25. Oktober 2025, 8:08 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Hunde lieben es, wenn beim Kochen etwas vom Tisch fällt – vor allem saftige, rote Tomaten. Aber dürfen sie die überhaupt essen? Immer wieder heißt es, Tomaten seien giftig für Hunde. PETBOOK hat bei einer Ernährungsexpertin für Hunde nachgefragt, was wirklich dran ist.
Tomaten sind Nachtschattengewächse
Sie liegen so verlockend am Tellerrand, oder fallen beim Kochen schnell herunter, und schwupp, sind sie im Hundemaul gelandet. Viele Hunde können Tomaten nicht widerstehen – doch ist das überhaupt ungefährlich? Immer wieder kursiert die Warnung, Tomaten seien giftig für Hunde. Eine Ernährungsexpertin klärt auf, was dran ist – und warum der Reifegrad über „Gut“ oder „Gefährlich“ entscheidet.
Tomaten zählen botanisch zu den Nachtschattengewächsen, genau wie Kartoffeln oder Paprika. Doch: „Nachtschattengewächse enthalten Solanin. Es dient den Pflanzen als Defensivstoff gegen Feinde wie Insekten oder auch Pilzbefall“, erklärt Anke Jobi, Ernährungsexpertin für Hunde und Buchautorin im Gespräch mit PETBOOK.
Solanin ist für Hunde gefährlich – doch die Dosis macht das Gift
Solanin gilt als schwach giftig – sowohl für Menschen als auch für Hunde. Letztere sind jedoch besonders empfindlich: Sie können Solanin nur schlecht verdauen und ebenso schwer wieder ausscheiden. Das kann dazu führen, dass sich giftige Mengen im Körper des Tieres anreichern und im schlimmsten Fall zu Vergiftungssymptomen führen.
Solanin ist für Hunde also schädlich – sie können es schlecht verdauen und ebenfalls schlecht ausscheiden. Infolgedessen sammeln sich toxische Mengen in dem Hundeorganismus an. Bei dem Hund können deswegen auch Vergiftungssymptome auftreten.
Der Reifegrad ist entscheidend
Je länger eine Tomate reift, desto weniger Solanin ist jedoch enthalten. Ob Hunde Tomaten essen dürfen, kommt also auf die Menge und den Reifegrad an. Mit dem Reifeprozess wird Solanin im Gemüse abgebaut, weswegen reife Tomaten deutlich weniger davon enthalten als unreife. Das gilt auch für Tomatensorten, die grün bleiben: Die reifen Früchte erhalten ebenfalls nur noch wenig Solanin.
Die Antwort auf die Frage „Dürfen Hunde Tomaten essen?“ lautet also: Ja, unter Umständen. Anke Jobi sagt PETBOOK dazu weiter: „Wer den Napf des Hundes mit gesunden pflanzlichen Nahrungsmitteln füllen möchte, muss sich bei Tomaten keine Sorgen machen. Die Tomate sollte aber gut reif sein.“
Damit ist es ein Mythos, dass Tomaten für Hunde per se giftig sind. Tomatenstängel, Blätter und Blüten sowie unreife Tomaten sollte der Hund dagegen nicht fressen – sie enthalten ebenfalls Solanin in der unerwünscht hohen Konzentration.
Inhaltsstoffe und Nährwerte von Tomaten
Tomaten bestehen zu etwa 95 Prozent aus Wasser, was sie besonders kalorienarm macht. Eine mittelgroße Tomate mit rund 120 Gramm hat lediglich etwa 22 Kilokalorien. Besonders wertvoll für Hunde ist dabei der hohe Vitamin-C-Gehalt. Dieses Vitamin stärkt das Immunsystem und unterstützt die Bildung von Knochen und Kollagen. 1
Vitamingehalt von Tomaten (pro 100 g reife, rohe Tomate):
- Vitamin C: ca. 13,7 mg
- Vitamin A (Retinol-Äquivalent): ca. 42 µg bzw. ca. 833 IU
- Vitamin E (α-Tocopherol): ca. 0,54 mg
- Vitamin K: ca. 7,9 µg
- Vitamin B1 (Thiamin): ca. 0,037 mg
- Vitamin B2 (Riboflavin): ca. 0,019 mg
- Vitamin B3 (Niacin): ca. 0,594 mg
- Vitamin B6: ca. 0,08 mg
- Folat (Vitamin B9): ca. 15 µg
Verarbeitete Tomaten für Hunde häufig bekömmlicher
Zusätzlich rät Anke Jobi: „Gemüse sollte grundsätzlich immer entweder geschreddert, püriert oder, falls beides nicht geht, gegart werden.“ Gekochte Tomaten sind für den Hund also bekömmlicher – eine Empfehlung lautet hier, zusätzlich die Schale zu entfernen.
Doch Anke Jobi relativiert: „Erhitzung hilft nicht wirklich gegen das giftige Solanin, denn Solanin ist hitzebeständig.“ Gleichzeitig erklärt sie: „Da Solanin wasserlöslich ist, geht es beim Kochen zumindest teilweise ins Kochwasser über.“
Hunde können übrigens auch Fertigprodukte wie Tomatensoße oder Tomatenmark zu sich nehmen, da beides aus reifen Tomaten hergestellt wird. Sofern diese aus reifen Tomaten bestehen und keine ungeeigneten Zusätze enthalten. Jobi betont: „Generell sollte man bei Fertigprodukten natürlich immer auf die Zutatenliste schauen.“
So sollten Hunde Tomaten bekommen
Wer seinem Hund Tomaten geben möchte, sollte folgende Punkte beachten:
- Nur reife Tomaten verwenden, ohne Stielansatz, Blätter oder Grün.
- Pürieren, schreddern oder garen verbessert die Verträglichkeit.
- Tomaten nur in kleinen Mengen füttern – sie sind kein Ersatz für eine Hauptmahlzeit.
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Verträglichkeit hängt vom Hund ab
Nicht jeder Hund verträgt Tomaten gleich gut. Besonders kleinere Tiere sowie Hunde mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt können auf Nachtschattengewächse sensibler reagieren. Auch Alter, Gesundheitszustand und individuelle Unverträglichkeiten spielen eine Rolle.
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Solaninvergiftung beim Hund – Symptome erkennen
Hat ein Hund große Mengen unreifer Tomaten oder Pflanzenteile gefressen, droht eine Solaninvergiftung. Diese kann sich durch verschiedene Symptome äußern:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen
- Kreislaufprobleme wie Müdigkeit
- Neurologische Auffälligkeiten wie Zittern, Muskelschwäche, Krämpfe oder Koordinationsstörungen
- In schweren Fällen: Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Bewusstlosigkeit
Tritt eines oder mehrere dieser Symptome auf, sollte der Hund unverzüglich einem Tierarzt vorgestellt werden.
Auch Allergien sind möglich
Nicht zuletzt kann es auch zu einer allergischen Reaktion auf Tomaten kommen. Anzeichen hierfür sind unter anderem Atemprobleme, Niesen, Schwellungen und Juckreiz.
Fazit: Reife Tomaten sind für gesunde Hunde in kleinen Mengen ungefährlich und liefern wertvolle Vitamine – doch unreife Früchte und Pflanzenteile sollten konsequent vermieden werden.