27. Mai 2026, 15:50 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Dieses Verhalten kennt wohl jeder Hundehalter: Kaum geht es zur Pipirunde nach draußen, sucht sich der Vierbeiner erst einen passenden Toilettenplatz, dreht sich dann mehrfach um die eigene Achse und hockt sich erst anschließend zum Koten hin – ein Ritual, das manche liebevoll als „Kackitanz“ bezeichnen. Viele Hundebesitzer haben dieses kuriose Phänomen schon beobachtet und sich gefragt, warum Hunde vor dem Koten im Kreis laufen. Tatsächlich hat sich auch die Wissenschaft mit diesem Verhalten beschäftigt und eine überzeugende Erklärung dafür gefunden. PETBOOK erklärt, was hinter dem Drehritual steckt.
Warum drehen sich Hunde um, bevor sie ihr Häufchen machen?
Prof. Dr. Sabine Begall, Zoologin an der Universität Duisburg-Essen, hat erforscht, warum sich viele Hunde im Kreis drehen, bevor sie Kot oder Urin absetzen. Dafür hat sie gemeinsam mit ihrem Team 7000 Hundebeobachtungen ausgewertet – und eine überraschende Entdeckung gemacht: Offenbar richten sich die Tiere am Magnetfeld der Erde aus, wenn sie ihr Geschäft verrichten. Wie die Forschung der Biologin ergab, nehmen acht von zehn Hunden beim Koten oder Urinieren mit ihrem Körper eine Nord-Süd-Richtung ein. Aber warum bloß?
Beim Häufchenmachen und Pinkeln entleeren Hunde nicht nur ihren Darm bzw. ihre Blase. Sie setzen durch ihre Ausscheidungen auch eine duftende Markierung, die sie womöglich auch selbst nutzen, um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Und dabei spielt wohl das Magnetfeld der Erde eine wichtige Rolle.
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Darum drehen sich Hunde vor dem Koten im Kreis
Genau wie Zugvögel scheinen Hunde eine Art von „innerem Magnetkompass“ zu besitzen, der ihnen die Orientierung im Raum erleichtert. Denn nur wenn das Magnetfeld gerade stabil war, nahmen die beobachteten Hunde die auffällige Nord-Süd-Ausrichtung ein. War das Magnetfeld gestört, etwa durch Sonnenstürme, erfolgte das Absetzen von Kot und Urin kreuz und quer.
Dies konnte Sabine Begall nachweisen, indem sie die Hundebeobachtungen mit den Schwankungen des Erdmagnetfeldes im Zeitraum der Datenerhebung verglich. Diese minimalen Änderungen der Intensität und der Richtung der Feldlinien werden vom Erdmagnetischen Observatorium Fürstenfeldbruck (auch bekannt als Munich Earth Observatory) erfasst und veröffentlicht. So konnte die Zoologin schlussendlich das Rätsel lösen, warum Hunde häufig ein kleines Tänzchen aufführen, bevor sie ihr Geschäft machen. 1
Hunde drehen sich auch vor dem Hinlegen
Für ihre Forschungsarbeit erhielt die deutsche Wissenschaftlerin übrigens den sogenannten Ig-Nobelpreis der US-Universität Harvard. Die renommierte Hochschule ehrt mit dieser Auszeichnung nach Aussage des zuständigen Komitees Arbeiten, die „erst zum Lachen, dann zum Nachdenken“ anregen. Der Preis stellt einen humoristischen Gegenentwurf zum berühmten Nobelpreis dar. Sein Name leitet sich vom englischen Wort „ignoble“, auf Deutsch „unwürdig“, ab.
Gut zu wissen: Viele Hunde drehen sich nicht nur, kurz bevor sie Koten oder Urinieren. Manche Vierbeiner zeigen dieses Verhalten auch, wenn sie sich hinlegen möchten. Ist dafür ebenfalls das Magnetfeld verantwortlich? Wohl eher nicht. Wahrscheinlicher ist, dass das Drehen vor dem Schlafenlegen ein Überbleibsel aus der Vergangenheit ist. Denn die wilden Vorfahren unserer heutigen Haushunde mussten erst das hohe Gras platttreten, wenn sie sich zusammenrollen wollten. Außerdem markierten sie dadurch ihren Schlafplatz mit den Drüsen an ihren Pfoten, um potenziellen Konkurrenten zu signalisieren: Hier schlafe ich!