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„Hobby-Dogging“

Hobby-Horsing war gestern! Jetzt kommt Training ohne Hund

Hundetraining ganz ohne Hund? Dahinter steckt tatsächlich ein sinnvolles Konzept, das sich Hundetrainerin Barbara Gerlinger ausgedacht und damit bereits erste Erfolge erzielt hat.
Hundetraining ganz ohne Hund? Dahinter steckt tatsächlich ein sinnvolles Konzept, das sich Hundetrainerin Barbara Gerlinger ausgedacht und damit bereits erste Erfolge erzielt hat. Foto: Barbara Gerlinger
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

4. November 2025, 6:28 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Was passiert, wenn man Hundeerziehung ohne Hund trainiert? Hundetrainerin Barbara Gerlinger zeigt auf ihrem Instagram-Account hobby_dogging_heilbronn, wie Menschen durch Übungen mit imaginären Hunden durch die Gegend laufen. Viele halten es für einen Scherz, doch dahinter steckt ein Konzept. Im Gespräch mit PETBOOK erklärt Barbara Gerlinger, wie Teilnehmer durch „Hobby-Dogging“ ruhiger, konzentrierter – und am Ende sogar bessere Hundehalter werden.

„Die Menschen zupfen an den Hunden herum, die Tiere sind völlig überfordert“

PETBOOK: Frau Gerlinger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, „Hobby-Dogging“ nach dem Vorbild von „Hobby-Horsing“ ins Leben zu rufen?
Barbara Gerlinger:„ Ich bin ja Ausbilderin, habe meinen Trainerschein und bilde Hunde aus. Und ich erlebe dreimal in der Woche, wie anstrengend es teilweise ist – und dass es immer anstrengender wird. Das meine ich nicht böse, aber es ist einfach dieses ‚Hoppla-hop‘.
Eines Abends saßen wir zusammen beim Essen. Ich habe mich wieder über irgendwas geärgert, und jemand sagte: ‚In Amerika gehen die Leute mit imaginären Hunden spazieren.‘ Da hab’ ich gelacht und gesagt: ‚Das mach’ ich jetzt auch, über die brauch’ ich mich wenigstens nicht ärgern.‘“

Es war also eher im Scherz gemeint?
„Genau, es ging als Satire los, ein Wort gab das andere – und plötzlich habe ich gesagt: ‚Stopp, ich finde die Idee gar nicht schlecht.‘ Da haben mich alle angesehen und geglaubt, ich hätte einen Vogel. Aber ich habe gesagt: ‚Doch!‘ Denn alle schimpfen und jeder prominente Hundetrainer sagt: ‚Das Problem liegt am anderen Ende der Leine‘. Aber was wird dafür getan? Nichts! Die Menschen zupfen an den Hunden herum, die Tiere sind völlig überfordert. Ich war ja früher genauso. Und da kam mir die Idee: Bevor die anfangen, die Tiere so verrückt zu machen, sollen sie doch erst mal selbst lernen: Wie gebe ich richtige Kommandos? Wie halte ich die Leine richtig? Wie bereite ich mich mental auf die Übung vor? Wie baue ich Bindung auf?“

„Zu Beginn lachen alle, die das zum ersten Mal ausprobieren“

Und daraus wurde dann das Hobby-Dogging?
„Genau. Ich habe gesagt: ‚Wenn ich jetzt einen imaginären Hund an der Leine habe, kann ich die Leinenführung lernen und mich mental vorbereiten.‘ Ich gebe dem Hund denselben Namen wie meinem echten, und sage: ‚Pass auf, Bello, jetzt arbeiten wir.‘ Das ist nicht nur ein mentales Training – ich kann dadurch lernen und üben, ohne dem Hund zu schaden.

Zu Beginn lachen alle, die das zum ersten Mal ausprobieren, aber wenn sie sich konzentrieren, merken sie: Es ist gar nicht so einfach. Und wenn sie später ihren echten Hund dazunehmen, ist es leichter, weil sie im Kopf schon vorbereitet sind.

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Ich mache das übrigens schon lange vor Prüfungen: Jeder Anfänger läuft zuerst ohne Hund, um Sicherheit zu bekommen. Das klappt wunderbar – die Leute stehen nach der Prüfung da, mit Tränen in den Augen, und sagen: ‚Barbara, ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe.‘“

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„Ich garantiere Ihnen: 80 Prozent der Teilnehmer stoßen die Stangen um!“

Wie lange machen Sie das Hobby-Dogging schon?
„Erst seit drei, vier Wochen. Das Konzept ist noch ganz neu. Ich hatte zuerst eine Anzeige geschaltet – da wusste ja aber noch keiner, was Hobby-Dogging überhaupt ist! Dann schlug jemand vor: ‚Stell es doch mal ins Internet.‘ Also haben wir mehrere Videos gemacht und mein Sohn hat sie bei Instagram hochgeladen.“

Wie läuft eine Hobby-Dogging-Session ab?
„Die Teilnehmer kommen auf den Platz, und erhalten eine spezielle Leine. Dafür habe ich eigene Prototypen entworfen, denn mit normalen Leinen geht das nicht. Dann stellen sie sich auf, und wir fangen an, wie mit echten Hunden. Ich leite die Teilnehmer dann an und sage: ‚Lauft durcheinander, konzentriert euch auf den Hund, haltet Abstand.‘

Dann kommen koordinative Übungen: ein Schritt vor – Halt, drei Schritte – Halt, der Hund ins ‚Sitz‘. Dann rechts herum, links herum, über Stangen oder Hütchen. Und ich garantiere Ihnen: 80 Prozent der Teilnehmer stoßen die Stangen um! Dann sage ich: ‚Jetzt hast du keine Ausrede, dein Hund war’s nicht – du kriegst selbst die Füße nicht hoch‘ (lacht). So lernen die Teilnehmer Rhythmus, Koordination und Konzentration.“

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„Ihr habt doch einen Knall“

Sind die echten Hunde später auch dabei?
„Nicht immer. Manche haben gerade keinen Hund, und für die ist Hobby-Dogging auch gedacht. Das Ziel ist es, später mit seinem echten Hund weiterzumachen.“

Wer nimmt am Hobby-Dogging teil?
„Ganz verschiedene Leute. Eine Teilnehmerin zum Beispiel – ihr Hund ist vor zwei Jahren gestorben. Sie hat jetzt wieder einen neuen, aber im Training nennt sie ihren imaginären Hund auch ‚Chantal‘, wie den früheren. Sie sagt, das gibt ihr etwas. Und das finde ich schön.“

Viele halten die Idee für ungewöhnlich. Wie reagieren Passanten oder Kritiker?
„Einige schreiben: ‚Ihr habt doch einen Knall.‘ Einerseits verstehe ich die Kritik – ich habe ja am Anfang auch gelästert und gelacht. Ein anderer schrieb mir: ‚Es ist Krieg und Sie machen so was.‘ Aber das ist keine Kritik, das ist Quatsch! Da kann ich nur lachen und sagen: Wir sind draußen, wir bewegen uns, wir sind eine Gruppe. Andere sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm und leben in einer virtuellen Welt – das ist doch auch imaginär.“

„Manchmal trauen sich Menschen danach sogar, wieder einen echten Hund aus dem Tierheim auszuführen“

Und wie reagieren Trainerkollegen?
„Sehr kritisch. Einer schrieb mir: ‚Wir versuchen seit Jahren, den Hundesport zu stärken, und jetzt das – es fehlt nur noch der Wackeldackel.‘ Aber es gibt auch viele positive Rückmeldungen. Ich habe bereits einige Anfragen erhalten und musste den Leuten sagen: Gebt mir ein paar Wochen, ich muss das alles erst organisieren. Ich arbeite ja noch selbst mit Hunden, also lasst mir ein bisschen Luft.“

Haben Sie bei den Teilnehmern schon Veränderungen bemerkt?
„Nein, dafür machen wir es noch nicht lange genug.“

Was steckt emotional oder psychologisch hinter dem Trend?
„Ich sehe oft auf Facebook, dass ältere Menschen, wenn sie einen Hund adoptieren wollen, hören: ‚Rentner brauchen sich gar nicht mehr melden.‘ Das finde ich eine bodenlose Frechheit! Viele sind mit 70 fitter als andere mit 50.

Und genau für die ist das auch gedacht. Ich sage: ‚Auch wenn du 80 bist, ist doch egal – pack deinen imaginären Hund, komm, wir machen Übungen, gehen spazieren.‘ Wir haben Spaß, wir kommen unter Leute. Und manchmal trauen sich diese Menschen danach sogar, wieder einen echten Hund aus dem Tierheim auszuführen oder zu adoptieren.

Bei Jugendlichen ist es umgekehrt: Die wollen einen Hund, wissen aber gar nicht, was das bedeutet. Ich sage: ‚Bevor ihr euch einen echten Hund kauft, macht zehn Einheiten Hobby-Dogging.‘ Dann merken sie schnell: Ein Hund ist kein Couchpotato, kein virtuelles Spielzeug – der braucht Arbeit und Bewegung. Hobby-Dogging ist also nicht nur eine kreative Sportart – sondern eine tolle Vorbereitung auf echte Verantwortung“

Wie geht es mit dem Hobby-Dogging weiter?
„Ich weiß nicht, was noch kommt. Wenn ich vor zwei Wochen gesagt hätte: ‚Wir machen jetzt Hobby-Dogging‘, hätte niemand zugehört. Jetzt hören sie plötzlich alle zu – auch, weil sie wissen wollen, welchen ‚Mist‘ ich als Nächstes erzähle (lacht). Aber ich ziehe mein Konzept durch. Ich habe Spaß, die Leute haben Spaß – und es funktioniert.“

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