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Trainer misshandelte Hunde

Nach Tierquäler-Skandal! Das plant der Europa-Park jetzt mit Tiershows

Wolfgang Lauenburger Dog -Act bei der Verleihung des 24. > B.Z.-Kulturpreis < in der Komischen Oper in Berlin
Wolfgang Lauenburger ist für seine Dog-Shows bekannt (hier in der Komischen Oper in Berlin). Nachdem Videos öffentlich wurden, in denen der Hundetrainer Tiere im Training misshandelte, zieht der Europa-Park nun Konsequenzen für Tiershows. Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Herrmann
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

18. Dezember 2025, 10:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Anfang der Woche wurden Videoaufnahmen aus dem sogenannten Winterzirkus im Europa-Park über die Tierrechtsorganisation Peta öffentlich, die Gewalt gegen mehrere Hunde zeigen. Der Europa-Park trennte sich daraufhin vom Trainer – und will darüber hinaus auch Konsequenzen für Tiershows ziehen, wie ein Sprecher auf Anfrage von PETBOOK mitteilte.

Artistik, Tanz und Comedy statt Tiere in Manege

Peta hatte den Europa-Park bereits am Montag kontaktiert und um ein Gespräch gebeten. Wie Hoger gegenüber PETBOOK bestätigt, wurde der Trainer inzwischen „rausgeschmissen“. Doch das reicht der Organisation nicht: „Es geht uns darum, dass der Europa-Park Verantwortung übernimmt und auf Tiershows aller Art verzichtet.“ Dressuren seien grundsätzlich „immer in Verbindung mit Druck, Zwang und Gewalt“. Kein Tier begebe sich freiwillig in eine Manege.

Der Europa-Park gab PETBOOK eine Stellungnahme zu den Ereignissen: „Der Umgang mit den Tieren macht uns sehr betroffen und steht im klaren Widerspruch zu den Werten des Europa-Parks“, wie Florian Kornprobst von Marketing & Communications mitteilt. „Wir haben direkt nach dem Bekanntwerden, bereits vor dem Hinweis durch eine Tierschutzorganisation, entschieden, die betreffende Darbietung eines externen Zirkuskünstlers umgehend aus dem Programm zu nehmen.“ In Zukunft plane der Zirkus verstärkt auf Artistik, Tanz und Comedy zu setzen. Zudem prüfe man, zukünftig den Zirkus ohne Tierdarbietungen umzusetzen.

Shows mit Wildtieren bereits seit 2017 gestrichen

Mit dieser Entscheidung setzt der Europa-Park fort, was bereits 2017 begann. Damals hatten sich Tierschützer massiv gegen den Einsatz von Wildtieren wie Elefanten in den Shows ausgesprochen. Vor allem im Internet, auf der Facebook-Seite des Parks, hatte die Tieraktion Druck auf die Veranstalter gemacht, wie unter anderem der „Schwarzwälder Bote“ berichtete.

Daraufhin hatte die Pressesprecherin des Europa-Parks verkündet, die Elfenaten endgültig aus den Shows zu nehmen, mit der Begründung, dass die Zufriedenheit der Besucher für den Europa-Park immer oberste Priorität habe. Denn die rechtlichen Bedingungen zur Haltung waren damals erfüllt.

Whistleblower-Material zeigt Misshandlung

Nach Angaben von Peta handelt es sich bei dem aktuellen Fall um frisches Videomaterial aus dem laufenden Showbetrieb. „Das ist ganz aktuelles Material aus dem Winterzirkus, das uns zugespielt wurde“, erklärt Jana Hoger, Tierpsychologin und Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. Die Organisation erhält jährlich rund 5000 Whistleblower-Meldungen. Das nun veröffentlichte Material sei gesichtet und überprüft worden. Dabei habe man auch erkennen können, dass es sich um die gleichen Hunde handele, die regulär in der Show auftreten.

„Massiv verängstigte Hunde“

Die Aufnahmen liegen der Redaktion vor. Darauf sieht man, wie Hundetrainer Wolfgang Lauenburger mit einer Peitsche auf gleich mehrere Hunde einschlägt, die auf einer Plattform in Position sitzen sollen. Ein anderer Hund wird von Lauenburger an der Schnauze gepackt und mit einem Seil mehrfach auf die Vorderbeine geschlagen. In einer anderen Szene hört man Schmerzlaute und Jaulen. Nach Angaben des Whistleblowers soll Lauenburger die Hunde an den Ohren ziehen, wie Jana Hoger im Gespräch mit PETBOOK mitteilt.

Laut Hoger zeigen die Aufnahmen „massiv verängstigte Hunde“, die deutliche Stressreaktionen zeigen. „Sie ducken sich weg, laufen im Kreis um ihn, versuchen teilweise aus diesem Zelt rauszuflüchten“, beschreibt sie. Die Tiere zeigten ein Verhalten, wie man es „sicherlich auch bei Hunden sieht, die über einen sehr langen Zeitraum Gewalt ausgesetzt sind“. Besonders schockierend sei zudem: „Es gab ja Menschen, die auch auf den Videos zu sehen sind, die bei diesen Gewalttaten dabei waren und nichts getan haben.“

Behörden prüfen – Hunde weiterhin beim Trainer

Das Veterinäramt im Ortenaukreis hat laut Hoger bereits am Montag eine Kontrolle durchgeführt. Da die Beamten den Trainer dabei nicht auf frischer Tat ertappten, seien die Hunde zunächst nicht beschlagnahmt worden. „Bei der Kontrolle konnte natürlich keine Gewalteinwirkung festgestellt werden. Deswegen sind die Hunde noch immer dort“, sagt sie.

Aus Sicht der Tierpsychologin ein Fehler: „Ein Hund, der über so einen langen Zeitraum misshandelt wird, bekommt natürlich auch ein psychisches Trauma.“ Daher fordert Peta die umgehende Wegnahme der Tiere sowie ein Tierhalte- und Betreuungsverbot für den Trainer. Zuständig sei nun das Veterinäramt an seinem Wohnort, da es sich um einen reisenden Zirkusbetrieb handelt.

Auch interessant: Peta erstattet Strafanzeige, weil Hundeschule Tiere über Flammen springen lässt – das sagt der Betreiber 

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Bekannte Zirkusfamilie – aber keine früheren Hinweise

Der betroffene Hundetrainer stammt aus einer bekannten Zirkusfamilie und trat bereits mehrfach im Fernsehen auf. Seine Tochter gewann mit den Hunden 2017 sogar das Finale der RTL-Sendung „Das Supertalent“, wie damals unter anderem der „Stern“ berichtete. „Es wurde noch nie dokumentiert, was wir hier auf den Bildern sehen. Sowas passiert ja immer im Verborgenen“, sagt Hoger. Umso wichtiger seien mutige Personen, die Missstände melden.

Stressanzeichen für Laien oft nicht erkennbar

Auch wenn Hunde in einer Manege fröhlich wirken, sagt das laut Hoger wenig über ihr Wohlbefinden aus: „Nur weil ich einen Hund sehe, der in der Manege einen lustigen Auftritt macht, heißt das nicht, dass er sonst ein glückliches Leben führt.“ Hinter den Kulissen könne viel passieren – unbeobachtet.

Besucherinnen und Besucher ruft sie deshalb auf, Tiershows grundsätzlich zu boykottieren. Das wird bei den kommenden Shows im Europa-Park demnächst wahrscheinlich nicht mehr nötig sein, wenn zukünftig weder Hunde noch Pferde durch die Manege laufen werden.

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