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Neue Hoffnung bei Hämangiosarkom

Hunde erschnüffeln Blutkrebs bei Artgenossen

Kleiner Hund schnüffelt an großem
Hunde können viele Krankheiten riechen, darunter wohl auch eine bislang häufig zu spät erkannte Krebsart bei Artgenossen Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

20. Januar 2026, 11:57 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Könnten Hunde künftig dabei helfen, bei ihren Artgenossen eine tödliche Krebsart frühzeitig zu erkennen? Eine Studie zeigt: Speziell trainierte Spürhunde konnten Proben von Hunden mit einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs – dem Hämangiosarkom – mit bemerkenswerter Trefferquote identifizieren. Das könnte den Weg für neue, nicht-invasive Diagnosetools ebnen – und vielleicht Hundeleben retten.

Tödlich und schwer zu erkennen

Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen bei Haustieren – ähnlich wie beim Menschen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Hunde erkranken Schätzungen zufolge im Laufe ihres Lebens daran. Besonders gefährlich: das Hämangiosarkom (HSA), ein aggressiver Tumor der Blutgefäße, der oft erst diagnostiziert wird, wenn es bereits zu spät ist.

HSA betrifft meist mittelalte bis ältere Hunde. Es tritt bevorzugt bei bestimmten Rassen wie Golden Retrievern, Labrador Retrievern oder Deutschen Schäferhunden auf. Die Krankheit bleibt lange unbemerkt und führt oft zu plötzlichen, lebensbedrohlichen Zusammenbrüchen – etwa durch innere Blutungen nach dem Reißen eines Tumors.

Eine schnelle Diagnose ist bei diesem aggressiven Blutkrebs nahezu unmöglich, da es bisher keine verlässlichen Früherkennungstests gibt. Gleichzeitig könnten früh entdeckte Tumore womöglich besser behandelt und die Lebenszeit verlängert werden. Hier setzte die Untersuchung des Forschungsteams um Cynthia M. Otto von der School of Veterinary Medicine an der University of Pennsylvania an.

Spürnasen im Einsatz gegen Blutkrebs

Es ist bekannt, dass viele Krebsarten flüchtige organische Verbindungen (VOCs) produzieren, die einen spezifischen Geruch erzeugen. In diesen Bereichen wurden Hunde mit ihrem außergewöhnlich empfindlichen Riechvermögen bereits eingesetzt. Die Frage war nun: Können Hunde auch bei ihren Artgenossen Krebs „erschnüffeln“?

Für die Studie kamen sogenannte Bio-Detektionshunde zum Einsatz. Diese Tiere waren zuvor darauf trainiert worden, Gerüche zu erkennen, die mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung stehen. Darunter chronische Auszehrung (Chronic Wasting Disease), posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Menschen. Ein Ethikprotokoll sicherte die Untersuchung ab und alle beteiligten Halter gaben ihre Zustimmung.

Hunde durchliefen mehrere Hundert Tests

Im Rahmen der Tests untersuchten die Tiere Blutserumproben von Hunden mit diagnostiziertem Hämangiosarkom. Die Kontrollproben stammten von Hunden mit anderen, nicht krebsbedingten Erkrankungen und von gesunden Tieren.

Jeder Testlauf beinhaltete drei Proben: eine von einem HSA-positiven Hund, eine von einem erkrankten, aber krebsfreien Hund und eine von einem gesunden Hund – alle alters- und geschlechtsangepasst. Die Hunde durchliefen mehrere Hundert Einzeltests. „Wir haben sogenannte Olfaktometer eingesetzt – sehr hochentwickelte Geräte“, erklärt Erstautorin Clara Wilson in einer Pressemitteilung.

„Sie verfügen über einen Infrarotstrahl, der über die Öffnung läuft. Wenn der Hund seinen Kopf in die Öffnung steckt, unterbricht er diesen Strahl – das Gerät registriert dann, dass er die Probe untersucht. Bleibt er bei der richtigen Probe lange genug, ertönt ein Signalton – und der Hund bekommt seine Belohnung.“

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Die fünf geprüften Hunde absolvierten insgesamt 423 doppelt verblindete (weder Halter noch Forscher wussten, was die Probe enthielt) Testläufe mit einer durchschnittlichen Trefferquote (Gesamtgenauigkeit) von 70 Prozent. Diese Rate blieb auch bei der ersten Begegnung mit jeweils neuen Proben konstant. Auch die Unterarten des Tumors – splenisch, kardial oder viszeral – wurden zuverlässig erkannt.

Die Studie liefert erstmals systematisch belegte Hinweise darauf, dass Hunde ein Hämangiosarkom bei Artgenossen anhand von Blutserum erschnüffeln können. Diese Fähigkeit eröffnet spannende Perspektiven für die Früherkennung dieser heimtückischen Blutkrebs-Variante.

Da die Hunde mit neuen, ihnen unbekannten Proben arbeiteten, lässt sich ausschließen, dass sie lediglich zuvor gelernte Gerüche wiedererkannten – sie hatten offenbar ein echtes Konzept der „Krebs-Kategorie“ entwickelt. Das macht Hunde zu einem wertvollen biologischen Beweisinstrument, um eine konkrete Geruchssignatur zu identifizieren.

Auch wenn Hunde allein kaum für den klinischen Alltag geeignet sind, legen ihre Fähigkeiten den Grundstein für technologische Entwicklungen. Etwa in Form elektronischer „Nasen“, die dieselben VOCs erkennen. Solche Tools könnten künftig zur Routinekontrolle bei gefährdeten Hunden eingesetzt werden. „Das ist ein erster Hoffnungsschimmer“, so Wilson.

„Hoffnungsschimmer“ für schwere Tumorerkrankung

Wilson sieht in der Geruchserkennung ein mögliches Screening-Instrument – zum Beispiel im Rahmen einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung. Ein solcher Test könne auf ein mögliches Problem hinweisen, sodass die Besitzer dann weitere Untersuchungen wie Ultraschall oder CT veranlassen können, sagt sie. „Damit könnten wir die Krankheit früher erkennen – im Moment passiert das oft viel zu spät.“

Auch Tiermedizinerin Cynthia Otto betont die Bedeutung der Früherkennung: „Wir könnten verhindern, dass sich die Krankheit ausbreitet – denn genau das macht sie so verheerend.“ Wenn man das Hämangiosarkom rechtzeitig erkennt, könne man beispielsweise die Milz entfernen, bevor sie reißt, oder eine Chemotherapie frühzeitig beginnen – und so Leben retten. Langfristig könnten diese Erkenntnisse also nicht nur die Prognose betroffener Hunde verbessern, sondern auch neue Behandlungswege eröffnen. 1

Quellen

  1. Wilson, C., Holden, S., King, J., Mallikarjun, A., Buis, M., & Otto, C. M. (2025). Trained dogs can detect the odor of hemangiosarcoma in canine blood samples. The Veterinary Journal, 106522. ↩︎

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