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Konzert beim Krallenschneiden

Warum Huskys solche Dramaqueens sind

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

19. März 2026, 10:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sie jaulen beim Tierarzt, singen bei Sirenen mit oder begrüßen ihre Menschen wie Opernstars – und gehen damit regelmäßig viral. Doch was steckt wirklich hinter dem „Drama“ von Husky, Malamute oder anderen nordischen Rassen? Ist es Stress, pure Show – oder einfach rassetypische Kommunikation? PETBOOK fragte bei Hundetrainerin Katharina Marioth nach.

Nordische Rassen „singen besser“

Tatsächlich ist die Bandbreite der Lautäußerungen rassespezifisch, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth. Sie verweist auf die Arbeiten der Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen, die sich intensiv mit Bellverhalten und Stimmbandbreite beschäftigt hat. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Hunde des sogenannten Urtyps – also Rassen, die genetisch näher am ursprünglichen Hundetyp sind – eine größere stimmliche Variabilität besitzen.

„Je mehr Urtyp drinsteckt, desto mehr Variabilität innerhalb der Stimme“, so Marioth. Diese Hunde verfügten über viel Tonalität, also eine breite Klangpalette, unterschieden sich jedoch weniger in der Art des Bellens. Bei anderen Rassen, etwa Terriern, sei es eher umgekehrt: weniger Tonalität, dafür mehr unterschiedliche „Bell-Laute“, die fast wie verschiedene „Bell-Worte“ wirkten.

Huskys kommunizieren stärker über die Stimme

Eine Theorie zur Erklärung dieser Unterschiede betrifft die Mimik. Bestimmte, stärker nachgezüchtete Rassen besitzen einen zusätzlichen Muskel im Augenbereich, der den typischen „Welpenblick“ ermöglicht. Viele Hunde des Urtyps haben diesen Muskel nicht. Laut Marioth geht man davon aus, dass diese Hunde mimisch weniger darstellen können – und daher stärker auf stimmliche Variabilität angewiesen sind, um zu kommunizieren.

Alles nur Theater?

Bleibt die Frage, wie das laute Jaulen beim Tierarzt einzuordnen ist. Ist das bloß Theater, weil beim Krallenschneiden „ja eigentlich nichts passiert“? So einfach sei es nicht, sagt Marioth. Zum einen beginne das Thema oft viel früher: Viele Hunde dieser Rassen stimmen schon bei Sirenen von Krankenwagen oder Feuerwehr mit ein. Das werde von Haltern häufig als niedlich empfunden und unbewusst verstärkt. Der Hund lerne: Wenn ich heule, bekomme ich Aufmerksamkeit.

Selten echte Stresssymptome

Zum anderen sei es immer eine individuelle Entscheidung des Hundes, wie unangenehm er eine Situation empfindet. Gerade bei der Krallen- und Pfotenpflege könne man viel falsch, aber auch viel richtig machen. Marioth plädiert ausdrücklich für frühzeitiges Medical Training, damit Manipulationen an Pfoten und Krallen für den Hund zu einem normalen Vorgang werden.

Was die bekannten Social-Media-Videos angeht, habe sie bislang jedoch kaum echte Stresssymptome erkannt. Oft habe der Hund gelernt: Wenn die Pfote genommen wird und ich anfange zu jaulen, bekomme ich erst einmal eine Pause – und zusätzlich Aufmerksamkeit. „Das Verhalten lohnt sich“, fasst sie zusammen.

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Sollte man Huskys das Jaulen abgewöhnen?

Auch beim überschwänglichen Jaulen zur Begrüßung stellt sich für viele Halter die Frage, ob man sich damit abfinden muss. Marioth sieht das pragmatisch: Für den Hund sei das zunächst eine ganz normale Form der Kommunikation.

Statt zu versuchen, das Verhalten grundsätzlich „abzugewöhnen“, könne man gezielt Ruhe belohnen. Wichtig sei allerdings, keine ungewollte Verhaltenskette aufzubauen – also nicht erst das Heulen zuzulassen, dann „Sei doch mal leise“ zu sagen und anschließend zu belohnen.

Nicht nur hinhören – auch hinschauen

Gleichzeitig rät sie, genau hinzusehen: Vokalisiert der Hund auch beim Alleinbleiben, sollte geprüft werden, ob es sich lediglich um eine Reaktion auf äußere Reize wie Sirenen handelt – oder ob tatsächlich Stress dahintersteckt.

Abseits solcher Problemlagen könne man jedoch auch akzeptieren, dass manche Rassen schlicht ein breiteres „Stimmenfeld“ haben. Nicht jede Lautäußerung müsse unterbunden werden – manchmal genüge es, sie in ruhigere Bahnen zu lenken.

Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth zu dem Thema sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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