6. Mai 2026, 14:35 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Was passiert, wenn man für die erste große Hundeausstellung echte Profis braucht, aber an schräge Ratschläge gerät? PETBOOK-Autorin Manuela Lieflaender hat Elvis’ Premiere beim Hundefriseur gewagt und ist dabei auf eine skurrile Mischung aus Herzblut und Küchenpsychologie gestoßen. Ein Bericht über Missverständnisse, Fachwissen und das ‚erhobene Haupt‘ am Ende eines langen Termins.
Jeder darf sich Hundefriseur nennen
Hand aufs Herz: Schlafen Sie gut vor Ihrem ersten Termin beim Hundefriseur? Ich konnte es nicht. Und das lag nicht nur daran, dass ich selbst nicht gern zum Friseur gehe. Es war ein Mix aus schlechtem Bauchgefühl und der Sorge, dass der Hundefriseur es einfach nicht kann.
Sie merken schon, meine Meinung über Hundefriseure ist – na ja, sagen wir, ich stehe ihnen kritisch gegenüber. Sie liegen bei mir im Kopf in der gleichen Schublade wie Ernährungsberater, Tierheilpraktiker und Hundephysiotherapeuten. Nicht, weil ich ihnen per se schlechte Absichten unterstelle. Das Problem bei Hundeberufen ist, dass es keine verbindlichen Standards gibt und keine Qualitätssicherung, die ihren Namen verdient.
Jeder darf sich Hundefriseur nennen, ohne überhaupt eine Ausbildung in dem Bereich gemacht zu haben. Das erhöht die Gefahr natürlich, dass ich als Kundin am Ende unzufrieden mit dem Ergebnis bin. Ja, es gibt gute Leute. Aber man muss sie erst mal finden.
Hundefriseure sind teilweise über Jahre (!) ausgebucht
Jetzt stellen Sie sich wahrscheinlich die Frage: Wenn sie so wenig von Hundefriseuren hält, warum geht sie überhaupt hin? Gegenfrage: Haben Sie sich mal meine Frisur angesehen? Styling ist nicht meins. Präzision ist nicht meins. Ich bürste und kämme Elvis zwar täglich, aber für unser Abenteuer „Hundeausstellung“ brauche ich jemanden, der sein Handwerk versteht.
Wie findet man also einen guten Hundefrisör? Google-Rezensionen checken, Termin vereinbaren. So habe ich mir das vorgestellt. In der Realität hagelte es Absagen. Dieser Berufszweig ist teilweise über Jahre (!) ausgebucht. Das hat mich überrascht; ich dachte natürlich, die warten nur darauf, dass man anruft. Irgendwann hatte ich Glück.
Der Termin: Ein holpriger Start
Schon das Telefonat war ein Erlebnis.
- Hundefriseurin: „Was soll denn gemacht werden?“
- Ich: „Alles außer Waschen und Föhnen.“
- Hundefriseurin: „Wie meinen Sie das?“
- Ich: „Ich brauche einen Kennenlern-Termin. Nur zum Bürsten. Es gibt ein paar Stellen, an denen er sich nicht gut kämmen lässt. Zum Beispiel vor der Brust.“
- Hundefriseurin: „Wieso? Was macht er denn dann?“
- Ich: „Gar nichts. Er senkt den Kopf.“
„Sie haben doch abgesagt“, werde ich beim Hereinkommen begrüßt. „Australian Shepherd, 13.30 Uhr?“ Ja, das ist mein Termin, antworte ich. „Sie haben doch abgesagt“, wiederholt der Hundefriseur. Was? „Ja. Australian Shepherd, 13.30 Uhr.“ Ich bin völlig perplex. Soll ich wieder gehen? Will sie mir das damit sagen? Am Ende schreiten wir dann doch zur Tat.
„Das wird schwierig“
Wir beginnen damit, dass Elvis sich erst mal frei in dem Salon bewegen darf. Nach diesem Missverständnis bin ich innerlich noch mehr angespannt. Das überträgt sich natürlich auf Elvis. Dem ist das alles so gar nicht geheuer. Dabei ist der Salon eigentlich schön: Lichtdurchflutet, weiße Möbel, himmelblaue Wände. Und überall hängen Schleifen von Hundeausstellungen.
„Ja, hallo. Ja, wer bist du denn? Du bist ja ein Feiner!“, ruft die Friseurin laut und mit schriller Stimme. Dazu Schenkelklopfen als Aufforderung zum Näherkommen. Sie meint es gut und sie ist offensichtlich bemüht. Aber wie erkläre ich hier, dass sie so alles in Elvis’ Augen noch schlimmer macht? „Der ist aber ängstlich“, lautet ihr Urteil. „Das wird schwierig.“ Sie versucht es mit einem Leckerchen. Keine Chance.
Lautes, übergriffiges Verhalten ist nicht seins
Was die Friseurin als „ängstlich“ bezeichnet, sieht man in der Fachwelt differenzierter. Denn in der modernen Verhaltensforschung gilt Zurückhaltung nicht als Angst per se. Viele Hunde zeigen sogenanntes Meide- oder Beschwichtigungsverhalten, um Situationen erst einmal einzuschätzen. Studien aus der Ethologie und der angewandten Verhaltensbiologie zeigen, dass laute Stimmen, schnelle Bewegungen und direkte Aufforderungen den Stresslevel eher erhöhen als senken.
Daher bin ich überhaupt nicht überrascht von Elvis’ Reaktion. Lautes, übergriffiges Verhalten ist nicht seins. Außerdem ist er nicht dumm: Er ahnt, dass hier etwas passiert, was nicht nach Spaß aussieht. Wir sind uns charakterlich ähnlich. Ich brauche ebenfalls Zeit, um mit der Hundefriseurin und der Situation an sich warmzuwerden. Aber ich bin optimistisch: Ich weiß, dass Elvis nach dieser Phase stabil genug ist, um sich auf das einzulassen, was jetzt kommt.
Wie trainiert man eigentlich für eine Hundeschau? PETBOOK-Autorin hat’s ausprobiert
„Der Hund beißt sich in den Schwanz! Was ist bloß mit Elvis los?“
Das Ergebnis kann sich sehen lassen
Ich packe meine besten Leckerchen aus und Step by Step tasten wir uns an den Grooming-Tisch und dann an das Bürsten heran. Mir fällt positiv auf, wie viel Zeit sich die Friseurin für Elvis nimmt und mit wie viel Liebe sie ihre Arbeit macht. Wir unterhalten uns nebenbei. Ich erzähle, dass Elvis sich in der Vorbereitung für eine Hundeausstellung befindet und ich erfahre, dass die Hundefriseurin selbst begeisterte Ausstellerin war.
Das Ergebnis kann sich am Ende sehen lassen: Das Fell ist gebürstet und gekämmt, an einigen Stellen leicht gekürzt, an den Pfoten abgerundet und unter den Ballen gestutzt.
Plötzlich schnappt sich die Hundefriseurin Elvis einfach
Ich habe schon meinen Mantel an und Elvis wieder angeleint, da schnappt sich die Friseurin den Australian Shepherd und beginnt mit dem Ausstellungstraining. „Komm Elvis!“ Zack, trabt sie mit ihm begeistert durch den Laden. Und Elvis? Nach anfänglicher Skepsis hört er auf sie und macht das kleine Training begeistert mit.
Ich freue mich darüber, dass hier gerade ein Mensch zurück zu seiner Passion findet. Obwohl ich es eigentlich übergriffig finde, dass sie sich ungefragt meinen Hund schnappt. Na ja, ist jetzt mal so. Vom Typ her ist sie ein ganz anderer Mensch als ich.
Das sieht sie offenbar genauso: „Sie müssen mehr aus sich herauskommen.“ Kurios, denke ich. Da geht man zum Hundefriseur und bekommt gratis solche Ratschläge. „Gehen Sie mit Elvis jetzt einfach mal erhobenen Hauptes durch die Fußgängerzone. Dann wird er auch mehr den Kopf heben.“
Ja, das werde ich tun. Ohne zurückzublicken.
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Zur Autorin
Manuela Lieflaender ist zertifizierte Hundepsychologin und Pferdefrau. Zu ihrem Portfolio zählen Ratgeber-Texte ebenso wie Reportagen über tierfreundliche Reise-Destinationen und Erfahrungsberichte mit Tiefgang.