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Lebenserwartung von Reptilien

Wie alt werden eigentlich Schildkröten?

Eine Grüne Meeresschildkröte schwimmt durch den Ozean
Schildkröten können um einiges älter werden als Menschen Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

5. September 2025, 16:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

„Wie alt werden Schildkröten?“ ist eine Frage, die sich viele sicherlich nicht erst seit dem Disney-Kultfilm „Findet Nemo“ stellen. Die Grüne Meeresschildkröte Crush ist im Film volle 150 Jahre alt und spricht mit Clownfisch Marlin auch über seinen noch älteren Vater „Mr. Schildkröte“. Doch wie alt werden die Tiere nun tatsächlich – und gibt es Unterschiede zwischen Meeres-, Land- und Wasserschildkröten?

Meeresschildkröten – alte Seefahrer mit unbekannten Rekorden

Die 150 Jahre alte Meeresschildkröte Crush surft im Film entspannt durchs Leben. Auch wenn diese Zahl eher für Hollywood als für die Wissenschaft gedacht ist: Ganz so unrealistisch ist sie nicht. Schildkröten gehören tatsächlich zu den langlebigsten Tieren überhaupt. Doch je nachdem, ob es sich um eine Land-, Wasser- oder Meeresschildkröte handelt, unterscheidet sich ihre Lebenserwartung teils erheblich.

Die sieben bekannten Meeresschildkröten können erstaunlich alt werden. Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass sie 80 bis 100 Jahre erreichen. Ganz genau weiß man es jedoch nicht, denn ihr Leben im Ozean macht es schwer, einzelne Individuen über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen. Zudem reicht die Schildkrötenforschung noch nicht so weit zurück, um sichere Aussagen treffen zu können. Sicher ist nur: Meeresschildkröten lassen sich Zeit. Manche Arten brauchen mehrere Jahrzehnte, bis sie zum ersten Mal Eier legen. Diese späte Fortpflanzung deutet darauf hin, dass ihre Lebensspanne entsprechend lang angelegt ist.

Ob Crush aus Findet Nemo also tatsächlich 150 Jahre alt sein kann, bleibt unklar – aber unrealistisch wäre es nicht. Meeresschildkröten sind perfekte Beispiele dafür, wie die Evolution Tiere darauf trimmen kann, ein langes Leben zu führen, wenn sie den Gefahren des Meeres entkommen.

Auch interessant: Meeresschildkrötenforscher: »Anpassungsfähigkeit jedes Lebewesens erreicht Grenzen

Landschildkröten – die Methusalems unter den Reptilien

Wer an uralte Schildkröten denkt, hat aber meist die mächtigen Riesenschildkröten der Seychellen oder Galápagos-Inseln im Kopf. Sie können weit über 100 Jahre alt werden. Der berühmteste Vertreter ist „Jonathan“, eine Seychellen-Riesenschildkröte, die heute über 190 Jahre alt ist. 2022 hat PETBOOK-Redakteur Isa Kabakci ein Interview mit seinem verantwortlichen Tierarzt geführt: „Riesenschildkröte Jonathan ist das älteste Landlebewesen der Welt“.

Aber auch die kleineren Arten wie die Griechische, Maurische oder Europäische Landschildkröte bringen es auf stolze 50 bis 80 Jahre. Bei optimaler Haltung sind sogar noch höhere Altersrekorde möglich. Dessen war man sich allerdings lange nicht bewusst, als die Landschildkröte vor einigen Jahren einen Boom in der Heimtierbranche feierte. Dass man mit der Haltung dieser Reptilien jedoch im besten Fall eine lebenslange Verpflichtung eingeht und vielleicht sogar für eine Betreuung für das Tier nach dem eigenen Ableben sorgen muss, war vielen damals nicht klar.

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Wasserschildkröten – die vergleichsweise Kurzlebigen

Ganz anders sieht es bei den kleineren Wasserschildkröten aus, die häufig in Teichen oder Aquarien gehalten werden. Arten wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte erreichen meist ein Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Mit artgerechter Pflege können sie auch 50 Jahre alt werden, in freier Wildbahn schaffen das aber nur die wenigsten.

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Ein großes Problem ist aber auch hier wieder die Haltung: Falsche Ernährung, zu kleine Becken oder fehlendes UV-Licht verkürzen die Lebenserwartung erheblich. Trotzdem sind auch 30 Jahre für eine vergleichsweise kleine Reptilienart ein beachtliches Alter.

Warum werden Schildkröten so alt?

Schildkröten gehören zu den langlebigsten Tieren der Erde – doch die Gründe unterscheiden sich je nach Lebensweise und Art.

Landschildkröten profitieren von ihrem extrem langsamen Stoffwechsel und einem eher gemächlichen Lebensrhythmus. Sie bewegen sich wenig, brauchen kaum Energie und wachsen langsam. Ihr Panzer schützt sie effektiv vor vielen Fressfeinden. Weil sie erst sehr spät geschlechtsreif werden, ist ihre gesamte Biologie darauf ausgelegt, ein hohes Alter zu erreichen und viele Fortpflanzungszyklen über Jahrzehnte hinweg zu erleben. All das zusammen macht sie zu wahren Überlebenskünstlern, die im Reptilienreich unangefochten als Alters-Champions gelten.

Meeresschildkröten wirken im Gegensatz dazu viel agiler: Sie schwimmen schnell, legen Tausende Kilometer zurück und wachsen – wie alle Reptilien – ein Leben lang. Ihr hoher Energiebedarf widerspricht auf den ersten Blick einer langen Lebensspanne. Doch ihre Evolution hat eine andere Balance gefunden: Sie erreichen die Geschlechtsreife erst nach mehreren Jahrzehnten. Um überhaupt genug Zeit für die Fortpflanzung zu haben, ist ihre Lebensspanne entsprechend ausgelegt.

Wasserschildkröten stehen irgendwo dazwischen. Sie wachsen ebenfalls ihr Leben lang, bleiben aber kleiner und haben im Vergleich zu ihren Verwandten deutlich mehr natürliche Feinde. Ihr Lebensraum – Teiche, Flüsse, kleine Seen – ist oft unsicherer, und auch die Belastung durch Umweltgifte oder falsche Haltung spielt eine große Rolle. Daher erreichen sie meist „nur“ 20 bis 40 Jahre, was im Vergleich zu anderen kleinen Reptilien aber immer noch bemerkenswert ist.

Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie mehr Zeit haben als die meisten anderen Tiere – und sie scheinbar in aller Ruhe genießen. Ob auf der Wiese, im Teich oder auf den Weltmeeren: Schildkröten erinnern uns daran, dass manchmal das Langsame, Bedächtige und Beständige den längsten Atem hat.

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