Ernährung. 
  • Medikamente: Gegen die allergischen Symptome gibt es spezielle Medikamente. Da diese oft unerwünschte Nebenwirkungen haben, ist diese Behandlung eigentlich keine dauerhafte Lösung. 
  • genaue Diagnose des Allergieauslösers  

Möglichkeiten, eine Unverträglichkeit oder Allergie zu diagnostizieren

Es gilt herauszufinden, welches Protein für eine Futtermittelunverträglichkeit oder Allergie beim Hund verantwortlich ist, um es dauerhaft zu ersetzen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. 

  •  Blutuntersuchung (serologischer Allergietest) beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker: Leider ist dieser Test bei Hunden nicht immer voll aussagekräftig und eindeutig, die Kosten dafür sind sehr hoch (bis 800 EUR).
  • Haut-, Speicheltest oder Fellanalyse: Hierbei können leider nicht immer alle relevanten Allergene eindeutig bestimmt werden, im Besonderen, wenn es um Futtermittel geht 
  • Ausschlussdiät (Eliminationsdiät): Bei dieser sehr erfolgversprechenden Methode wird der Hund mindestens 6–8 Wochen ausschließlich mit einer Proteinquelle, d. h. einem Eiweiß und einer Kohlenhydratquelle gefüttert, mit denen das Tier vorher noch nie Kontakt hatte. Infrage kommen dafür Sorten wie z. B. Insekten, Pferd, Strauß, Ziege oder Känguru, kombiniert mit (Süß-)Kartoffel, Hirse, Amarant oder Haferflocken. 

In dieser Zeit sollte konsequent auf anderes Futter, Snacks und Leckerlis oder Tischreste verzichtet werden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Tritt während der Fütterung mit dem neuen Protein eine Besserung der Symptome auf, ist der Allergieauslöser meistens schon gefunden. Scheitert der erste Versuch, kann die Ausschlussdiät so oft wie nötig wiederholt werden. 

Langfristig stellt eine Kombination aus einer Fleisch- und einer Kohlenhydratquelle keine ausgewogene Ernährung für einen Hund dar, darum ist eine Ausschlussdiät für Welpen ungeeignet. 

Sie sollte nach und nach mit Mineralstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, hochwertigen Fettsäuren und Ballaststoffen ergänzt werden, oder langsam wieder auf ein passendes Fertigfutter umgestellt werden. Während einer Ausschlussdiät sollten ein Tierarzt oder Tierheilpraktiker den Halter und das Tier begleiten und unterstützen. 

Spezielle Futtersorten für Hunde mit Futtermittelallergien

  • Monoproteinfutter bestehend aus nur einer einzigen Proteinquelle 
  • Hydrolisiertes Futter, bei dem die Eiweißmoleküle so sauber und klein aufgespalten sind, dass sie keine Immunreaktion hervorrufen 
  • Selbst gekochtes Futter oder BARF-Fütterung nach einem individuell erstellten Fütterungsplan vom Tierarzt oder Ernährungsberater
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Gibt es Rassen, die öfter betroffen sind?

Nein, eine Unverträglichkeit oder Allergie kann bei jedem Hund vorhanden sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Einige Rassen neigen aber häufiger dazu. Das sind z.B. der Deutsche Schäferhund, Labrador Retriever, Dalmatiner, Cocker Spaniel, Boxer und West Highland White 
Terrier. 

Wie kann ich eine Futtermittelunverträglichkeit oder Allergie beim Hund vorbeugen?

  • Hochwertige und gesunde Ernährung: qualitativ gutes Futter, Snacks und Leckerlis, mit genau deklarierten Inhaltsstoffen, ohne unnötige Zusatzstoffe 
  • Behutsame Vorgehensweise bei Umstellungen und Veränderungen von Fütterung und Futtermitteln: immer langsam und kontrolliert vorgehen und die Reaktion des Organismus genau beobachten (im besten Fall mit Unterstützung eines Experten), evtl. zusätzlich ein Futtertagebuch führen
  • Auf die Darmgesundheit achten: Gesunderhaltung und Stärkung der Darmflora durch probiotische Zusätze oder Entgiftung nach Medikamenteneinnahme, Narkosen oder Wurmkuren

Mein Fazit als Ernährungsberaterin für Hunde

„Bei dem Verdacht auf eine Unverträglichkeit oder Allergie, die durch Futtermittel ausgelöst wird, empfehle ich die Ausschlussdiät, unterstützt von einem Ernährungsexperten. Sie ist die sicherste Methode, um den allergieauslösenden Stoff gezielt zu ermitteln und ihn dann zu ersetzen. Auch wenn es Geduld erfordert und einige Zeit in Anspruch nehmen kann, ist dies die beste und schonendste Diagnostik für den Hund. Zudem kann möglicherweise auf eine unnötige Therapie mit Medikamenten verzichtet werden. Mit dem passenden Futter ist der Hund schnell wieder beschwerdefrei und die Lebensfreude kehrt zurück.“ 

 

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