26. November 2025, 14:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Was harmlos begann, endete mit einer saftigen Rechnung: Eine Zugfahrt mit einem kleinen Dackel in der Tasche wurde für Comedienne Christiane Olivier dank eines Mitarbeiters der Deutschen Bahn zum teuren Ärgernis. Das Vorgehen des Unternehmens sorgt bei ihrem Kollegen Bastian Bielendorfer für öffentlich geäußerten Unmut – inklusive Spendenangebot und harscher Kritik.
Dackel-Mix Greta wird zur teuren Mitfahrerin
Während einer Bahnfahrt von Berlin nach Köln musste Comedienne Christiane Olivier für ihren sechs Monate alten Dackel-Mischling Greta 295,60 EUR nachzahlen. Die Summe setzt sich laut Deutscher Bahn aus dem Fahrpreis für den Dackel und einem Bußgeld wegen fehlendem Ticket zusammen. Olivier hatte den kleinen Hund in einer Umhängetasche bei sich getragen.
Nicht nur Olivier – auch Comedian und Autor Bastian Bielendorfer schilderte den Vorfall in einem Instagram-Video. Denn beide waren gemeinsam auf dem Rückweg von einem Auftritt bei „Nuhr im Ersten“, wie Bielendorfer ausführt. Er äußerte Unverständnis über das Vorgehen der Bahn: „Der Kollege hat ohne jegliche Diskussion ein Ticket für 300 EUR für den Hund ausgestellt. Ganz ehrlich: Finde ich überschaubar klug, Leute so zu behandeln.“
„Nicht menschlich und empathisch“
Auch in einem zweiten Video zu dem Vorfall kritisierte Bielendorfer das Verhalten der Bahn scharf: „Vielleicht ist es an der AGB orientiert richtig, aber es ist nicht menschlich und nicht empathisch und vor allem nicht für jemanden, der so viel Kulanz von seinen Kunden einfordert, wenn es um Verspätungen, Gleisstörungen, Zugänderungen und sonstigen erwartet.“
Anschließend schilderte der Comedian weiter, dass er die Bahn kontaktiert habe und vorschlug, dass er 300 EUR an den Tierschutz spende. Dafür solle die Bahn der kleinen Greta die 300-Euro-Rechnung erlassen. Eine Reaktion der Bahn sei bislang ausgeblieben. Allerdings habe Christiane Olivier die Bitte erhalten, eine Beschreibung des Sachverhaltes an die Facebook-Adresse der Deutschen Bahn zu schicken. Das zeigt ein Screenshot der Nachricht im Video .
„Nicht die richtige Tragetasche“
Christiane Olivier erklärt in ihrem Video, sie habe den Betrag zahlen sollen, „weil ich eine Tragetasche hatte, die nicht die richtige Tragetasche ist, was ich wirklich nicht wusste“. Auf der Web-Seite der Bahn heißt es, dass kleine Hunde und andere kleine Haustiere (bis zur Größe einer Hauskatze) keine Fahrkarte benötigen, wenn die Tiere in einem geeigneten Transportbehältnis mitgenommen werden. Dieses Behältnis wird dort nicht weiter definiert und lässt somit Spielraum für Interpretationen.
Auf Anfrage von PETBOOK teilt ein Bahnsprecher mit, dass „kleine Vierbeiner kostenlos mitgenommen werden, wenn sie nicht viel größer als eine Hauskatze sind und – wichtig – in einem geschlossenen Behältnis oder einer geschlossenen Tragetasche für den Tiertransport reisen. Das war bei der kleinen Greta scheinbar nicht der Fall.“
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War die Transporttasche wirklich das Problem?
Doch das Behältnis an sich war wohl nicht das einzige Problem. Denn laut Olivier sei ihr mehrfach mitgeteilt worden, dass Greta als großer Hund gelte. Die Comedienne zweifelt jedoch daran.
Tatsächlich handelt es sich bei Greta um keinen reinen Dackel, sondern einen Mischling aus Dackel und Labrador. Laut Oliviers Angaben wiegt der sechs Monate alte Junghund zurzeit gerade mal fünf Kilogramm. Zum Vergleich: Eine Hauskatze wiegt im Schnitt vier bis sechs Kilogramm. Doch wahrscheinlich war es eher die Größe, die dem Hund zum Verhängnis wurde – doch das ist in den Beförderungsbedingungen nirgendwo definiert.
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Warum überhaupt knapp 300 EUR?
PETBOOK fragte nach, wie sich der Betrag für Gretas Fahrkarte zusammensetzt. Olivier wurden 295,60 EUR für die Fahrt von Berlin nach Köln für Kreta berechnet. Dazu antwortet der Bahnsprecher: „Für Vierbeiner gelten dieselben Regeln wie für Zweibeiner: Reist man ohne gültiges Ticket im Fernverkehr, ist eine Fahrpreisnacherhebung zu entrichten. Diese beläuft sich auf den doppelten Flexpreis (unter Berücksichtigung der jeweiligen Klasse).“ Nach PETBOOK-Recherche kostet ein Ticket von Berlin nach Köln in der ersten Klasse im Flexpreis und ohne Umsteigen im ICE zwischen 143,99 EUR und 267,80 EUR. Der Preis wäre nach diesen Angaben also korrekt.
Eine BahnCard wird dabei übrigens nicht berücksichtigt. Und ebenfalls wichtig: Auch mit Ticket darf der Hund nicht auf dem Schoß sitzen oder gar auf dem Sitz. Er muss auf dem Boden sitzen, angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Doch Vielfahrer wissen: Nicht immer werden die Regelungen so streng durchgesetzt.
Alles, was Sie sonst über Bahnfahrten mit Hund wissen müssen, haben die Kollegen vom TRAVELBOOK für Sie zusammengestellt.
300 EUR sollen an den Tierschutz gehen
Ob sich das Unternehmen noch zu einer Kulanzlösung durchringen wird, bleibt abzuwarten. Der Bahnsprecher teilte mit: „Wir freuen uns, wenn Gretas Besitzerin Kontakt mit uns aufnimmt und wir den Fall direkt mit ihr klären können.“
Die 300 EUR will Bielendorfer aber in jedem Fall dem Tierschutz zukommen lassen – unabhängig von der Entscheidung der Bahn.
Wir mussten noch nie Strafe zahlen
„Mit meiner Hündin fahre ich seit fünf Jahren regelmäßig mit der Deutschen Bahn. Anfangs war mir nicht bewusst, dass kleine Hunde in einer Transportbox reisen müssen. Yumi war als Welpe immer in einer Tragetasche, wie sie auch Christiane Olivier hatte. Manchmal lag sie darin sogar neben mir auf dem Nachbarsitz – und nie wurden wir deswegen verwarnt oder angesprochen. Es gab immer nur nette Kommentare von den Schaffnern im ICE.
Im Regionalexpress hängt es meiner Erfahrung nach übrigens sehr davon ab, in welchem Bundesland man unterwegs ist. Denn während wir in Berlin und Umgebung nie mit Transporttasche fahren, wurden wir auf dem Weg in den Harz mehrmals ermahnt: Der Hund brauche ein Kinderticket, wenn wir die Tasche nicht verschließen können. Nachdem wir dieses erstanden hatten, wurden wir auch auf die Maulkorbpflicht hingewiesen, aber da drückte der Schaffner beim Zwergspitz dann doch noch mal ein Auge zu. Strafe zahlen mussten wir aber noch nie!