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Verbreitete Einstellung

Sollte jede Hündin einmal Welpen bekommen? Expertin hat klare Ansicht

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

7. August 2025, 15:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ob aus Unwissenheit, romantischer Verklärung oder falsch verstandener Tierliebe – der Mythos hält sich hartnäckig: Jede Hündin sollte einmal in ihrem Leben Welpen bekommen. Doch was nach „natürlichem Wunsch“ klingt, kann in Wahrheit erhebliche Folgen haben – für das Tier, aber auch für die Halter. Hundetrainerin Katharina Marioth räumt im Gespräch mit PETBOOK mit gängigen Irrtümern auf und erklärt, warum diese Vorstellung nicht nur überholt, sondern mitunter auch gesetzeswidrig ist.

Gefährliche Vermenschlichung des Tieres

Begründet wird diese Ansicht oft damit, dass Hündinnen ja „auch Mama werden wollen“ – ein Argument, das für die Hundetrainerin Katharina Marioth keinerlei Grundlage hat. „Ich würde am liebsten aufstehen und gehen, so unsinnig finde ich diese Aussage“, sagt sie im Gespräch mit PETBOOK.

Für sie sei dieser Mythos nicht nur biologisch und verhaltensethologisch überholt, sondern auch eine gefährliche Vermenschlichung des Tieres. Zudem bewege man sich damit in vielen Fällen bereits in einer rechtlichen Grauzone oder gar im illegalen Bereich – etwa dann, wenn keine sachkundige Zuchtzulassung vorliege.

Keinerlei biologischen Nutzen

In ihrer Arbeit begegnet Marioth diesem Irrglauben regelmäßig. Häufig höre sie Sätze wie: „Bevor wir sie kastrieren, soll sie einmal werfen.“ Eine Einstellung, die ihrer Meinung nach eine Kette von Missverständnissen nach sich zieht. In solchen Fällen klärt sie sachlich auf, dass es in vielen Bundesländern ohne Sachkundenachweis illegal sei, eine Hündin decken zu lassen – und das aus gutem Grund. „Wir wissen heute, dass es keinerlei biologischen Nutzen hat, wenn eine Hündin einmal im Leben Welpen bekommt. Im Gegenteil, es bringt viele Herausforderungen mit sich.“

Wenn sie mit Argumenten allein nicht weiterkomme, helfe häufig ein Perspektivwechsel: Sie frage die Halter, ob sie denn wirklich zehn Wochen Urlaub nehmen könnten, um rund um die Uhr für Mutter und Welpen da zu sein. Auch praktische Fragen wie die nach einem geeigneten Deckrüden oder nach medizinischer Versorgung führten oft dazu, dass die Menschen umdenken.

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Acht oder gar zehn Welpen bedeuteten enorme Arbeit

Trotz aller Aufklärung kommt es immer wieder zu sogenannten „Ups-Würfen“, also ungeplanten Trächtigkeiten. Marioth reagiert auf diesen Begriff mit Unverständnis: „Gerade in der Stadt kann ich das oft nicht nachvollziehen. Ein Deckakt bei Hunden dauert etwa 15 Minuten – wie kann es sein, dass ich das nicht mitbekomme?“ Sie sehe darin häufig eine Ausrede, die Verantwortung auf das Tier abzuschieben.

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Wenn es doch passiert, sei schnelles und verantwortungsvolles Handeln gefragt: Urlaub beantragen – im Zweifel auch unbezahlt –, um sich voll und ganz um die Hündin und den Wurf kümmern zu können. Acht oder gar zehn Welpen bedeuteten enorme Arbeit, betont Marioth. Wichtig sei auch, dass man sich frühzeitig informiert: Brauche ich eine Sachkunde? Wo darf ich die Welpen überhaupt inserieren? Gerade in Großstädten wie Berlin könne unerlaubter Welpenhandel schnell eine Ordnungswidrigkeit mit bis zu 10.000 Euro Strafe nach sich ziehen. Zudem sei die körperliche und psychische Reife der Hündin entscheidend – viele würden unterschätzen, wie lange es dauere, bis eine Hündin wirklich erwachsen sei.

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Verantwortungsvoller Umgang während der Läufigkeit

Doch sollte man seine Hündin im Umkehrschluss vorsichtshalber kastrieren, um solche Situationen zu vermeiden? Auch hier äußert sich Marioth differenziert: Sie sei keine generelle Befürworterin von Kastrationen, weil diese starke Auswirkungen auf das Verhalten haben könnten – etwa dann, wenn kein medizinischer Grund vorliege. Viel wichtiger sei ein verantwortungsvoller Umgang während der Läufigkeit.

„Leinenpflicht ist in dieser Zeit unerlässlich“, erklärt sie. Freilauf sei nur im eingezäunten Garten oder sicher abgetrennten Gelände vertretbar. Schließlich sei die Hündin nur an wenigen Tagen überhaupt empfängnisbereit. Und wenn sie dann von aufdringlichen Rüden bedrängt werde, könne das sogar zu Aggressionsverhalten führen, weil sie sich gezwungen sehe, ungewünschte Partner abzuwehren. „Drei Wochen an der Leine sind machbar“, meint Marioth. Es gebe genug Möglichkeiten, auch an der Leine für körperliche Auslastung zu sorgen.

Fazit: Es gibt keinen vernünftigen Grund, dass Hündinnen Welpen bekommen

Am Ende bleibt für die Hundetrainerin eine klare Botschaft: Es gibt keinen vernünftigen Grund, dass eine Hündin Welpen bekommt. Vielmehr gelte es, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur gegenüber dem eigenen Tier, sondern auch gegenüber dem Tierschutz und der Gesellschaft. Denn die Tierheime sind voll, und der Markt ist gesättigt. Wer sich trotzdem für einen Wurf entscheidet, müsse sich über die rechtlichen, organisatorischen und emotionalen Konsequenzen im Klaren sein – und sich gut vorbereiten.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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