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Studie zeigt

Veganes Hundefutter gleichwertig mit fleischlichem

Zwei Hunde am Tisch sitzen vor einem mit Teller mit Fleisch und einem Teller mit Gemüse
Viele zweifeln, ob veganes Hundefutter den Hund vollständig versorgt. Laut einer Studie tut es das genauso gut bzw. schlecht wie konventionelle Produkte mit Fleisch. Foto: Getty Images
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Redaktionsleiterin

15. September 2025, 15:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Immer mehr Hundehalter entscheiden sich aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen für ein veganes Hundefutter. Doch können diese Produkte mit konventionellen Futtern auf Fleischbasis mithalten? Eine Studie der University of Nottingham kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Keines der getesteten Trockenfutter für Hunde – egal ob vegan, fleischbasiert oder für nierenkranke Hunde – erfüllte alle geltenden Nährstoffrichtlinien. Besonders kritisch: Mängel bei essenziellen Aminosäuren, B-Vitaminen und Jod.

Wenn es um artgerechtes, gesundes Hundefutter geht, wird keine Kostform so kontrovers diskutiert wie eine vegane Ernährung. Viele haben den Hund noch als reinen Fleischfresser im Kopf – doch Hunde sind Allesfresser und können nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen tatsächlich auch rein pflanzlich ernährt werden – vorausgesetzt sie erhalten alle für sie lebenswichtigen Nährstoffe. Diese werden vielen Futtern ohnehin zugesetzt, doch wie schneidet hier veganes Hundefutter im Vergleich zu den konventionellen Produkten mit Fleisch ab?

Studie stellt so manche Werbeaussage infrage

Wissenschaftler der University of Nottingham führten hierzu die bislang umfassendste unabhängige Analyse von in Großbritannien erhältlichen Trockenfuttern für erwachsene Hunde durch. Alle waren als Alleinfuttermittel deklariert – darunter pflanzliche, fleischbasierte und spezielle Diätfuttermittel für nierenkranke Hunde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht.

Ziel war es, die tatsächliche Nährstoffzusammensetzung der Produkte zu überprüfen und mit den europäischen FEDIAF-Richtlinien zu vergleichen. FEDIAF ist die Abkürzung für den Europäischen Verband der Heimtierfutterindustrie (European Pet Food Industry Federation). Der Verband erstellt Richtlinien, die Standards für die Nährstoffzusammensetzung von Tierfutter festlegen und von der Industrie sowie vielen Regulierungsbehörden beachtet werden müssen. Die Studie liefert Tierhaltern und Fachleuten erstmals eine fundierte Übersicht über die Stärken und Schwächen dieser Futtermittel – und stellt so manche Werbeaussage infrage.

Neben veganem Hundefutter standen auch Diätfuttermittel im Fokus der Untersuchung

Während fleischbasierte Futtermittel traditionell als proteinreich gelten und essenzielle Aminosäuren, B-Vitamine und Mineralstoffe liefern, weisen pflanzliche Proteine oft einzelne Defizite auf, können aber in Kombination ausreichend sein – vorausgesetzt, sie werden richtig ergänzt. Bisher gab es tatsächlich nur wenige unabhängige Untersuchungen zur Nährstoffdeckung vom veganen Hundefutter. Diese Lücke wollten die Wissenschaftler der University of Nottingham mit ihrer Studie schließen.

Futternapf, Erhöhte Schüssel aus Edelstahl

rutschfest | ohne Verschütten

Dabei standen auch veterinärmedizinische Spezialfuttermittel, etwa für Hunde mit chronischen Nierenerkrankungen, im Fokus. Denn diese sind bewusst proteinreduziert, müssen aber dennoch alle lebenswichtigen Nährstoffe liefern. Die aktuelle Studie prüfte, ob die Nährstoffangaben auf den Verpackungen mit den tatsächlichen Gehalten übereinstimmen – und ob diese Futtermittel den geltenden Richtlinien für Hundeernährung entsprechen.

Insgesamt wurden 6 vegane Hundefutter untersucht

Im Rahmen der Studie analysierten die Forscher 31 kommerzielle Trockenfuttersorten für erwachsene Hunde, die im September 2022 in Großbritannien erhältlich waren. Darunter befanden sich:

  • 19 fleischbasierte
  • sechs pflanzliche (vegan oder vegetarisch) sowie
  • sechs veterinärmedizinische Nieren-Diäten.

Die Produkte wurden hinsichtlich ihrer Proteine, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralien, Vitamin-D- und B-Vitamin-Gehalte untersucht. Die Ergebnisse wurden mit den FEDIAF-Richtlinien für die Ernährung erwachsener Hunde verglichen, die auch nach dem Brexit in Großbritannien noch Anwendung finden.

Nur die Hälfte der Futtermittel erreichten alle Mindestmengen an essenziellen Aminosäuren

Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: Keines der untersuchten Futtermittel erfüllte alle Nährstoffvorgaben der FEDIAF. Vor allem bei den enthaltenen Aminosäuren, Mineralien und B-Vitaminen zeigten viele Hundefutter Mängel – sowohl veganes als auch fleischbasiertes. Besonders kritisch: Die als Alleinfuttermittel gekennzeichneten Nierendiäten wiesen häufig Defizite bei essenziellen Aminosäuren auf – ein potenzielles Risiko für kranke Hunde. 1

  • Aminosäuren: Nur 17 von 31 Futtern (55 Prozent) erreichten alle Mindestmengen an essenziellen Aminosäuren. Besonders auffällig: 4 von 6 Nierendiäten lagen unter den Richtwerten, teils in bis zu 6 von 9 getesteten Aminosäuren.
  • Fettsäuren: Alle Futtersorten deckten die Mindestanforderungen an essenzielle Fettsäuren, vor allem Linolsäure, vollständig ab. Pflanzliche Futtermittel wiesen besonders hohe Gehalte auf.
  • Mineralien: Nur 5 von 31 Produkten erfüllten alle 13 getesteten Mineralienvorgaben. Jod war der häufigste Mangelnährstoff – in 17 der 30 analysierten Futtersorten (57 Prozent) lagen die Gehalte unter dem Mindestwert, besonders bei pflanzlichen Produkten.
  • B-Vitamine: Nur 4 von 17 getesteten Futtern (24 Prozent) enthielten ausreichende Mengen aller B-Vitamine. Pflanzliche Futtermittel zeigten signifikant niedrigere Werte für B3, B9 und B12.
  • Vitamin D: Alle untersuchten Produkte lagen innerhalb der empfohlenen Bereiche (138–800 IU/1000 kcal).

Kein einziges Produkt erfüllte alle Nährstoffvorgaben

Die Kennzeichnung „als Alleinfuttermittel geeignet“ besagt, dass der Hund alle für ihn wichtigen Nährstoffe erhält, wenn er ausschließlich dieses Futter bekommt. Die Untersuchung der britischen Forscher stellt die Aussagekraft dieser Deklaration auf Trockenfutter infrage. Kein einziges Produkt erfüllte alle Nährstoffvorgaben – weder bei Aminosäuren, Mineralien noch Vitaminen.

Während veganes Hundefutter zwar eine ausreichende Proteinversorgung gewährleistete, weisen sie – analog zu menschlichen veganen Diäten – Mängel beim Gehalt von Jod und mehreren B-Vitaminen auf. Die tierärztlichen Nierendiäten wiederum zeigten häufiger unzureichende Gehalte an lebenswichtigen Aminosäuren, was besonders bei chronisch kranken Tieren problematisch sein könnte.

Die Studie belegt, dass selbst tierische Produkte nicht automatisch eine lückenlose Versorgung gewährleisten. Zudem bestätigt sich, dass pflanzliche Zutaten hochwertige Fettsäuren liefern können, wenn sie gezielt kombiniert werden. Für Tierhalter, Tierärzte und Futtermittelhersteller ergibt sich daraus dringender Handlungsbedarf in puncto Qualitätssicherung, Deklaration und Optimierung der Rezeptur.

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Ergebnisse gelten nur für Trockenfutter

Die Studie liefert erstmals eine umfassende, unabhängige Analyse von handelsüblichen Trockenfuttern in Großbritannien, basierend auf direkter Messung statt Herstellerangaben. Allerdings ist die Produktzahl statistisch gesehen eher gering. So wurden lediglich sechs Sorten veganes Hundefutter untersucht. Diese deckten damals (2022) jedoch den Großteil des damaligen Marktes ab.

Zudem wurden ausschließlich Trockenfutter und Sorten für erwachsene Tiere untersucht, nicht aber Nachfutter oder Produkte für Welpen oder trächtige Hündinnen. In diesen Lebensphasen benötigen Hunde einen erhöhten Nährstoffbedarf. Auch wurde die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe im Tierkörper nicht berücksichtigt; selbst bei ausreichendem Gehalt im Futter könnten Nährstoffwechselwirkungen oder Verarbeitungsverluste die tatsächliche Versorgung beeinflussen.

»Pflanzliche Ernährung praktische Alternative zu fleischbasierten Optionen

Dennoch offenbart die Studie erhebliche Schwankungen und Defizite bei Produkten, die als Alleinfuttermittel vermarktet werden – unabhängig vom Proteinursprung. „Unsere Studie ergab, dass pflanzliche Ernährung, wenn sie richtig formuliert ist, eine gesunde und praktikable Alternative zu fleischbasierten Optionen sein kann“, fasst Rebecca Brociek von der Fakultät für Veterinärmedizin und Naturwissenschaften die Ergebnisse in einer Pressemitteilung der University of Nottingham zusammen.

„Im Idealfall sind Langzeitfütterungsstudien der nächste Schritt, aber wenn wir beginnen, die Ernährung von Haustieren zu überdenken, ist die Alternative vielleicht nicht nur besser für den Planeten, sondern auch vorteilhaft für unsere vierbeinigen Begleiter.“

Quellen

  1. Brociek, R.A., Li, D., Broughton, R., Gardner, D.S. (2025) „Nutritional analysis of commercially available, complete plant- and meat-based dry dog foods in the UK“. PLoS One 20(9): e0328506. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0328506 ↩︎

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