13. März 2026, 19:07 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Manche Hunde mischen sich sogar in die intimsten Momente ihrer Besitzer ein. Einige Vierbeiner gehen sogar so weit, Frauchen aktiv vor den Annäherungen ihres Partners zu verteidigen. Ein Problem, über das die wenigsten Hundebesitzer offen sprechen. PETBOOK erklärt, welche Gründe dahinterstecken, was Hundebesitzer dagegen unternehmen können und ob Hunde besser aus dem Zimmer geschickt werden sollten, wenn Matratzensport bei den Haltern auf dem Plan steht.
Sie versuchen, sich zwischen die Liebenden zu drängeln, bellen und maßregeln sie. Was im Welpenalter oft noch als niedlich abgetan wird – „Ach, schau mal, er ist eifersüchtig“ –, führt spätestens bei erwachsenen Hunden zu Problemen zwischen den Partnern. Spätestens dann, wenn einer von beiden aktiv verteidigt wird. Wenn der Hund beim Sex seiner Besitzer stört und eingreift, dann ist laut der Verhaltensbiologin und Hundetrainerin Marie Nitzschner klar: „Hier stimmt etwas im sozialen Gefüge nicht.“
Gründe, warum der Hund beim Sex stört
Dass der Hund beim Sex dazwischengeht oder durch Jaulen und Bellen stört, kann unterschiedliche Gründe haben. „Manche Hunde fühlen sich verantwortlich für einen der Beteiligten und wollen ihn beschützen“, so Marie Nitzschner. „Andere Hunde sehen einen der Beteiligten als ihren Besitz an oder sind einfach unsicher, was da gerade passiert.“
Ob Hunde verstehen, dass es sich um Geschlechtsverkehr handelt? Unklar. Dasselbe Verhalten zeigen einige Hunde auch schon bei Umarmungen, es könnte also sein, dass sie eine Art Übergriffigkeit annehmen. Nach Nitzschners Erfahrung zeigen übrigens Rüden das Verhalten nicht öfter als Hündinnen. Auch Hundetrainerin Katharina Marioth ist überzeugt, dass Hunde nicht verstehen, was beim Sex passiert. „Hunde nehmen lediglich Körpersprache, Geräusche und Gerüche wahr. Wenn wir glauben, dass ein Hund sich ‚schämt‘ oder genau weiß, was los ist‘, dann ist das meist unsere eigene Projektion.“
Es könne schlichtweg ein Bedürfnis nach Nähe sein, aus dem der Hund beim Sex stört. Wenn beide Besitzer im Bett liegen und offensichtlich Spaß haben, möchten manche Hunde einfach gerne dabei sein. Dann beginnen sie oft zu winseln oder zu bellen, zeigen aber noch kein Verhalten wie Zwicken oder die „Verteidigung“ des einen Partners gegen den anderen, so Nitzschner.
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Es ist wichtig, dem Hund Grenzen und Orientierung zu bieten
Doch welche Signale sendet man seinem Hund, wenn er beim Sex im Raum bleiben darf? Das lässt sich nicht so pauschal sagen, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth auf PETBOOK-Anfrage. „Das kann sehr unterschiedliche Signale senden“, weiß die Expertin.
„Manche Hunde nehmen es völlig gelassen wahr und denken einfach: ‚Alles ist normal, meine Menschen sind zusammen.‘ Andere gehen einfach aus dem Raum weg. Wieder andere interpretieren die Situation so, dass sie mit dabei sein oder sogar aufpassen müssen.“ Daher sei es in so einer Situation wichtig, dem Vierbeiner durch klare, liebevolle Grenzen eine Orientierung zu geben, so Marioth.
Was können Besitzer tun, wenn der Hund beim Sex stört?
Meist kommt das Problem nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich über einen gewissen Zeitraum. Man sollte daher schon im Welpenalter mit dem Hund trainieren, dass er nicht immer und überall dabei sein kann und auf Jaulen und Winseln nicht reagiert. Auch erste Ansätze von Knurren oder Schnappen nach dem Partner, wenn man Zärtlichkeiten austauscht, sollte man bereits bei Welpen unterbinden.
Ein erster Ansatz wäre, den Hund, sobald er unerwünschtes Verhalten gegenüber dem Partner zeigt, sofort wegzuschicken. Entweder aus dem Bett oder am besten gleich aus dem Raum. Hierbei ist Ausdauer und Konsequenz gefragt. Um dem Hund ein Verhalten abzutrainieren, das sich seit längerer Zeit eingespielt hat, braucht es mehr als ein paar Verweise.
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Daher sollten Hunde eher aus dem Raum geschickt werden
Grundsätzlich empfiehlt es sich – wenn möglich – den Hund aus dem Zimmer zu schicken, denn die Anwesenheit des Vierbeiners in intimen Momenten könne die Mensch-Hund-Beziehung durchaus nachhaltig beeinflussen, sagt Marioth. „Hunde spüren Stimmungen sehr genau. Wenn sie immer dabei sind, kann es zu Rollenunklarheiten kommen – der Hund könnte denken, er müsse Nähe regulieren oder sogar Besitzverhalten entwickeln.“
Wenn Halter aber hingegen klar signalisierten, dass es Momente gibt, in denen er draußen bleibt, stärke das die Sicherheit und die Beziehung insgesamt, so Marioth. Gerade weil Hunde nicht genau wissen, was da vor sich geht, denn die Halter intim werden, kann es für den Vierbeiner eher stressig sein, wenn er sich das mitansehen muss.
Diese drei Dinge können das Sexleben mit Hund retten
„Gerade sensible Hunde können gestresst reagieren. Sie hecheln, jaulen, laufen unruhig umher oder versuchen, einen der Partner zu schützen. Das liegt nicht an Scham, sondern daran, dass sie die Situation nicht einordnen können.“ Für solche Hunde sei es daher oft eine Erleichterung, wenn sie in dieser Zeit einen ruhigen, sicheren Platz außerhalb des Zimmers bekommen können.
Um das Liebesspiel für alle Beteiligten so stressfrei wie möglich zu gestalten, empfiehlt Marioth gleich drei Dinge. So sollten Halter schon im Alltag ihren Hund daran gewöhnen, dass er nicht in jeden Raum folgen darf. „So fällt es leichter, ihn später auch in intimen Momenten draußen zu lassen.“ Zudem können Rituale helfen, weiß die Hundetrainerin. „Zum Beispiel eine Decke vor der Schlafzimmertür, auf die sich der Hund legt, wenn die Tür geschlossen wird.“
Sollte der Hund sehr aufdringlich oder gestresst auf den Kuscheldeckenlimbo der Halter reagieren, könne ein Hundetrainer helfen, um das Verhalten gezielt zu verändern, bevor es sich verfestigt.
Mit Material der dpa