25. Juni 2026, 12:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hunde verändern im Alter ihren Gang. Meist gilt das als normale Begleiterscheinung des Älterwerdens. Doch Forschende haben nun ein bislang wenig beachtetes Merkmal entdeckt, das mit einer beginnenden Demenz beziehungsweise einem altersbedingten kognitiven Abbau zusammenhängen könnte. Warum der Gang eines Hundes dabei eine wichtige Rolle spielt.
Was passiert im Gehirn alternder Hunde?
Ältere Hunde laufen oft etwas langsamer oder wirken beim Gehen unsicherer. Viele Halter halten das für eine normale Begleiterscheinung des Alterns. Eine neue Studie deutet jedoch darauf hin, dass hinter einem veränderten Gang mehr stecken könnte: Eine kürzere Schrittlänge der Vorderbeine könnte mit einem altersbedingten kognitiven Abbau zusammenhängen.1
Ähnlich wie Menschen können auch Hunde im Alter geistig abbauen. Dieses sogenannte Canine Cognitive Dysfunction Syndrome (CCDS) gilt als das tierische Pendant zur Alzheimer-Erkrankung. Betroffene Tiere wirken häufig orientierungslos, vergessen Gewohntes, schlafen unruhiger oder verändern ihr Sozialverhalten.
Dass sich altersbedingte Veränderungen auch im Gang zeigen können, hatten Forscher bereits 2023 beobachtet. Damals zeigte eine Studie derselben Arbeitsgruppe, dass ältere Hunde mit kognitiven Einschränkungen häufig langsamer laufen als geistig fitte Artgenossen. Die aktuelle Untersuchung knüpft daran an und geht einen Schritt weiter: Statt der Gehgeschwindigkeit stand diesmal die Schrittlänge im Mittelpunkt. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob sie ebenfalls Rückschlüsse auf die Gehirngesundheit älterer Hunde zulässt.2
Ein Blick auf den Gang älterer Hunde
Für die Studie begleiteten die Wissenschaftler 88 ältere Familienhunde im Rahmen einer Langzeituntersuchung der North Carolina State University. Alle Tiere hatten bereits mindestens 75 Prozent ihrer statistisch erwarteten Lebensspanne erreicht und wurden etwa alle sechs Monate umfassend untersucht.
Um die Schrittlänge zu messen, liefen die Hunde an lockerer Leine in ihrem normalen Tempo über eine fünf Meter lange Teststrecke. Videoaufnahmen wurden anschließend ausgewertet, um die Schrittlänge zu berechnen. Damit kleine und große Hunde besser vergleichbar waren, wurde sie an die Widerristhöhe, also die Schulterhöhe des Hundes, angepasst.
Wie fit die Hunde geistig waren, erfassten die Forscher mithilfe der Canine Dementia Scale (CADES) – eines wissenschaftlich geprüften Fragebogens, den die Halter ausfüllten. Zusätzlich wurden Schmerzen erfasst, damit die Wissenschaftler berücksichtigen konnten, ob Veränderungen im Gang eher auf Schmerzen oder auf einen altersbedingten kognitiven Abbau zurückzuführen waren.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse
An der Studie nahmen 88 ältere Hunde mit einem Durchschnittsalter von gut 13 Jahren teil. Das wichtigste Ergebnis: Mit zunehmendem Alter wurden die Schritte der Vorderbeine kürzer, während sich dieser Zusammenhang bei den Hinterbeinen nicht zeigte.
Außerdem hatten Hunde mit stärkeren Anzeichen eines kognitiven Abbaus im Durchschnitt eine kürzere Schrittlänge der Vorderbeine. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem Alter und Schmerzen berücksichtigt wurden. Die verkürzte Schrittlänge lässt sich also nicht allein durch das Älterwerden oder schmerzhafte Gelenke erklären.
Zudem erwies sich die Schrittlänge als aussagekräftiger für den kognitiven Zustand der Hunde als die reine Gehgeschwindigkeit.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Schrittlänge der Vorderbeine ein zusätzlicher Hinweis auf einen altersbedingten kognitiven Abbau bei Hunden sein könnte. Besonders interessant: Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem Alter und Schmerzen berücksichtigt wurden. Die kürzeren Schritte lassen sich also nicht allein durch das Älterwerden oder Gelenkbeschwerden erklären.
Nach Einschätzung der Autoren könnte die Messung der Schrittlänge Tierärzten künftig helfen, altersbedingte Veränderungen besser zu beobachten. Allerdings war der beobachtete Effekt insgesamt eher klein. Deshalb eignet sich die Schrittlänge nicht als Diagnosemethode, sondern eher als ergänzender Baustein, um die Entwicklung eines Hundes über einen längeren Zeitraum zu verfolgen.
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Wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Hunde wurden über einen längeren Zeitraum mehrfach untersucht und die Schrittlänge mit einer standardisierten Methode gemessen. Dadurch sind die Ergebnisse gut nachvollziehbar.
Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Die geistige Leistungsfähigkeit und mögliche Schmerzen wurden anhand von Fragebögen der Halter beurteilt und nicht durch eine klinische Diagnose bestätigt. Außerdem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann daher zwar einen Zusammenhang zwischen kürzerer Schrittlänge und kognitivem Abbau zeigen, aber nicht beweisen, dass das eine das andere verursacht
Was der Gang eines Hundes über Demenz zeigt
Die Studie zeigt: Der Gang eines Hundes könnte mehr über seine Gesundheit verraten als bisher gedacht. Ältere Hunde mit stärkeren Anzeichen einer Demenz beziehungsweise eines altersbedingten kognitiven Abbaus machten im Durchschnitt kürzere Schritte mit den Vorderbeinen.
Die Forscher sehen darin einen möglichen zusätzlichen Hinweis auf Demenz beim Hund. Für eine Diagnose reicht die Schrittlänge allein allerdings nicht aus. Ob sich die Methode künftig im tierärztlichen Alltag bewährt, müssen weitere Studien zeigen.