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Neuer „Kommissar Rex“

Das war die größte Herausforderung für Capo am Set

Farina Klause trainierte Schäferhund Capo für seine Rolle als „Kommissar Rex“
Farina Klause trainierte Schäferhund Capo für seine Rolle als „Kommissar Rex“ Foto: SAT.1
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Porträt Emily Reimann
PETBOOK-Redaktion

14. April 2026, 12:31 Uhr | Lesezeit: 12 Minuten

Ein Schäferhund als TV-Star – was nach Abenteuer und Action klingt, ist in Wahrheit harte Arbeit, viel Training und vor allem eine enge Vertrauensbeziehung zwischen Mensch und Tier. Für die Neuauflage von „Kommissar Rex“ steht Hund Capo vor der Kamera. Wie er zur Rolle kam, wie Dreharbeiten mit einem tierischen Hauptdarsteller ablaufen – und warum gerade die stillen Szenen oft die größte Herausforderung sind, erklärt Hundetrainerin Farina Klause im Interview mit PETBOOK.

Er schnüffelt wieder

Der wohl berühmteste TV-Hund Europas ist zurück: „Kommissar Rex“ feiert sein Comeback. Ab dem 13. April 2026 ermittelt der legendäre Schäferhund wieder zur Primetime in SAT.1 und auf Joyn – diesmal an der Seite von Kommissar Max Steiner (Maximilian Brückner) in Wien. Gleich im ersten von insgesamt sechs neuen Filmen wird es brenzlig: In einer Bar nahe dem Stephansdom droht eine Bombe zu explodieren – und nur Rex kann erschnüffeln, ob die Gefahr real ist.

Auch wenn Rex auf dem Bildschirm scheinbar mühelos Verbrecher jagt und Leben rettet, steckt hinter den Szenen viel Arbeit. Denn der tierische Hauptdarsteller hört im echten Leben auf den Namen Capo – und musste für seine Rolle erst zum Filmprofi ausgebildet werden. Wie genau, hat Hundetrainerin Farina Klause von der Filmtierranch im Interview mit PETBOOK erklärt.

„Inzwischen ist er ein echter Profi vor der Kamera“

PETBOOK: Frau Klause, wenn Sie Capo in drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?
Farina Klause: „Neugierig, verspielt und sehr verschmust. Sehr verschmust.“

Passt ja auch total zur Rolle. Was macht ihn denn zur perfekten Besetzung für den „Kommissar Rex“?
„Capo ist in die Rolle hineingewachsen. Am Anfang war es ja seine erste Filmrolle, da musste er sich erst einfinden. Inzwischen ist er ein echter Profi vor der Kamera und weiß genau, worauf es ankommt. Ich glaube, er bringt alles mit, weil er ein sehr offener, verschmuster Hund ist, der Aufmerksamkeit mag und gerne im Mittelpunkt steht.“

Das musste Capo alles lernen

Es hört sich ja fast so an, als wäre er wirklich für die Rolle gemacht. Wie wurde er denn konkret darauf vorbereitet?
„Ganz so einfach, wie es klingt, war es nicht – wir hatten nämlich eine relativ kurze Vorbereitungszeit von knapp sechs Monaten. Grundsätzlich bekommen die Hunde erst einmal eine Basisausbildung. Das heißt, sie lernen klassische Kommandos wie Sitz, Platz und Bleib. Und erst wenn diese Grundlage sitzt, fängt man an, gezielt für die Anforderungen aus dem Drehbuch zu trainieren.

Dann kommen spezielle Aufgaben dazu, zum Beispiel Dinge mit der Nase anstupsen, mit der Pfote an etwas kratzen, apportieren oder Gegenstände mit der Schnauze bewegen oder ‚aufräumen‘. Wir arbeiten dabei ausschließlich mit positiver Konditionierung, also mit Klickertraining. Wenn der Hund dieses Prinzip einmal verstanden hat, kann man sehr gut darauf aufbauen, weil er das Lernen an sich verinnerlicht hat.“

Auch interessant: Filmtier-Trainerin: »Jeder Hund kann ein Filmhund werden

„Wir haben wirklich bei null angefangen“

Sechs Monate klingen trotzdem ziemlich knapp. Wie lange dauert so eine Ausbildung normalerweise?
„In der Regel ein bis zwei Jahre. Das hängt aber auch stark davon ab, wann man anfängt. Wenn man mit einem Welpen arbeitet, dauert es natürlich eher zwei Jahre. Mit einem erwachsenen Hund kann es auch schneller gehen – das ist immer sehr individuell und kommt auf den jeweiligen Hund an.“

Wie lange dauert ein solches Training eigentlich – und welche Tricks oder Kommandos musste Capo für die Serie neu lernen?
„Alles – weil er, als er mit zehn Monaten zu uns kam, noch gar nichts konnte. Er konnte kein Sitz, kein Platz, kannte weder Leine noch Halsband. Wir haben wirklich bei null angefangen.“

Maximilian Brückner steht zusammen mit Capo vor der Kamera. Zur Vorbereitung auf den Dreh war der Schauspieler für mehrere Trainings auf der Filmtierranch der Hundetrainer.
Maximilian Brückner steht zusammen mit Capo vor der Kamera. Zur Vorbereitung auf den Dreh war der Schauspieler für mehrere Trainings auf der Filmtierranch der Hundetrainer. Foto: SAT.1

Ruhig zu liegen, war mit die größte Herausforderung für Capo

Was war denn die größte Herausforderung im Training?
„Das ist schwierig zu sagen, weil wir ja über einen langen Zeitraum gearbeitet haben – wir haben insgesamt sechs 90-minütige Filme gedreht. Da gibt es viele Herausforderungen, nicht die eine.

Natürlich sind Stunts anspruchsvoll. In der ersten Folge muss Capo zum Beispiel auf die Ladefläche eines Pick-ups springen. Aber solche Szenen sind bis ins kleinste Detail geplant und trainiert, da läuft am Set dann meistens alles sehr ruhig und kontrolliert.

Oft sind eher die unscheinbaren Dinge die größere Herausforderung: Wenn der Hund zum Beispiel im Verhörraum drei Minuten einfach nur ruhig im Hintergrund liegen soll. Für einen zweijährigen, leicht pubertierenden Schäferhund ist das manchmal schwieriger, als eine Aktion auszuführen.“

„Ich erkläre ihm die Szene ein paar Minuten vorher“

Wie sieht ein typischer Drehtag für Capo aus?
„Capo hat auch Doubles, das heißt, er macht nicht alles alleine. Wir hatten während des Drehs eine sehr schöne Unterkunft in Wien mit einem großen Areal, wo sich die Hunde frei bewegen konnten – das war wirklich ideal.

Morgens packen wir alles zusammen und fahren zum Drehort, der fast jeden Tag wechselt. Dort schaue ich mir zuerst die Stellprobe an und kläre, was an dem Tag gedreht wird und was der Hund machen soll.

Ganz wichtig: Erst wenn alle – Schauspieler, Kamera, Regie – genau wissen, was passiert, hole ich den Hund dazu. Ich erkläre ihm dann kurz vorher seine Aufgabe, und dann wird auch direkt gedreht. Hunde haben ein eher kurzes ‚Arbeitsgedächtnis‘, deshalb funktioniert es am besten, wenn sie etwas lernen und es sofort umsetzen.

Es wird also nicht stundenlang mit dem Hund geprobt. Ich erkläre ihm die Szene ein paar Minuten vorher, und dann wird sie aufgenommen. Zwischendurch hat er natürlich auch viele Pausen – zum Beispiel, wenn Nahaufnahmen ohne ihn gedreht werden. Dann ist er nicht am Set, sondern kann sich ausruhen.“

Streicheln, füttern, ansprechen? Am Set herrschen klare Regeln

Farina Klause beim Training mit Capo: „Das Wichtigste ist die Beziehung
Farina Klause beim Training mit Capo: „Das Wichtigste ist die Beziehung zwischen Hund und Trainerin – also Vertrauen und eine enge Bindung.“ Foto: SAT.1

Wie schaffen Sie es, dass Capo trotz vieler Menschen und Reize am Set so konzentriert bleibt?
„Das Wichtigste ist die Beziehung zwischen Hund und Trainerin – also Vertrauen und eine enge Bindung. Der Hund konzentriert sich im Idealfall nur auf mich.

Man kann sich das ein bisschen wie eine Seifenblase vorstellen: Alles, was außen passiert, ist für ihn nicht relevant. Das ist ein Zusammenspiel aus Training und Beziehung. In der Vorbereitung lernen die Hunde, ihren Fokus entweder auf mich zu richten oder – wenn es die Szene erfordert – auf den Schauspieler.

Außerdem gibt es klare Regeln am Set: Die Teammitglieder dürfen den Hund nicht einfach streicheln, füttern oder ansprechen. Dadurch bleibt das Umfeld für den Hund neutral, und er wird nicht zusätzlich abgelenkt. So fällt es ihm leichter, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.“

„Capo weiß ja nicht weiß, dass wir einen Film drehen“

Lernen die Hunde die Schauspieler vor Drehbeginn kennen? Wird vorher gemeinsam geübt?
„Ja, das machen wir auf jeden Fall. In diesem Fall war Maximilian Brückner vorab für mehrere Trainings bei uns auf der Filmtierranch. So hatten wir genug Zeit, ihm ohne Zeitdruck zu erklären, wie wir arbeiten, und konnten erste Szenen gemeinsam üben. Dadurch konnten wir am ersten Drehtag direkt loslegen, ohne noch Grundlagen trainieren zu müssen.

Gab es schon lustige oder unerwartete Momente beim Dreh, die Sie mit uns teilen können?
„Die gibt es natürlich immer – und das ist auch wichtig so. Am Ende ist Capo ein ganz normaler Hund, der ja nicht weiß, dass wir einen Film drehen. Da kommt es schon mal vor, dass er plötzlich etwas Spannendes in der Nase hat, abschweift und einfach los schnuppert. Das gehört dazu. Aber das ist überhaupt kein Problem – dann macht man die Szene einfach nochmal. Das ist ja das Schöne beim Film: Man kann jederzeit einen neuen Take drehen.“

„Man lernt, den eigenen Hund sehr genau einzuschätzen“

Worauf achten Sie besonders, damit es Capo am Set gut geht – gerade bei vielen Reizen und Menschen?
„Ich bin ja nicht alleine am Set, wir sind immer ein Team aus mehreren Trainerinnen. Wir haben das Umfeld ständig im Blick.

Wenn wir merken, dass etwas stören könnte – zum Beispiel ein anderer Hund oder bestimmte Gerüche –, dann greifen wir ein, bevor Capo überhaupt an den Set kommt. Wir sprechen dann mit den entsprechenden Abteilungen und sorgen dafür, dass mögliche Ablenkungen reduziert werden. Das Ziel ist immer, die Situation für den Hund so ruhig und klar wie möglich zu halten.

Gab es auch schon Situationen, in denen es Capo zu viel wurde und ein Dreh abgebrochen werden musste?
„Nein, so weit lassen wir es gar nicht kommen. Als Trainer ist es unsere Aufgabe, den ‚Akku‘ des Hundes im Blick zu behalten. Das heißt: Er sollte immer im grünen Bereich bleiben. Ich plane also so, dass wir vielleicht noch eine Szene drehen können und danach eine Pause machen.

Es geht darum, die Kräfte gut einzuteilen und den Hund nicht zu überfordern. Das ist natürlich auch viel Erfahrung – man lernt, den eigenen Hund sehr genau einzuschätzen und rechtzeitig zu reagieren.“

„Man sieht in den Szenen ganz klar, ob ein Hund Freude hat“

Wie eng ist Ihre Beziehung zu Capo?
„Sehr eng – und das muss sie auch sein. Wir erleben viele Situationen zusammen und müssen uns aufeinander verlassen können. Ich achte auf den Hund genauso wie der Hund auf mich. Das schafft eine sehr enge Verbindung.“

Vertrauen spielt dabei wahrscheinlich eine ganz zentrale Rolle. Wie wichtig ist das für Ihre Arbeit mit Capo?
„Ohne Vertrauen würde das Ganze gar nicht funktionieren. Man würde dem Hund im Film auch sofort ansehen, wenn er ein Problem hat. Das ist mir auch wichtig zu betonen, gerade weil es manchmal Kritik gibt, dass man mit Hunden nicht so arbeiten sollte. Aber ein Hund ist ein Tier, das gerne eine Aufgabe hat. Und man sieht in den Szenen ganz klar, ob ein Hund Freude hat und gerne arbeitet – oder ob er ein Problem hat.

„Man sollte viel mehr auf das eigene Bauchgefühl hören“

Was können ganz normale Hundebesitzer vom Training eines Filmhundes wie Capo lernen?
„Ich glaube, viele Hundebesitzer machen sich heutzutage viel zu viele Gedanken und setzen sich selbst unter Druck. Oft denken sie, sie müssten alles ganz genau so machen, wie sie es in der Hundeschule gelernt haben. Und wenn sie davon abweichen, fühlen sie sich unsicher. Das führt aber häufig dazu, dass sie nicht mehr authentisch mit ihrem Hund umgehen – und das merkt der Hund natürlich.

Ich finde, man sollte viel mehr auf das eigene Bauchgefühl hören: Was fühlt sich für mich richtig an, was tut meinem Hund gut? Natürlich sind Hundeschulen wichtig, aber es geht nicht darum, starr ein Schema zu befolgen .In unserem Job ist es auch so: Wir haben ständig neue Situationen und müssen immer wieder individuell entscheiden, was für diesen Hund gerade passt. Das ist eine große Gefühlssache.

Deshalb versuchen wir auch in unseren Seminaren, genau das zu vermitteln – dass Menschen wieder mehr Vertrauen in sich selbst und ihren Hund haben und nicht versuchen, nur in ein vorgegebenes System zu passen.“

Am Filmset muss Trainerin Farina Klause immer wieder entscheiden, was für Capo gerade passt.
Am Filmset muss Trainerin Farina Klause immer wieder entscheiden, was für Capo gerade passt. Foto: SAT.1
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Es gibt zwei Wege, wie Hunde zu einer Filmrolle kommen

Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass Capo perfekt für die Rolle ist. Hat er denn auch mal keine Lust? Und was passiert dann?
„Eigentlich hat er immer Lust – weil Hunde natürlich Opportunisten sind und gerne für gute Belohnungen arbeiten. Im Training achten wir aber auch darauf, die Aufgaben so zu gestalten, dass sie für den Hund weder langweilig noch überfordernd sind. Außerdem arbeiten wir mit Doubles.

Das ist ganz wichtig: Wir schauen uns die unterschiedlichen Charaktere der Hunde genau an und nutzen gezielt ihre jeweiligen Stärken. Wir versuchen nicht, einen Hund in eine Aufgabe zu pressen, die gar nicht zu ihm passt. Ich glaube, genau deshalb kommt es gar nicht erst dazu, dass ein Hund ‚keine Lust‘ hat.“

Wie läuft eigentlich so eine „Bewerbung“ für eine Filmrolle als Hund ab? Gibt es das überhaupt?
„Es gibt zwei Wege. Zum einen kommen Filmproduktionen auf uns zu und sagen, sie brauchen einen bestimmten Hund für einen Dreh. Dann überlegen wir, welcher Hund vom Charakter her gut passen würde, und machen auch Vorschläge.

Zum anderen haben wir eine Filmhunde-Kartei. Privatbesitzer können sich bei uns melden, wenn sie denken, ihr Hund hätte das Potenzial. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Talenten.

Im Sommer, am 14. Juni, haben wir zum Beispiel wieder ein Casting in den Bavaria Filmstudios in München. Da können sich Interessierte bewerben, wir sichten die Einsendungen und laden passende Hunde ein. Vor Ort testen wir dann, ob der Hund das Talent mitbringt und nehmen ihn gegebenenfalls in unsere Kartei auf.“

Das müssen Filmhunde können

Und was muss ein Hund mitbringen, um dieses Talent zu haben?
„Er sollte vor allem offen sein und gerne im Mittelpunkt stehen. Ein ängstlicher Hund, der gestresst ist, wenn mehrere Menschen ihn anschauen, ist dafür nicht geeignet.

Wichtig ist, dass der Hund freundlich auf fremde Menschen zugeht, sich anfassen lässt und keine Scheu hat. Er muss noch keine 30 Kommandos beherrschen – ein gewisser Grundgehorsam reicht. Viel wichtiger ist ein offenes, entspanntes Wesen“

Gibt es noch etwas, das Ihnen besonders wichtig ist?
„Uns ist ganz wichtig zu sagen: Zuschauer sollten sich bitte nicht einfach einen Deutschen Schäferhund anschaffen, nur weil sie die Serie sehen und denken, der Hund ist dann wie ‚Kommissar Rex‘.

Das ist eine Filmfigur. Ein Schäferhund braucht sehr viel Zeit, Training und Auslastung, um auf so ein Niveau zu kommen. Das sind Hunde, die viel Bewegung und Beschäftigung brauchen – und die gehören nicht einfach in eine kleine Stadtwohnung.“

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