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Kältestarre

Darum müssen Schildkröten im Winter in den Kühlschrank

Eine Schildkröte schaut durch ein Loch in einem Karton, in dem sie im Kühlschrank überwintert
Bestimmte Arten von Schildkröten überwintern im Kühlschrank – um die Tiere darauf einzustellen, bedarf es einiger Vorbereitung Foto: picture alliance / dpa | Dominique Leppin
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Porträt-aufnahme von PETBOOK-Redakteurin Natalie Dekcer mit Katze auf Arm
Freie Autorin

8. Dezember 2025, 6:24 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Die kalte Jahreszeit ist nicht nur für Wildtiere eine Herausforderung – auch viele Schildkrötenarten brauchen eine Winterpause, um gesund zu bleiben. Was viele überrascht: Die artgerechte Überwinterung gelingt am zuverlässigsten im Kühlschrank. Doch welche Arten dürfen dort überhaupt in Winterstarre gehen? Und wie bereitet man die Tiere richtig darauf vor? PETBOOK erklärt, was Halter beachten müssen, wenn ihre Schildkröte im Kühlschrank überwintern soll.

Diese Schildkröten müssen im Kühlschrank überwintern

Während manche exotischen Schildkrötenarten aus tropischen Regionen keine Winterstarre kennen und deshalb auch keine benötigen, sieht das bei europäischen Landschildkröten und bestimmten nordamerikanischen Schmuckschildkröten anders aus. Für sie ist die Kältestarre ein fester Bestandteil ihres natürlichen Lebenszyklus – sie hilft, das Immunsystem zu stärken und den Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Kranke oder stark untergewichtige Tiere sollten allerdings keine Winterstarre antreten – oder nur nach tierärztlicher Rücksprache mit einem auf Reptilien spezialisierten Veterinär.

Wann der richtige Zeitpunkt für die Kühlschranküberwinterung gekommen ist

Im Freiland beginnt bei gesunden Schildkröten die Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit von selbst – sinkende Temperaturen im Herbst sorgen dafür, dass die Tiere weniger fressen und schließlich die Nahrungsaufnahme einstellen. Bei Terrarienhaltung ist hingegen Unterstützung notwendig: Innerhalb von drei Wochen sollten Schildkrötenhalter Temperatur und Beleuchtung schrittweise reduzieren, um den natürlichen Übergang in die Winterruhe zu simulieren. Wichtig ist diese gezielte Vorbereitung, damit die Tiere nicht durch fehlerhafte Haltungsbedingungen gesundheitlich Schaden nehmen.

Bereits etwa zwei Wochen vor der geplanten Starre sollten Schildkrötenhalter die Fütterung vollständig einstellen. Nur so kann sich der Darm vollständig entleeren – eine entscheidende Voraussetzung für eine gesunde Überwinterung.1

Vor der Winterstarre ist eine Entwurmung Pflicht

Bevor Schildkröten in den Kühlschrank dürfen, müssen sie parasitenfrei sein – und ihr Darm vollständig entleert und schlimmstenfalls eine Sepsis droht. Ein warmes Bad kann den Kotabsatz unterstützen, zusätzlich sollte eine Kotuntersuchung beim Tierarzt erfolgen. Stellt man dabei ein Befall mit Parasiten fest, muss man diesen vor Beginn der Winterruhe behandeln.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Schildkröten sich wie Igel einen Winterspeck anfressen müssten. Aber Schildkröten benötigen keine zusätzlichen Fettreserven für die Kältestarre.

Auch wichtig: Vor der Überwinterung sollten Halter das aktuelle Körpergewicht ihres Tieres notieren, um mögliche Verluste während der Starre genau überwachen zu können.

Der richtige Kühlschrank: Separat, konstant und gut belüftet

Ein separater Kühlschrank ohne Gefrierfach – etwa ein Mini-Kühlschrank – ist ideal für die Winterstarre. Denn in einem separaten Kühlschrank lässt sich die Temperatur exakt auf vier bis sechs Grad einstellen. Weil dort keine Lebensmittel gelagert werden, bleibt die Temperatur konstant – ein entscheidender Vorteil.

Wichtig: Die Kühlschranktür sollte trotzdem ein- bis dreimal pro Woche geöffnet werden, damit frischer Sauerstoff hineingelangt. Wer keinen geeigneten Kühlschrank hat, kann die Tiere alternativ in einem kühlen Keller, auf dem Balkon oder in der Garage überwintern – dort sind jedoch die Umweltbedingungen schwerer kontrollierbar.

Die Luftfeuchtigkeit im Kühlschrank sollte zwischen 60 und 70 Prozent liegen. Ein leicht feuchtes Substrat sowie eine kleine, offene Wasserschale können helfen, ein Austrocknen der Tiere zu verhindern. Gleichzeitig beugt regelmäßige Belüftung der Schimmelbildung vor.

Zur Temperaturüberwachung empfiehlt sich ein digitales Thermometer mit externer Anzeige oder ein Datenlogger. So lässt sich sicherstellen, dass die Umgebung dauerhaft im optimalen Bereich bleibt.

Vor Beginn der Winterstarre sollte man den Kühlschrank zudem gründlich reinigen und desinfizieren, um Keime und Schimmelsporen zu vermeiden. 2

So wird die Schildkröte untergebracht

Als Überwinterungskiste eignet sich eine geräumige Kunststoffbox mit Luftlöchern, gefüllt mit Erde und locker bedeckt mit Laub. Die Schildkröte muss sich darin vollständig eingraben können. Auch wenn sie sich dabei gelegentlich noch bewegt, gilt: Den Tieren tut ihre Winterstarre im Kühlschrank jedoch gut.

Wichtig ist, dass sich mehrere Tiere nicht berühren, wenn sie gemeinsam überwintern. Erfolgt die Überwinterung nicht im Kühlschrank, sondern in Haus oder Garten, muss die Kiste gut gegen Marder, Ratten und andere Tiere gesichert werden – am besten mit Drahtgitter.

Wie lange müssen Schildkröten im Kühlschrank bleiben?

Die Winterstarre europäischer Landschildkröten dauert meist zwischen zwei und sechs Monaten, bei anderen Arten häufig zwischen drei und fünf Monaten. Während dieser Zeit ist regelmäßige Kontrolle Pflicht. Vor allem Schimmelbildung kann im Kühlschrank problematisch werden.

Die Schildkröten dürfen auch nicht mehr als zehn Prozent ihres Gewichts verlieren. Daher sollten Halter ihre Tiere alle zwei Wochen wiegen und das Gewicht dokumentieren – stets mit Bezug auf das Anfangsgewicht vor Beginn der Starre.

Auch interessant: Wie kam die Schildkröte eigentlich zu ihrem Panzer?

Zustand überprüfen – und im Notfall handeln

Auffälligkeiten wie tränende Augen, ein weicher Panzer oder rötliche Hautverfärbungen sind Warnsignale und erfordern umgehend eine Untersuchung durch einen reptilienkundigen Tierarzt.

Auch Unruhe während der Starre kann ein Alarmsignal sein: „Sind die Tiere während der Winterstarre unruhig oder ungewöhnlich agil, ist dies ebenfalls ein Warnzeichen, das mit einem Tierarzt besprochen werden sollte.“

Sollte es notwendig sein, die Starre vorzeitig abzubrechen – etwa wegen eines Krankheitsverdachts oder technischer Probleme mit dem Kühlschrank – muss die Temperatur langsam erhöht und das Tier kontrolliert aufgewärmt werden. In solchen Fällen ist eine tierärztliche Abklärung ratsam.

Wichtig bei jeder Kontrolle – auch beim Tierarztbesuch: Die Tiere dürfen dabei nicht zu stark erwärmt werden, sonst könnten sie die Winterstarre vorzeitig beenden.3

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So beenden Schildkröten ihre Winterruhe

Etwa ab Mitte bis Ende März kann die Kühlschranktemperatur schrittweise angehoben werden. In vielen Fällen zeigt die Schildkröte auch von selbst erste Aktivitätsanzeichen in der Box – ein klares Zeichen, dass die Winterstarre endet. Doch auch wenn sie nicht von allein aufwacht, kann der Halter vorsichtig nachhelfen.4

„Dazu wird die Box in einen kühlen Raum gestellt, damit sich die Schildkröte langsam an den Temperaturanstieg gewöhnen kann.“ Eine gute Alternative: Frühbeete, also kleine Aufwachhäuschen mit Wärmelampen aus dem Fachhandel oder umfunktionierte Gewächshäuser.

Ist der Zeitpunkt gekommen, wird sich die Schildkröte innerhalb mehrerer Tage selbst aus der Box graben. Ein lauwarmes Bad mit 24 bis 26 Grad hilft dann, den Kreislauf und die Verdauung wieder anzuregen. In der Anfangszeit sind viele Tiere noch träge – sie fressen häufig erst nach einigen Tagen. Dennoch sollten Halter immer frisches Futter anbieten.

Checkliste zur Kühlschranküberwinterung von Schildkröten

  • Schildkrötenart klären: Braucht sie eine Winterstarre?
  • Tierarztbesuch zur Kotuntersuchung und ggf. Entwurmung
  • Zwei Wochen vor Starre: Fütterung einstellen, warm baden
  • Gewicht vor Beginn notieren
  • Kühlschrank gründlich reinigen, Temperatur einstellen (4–6 °C)
  • Luftfeuchtigkeit kontrollieren (60–70 %), Sauerstoffzufuhr sicherstellen
  • Schildkröte in Überwinterungsbox mit Erde und Laub setzen
  • Alle zwei Wochen: Gewichtskontrolle, Sichtprüfung auf Auffälligkeiten
  • Frühzeitig beenden bei Krankheit oder untypischem Verhalten
  • Im Frühjahr schrittweise aufwärmen, Baden, Futter anbieten

Quellen

  1. Turtlefriend.at, „Überwinterung“ (aufgerufen am 4.12.2025) ↩︎
  2. Bundestierärztekammer.de, „Die Bundestierärztekammer gibt Tipps zur Überwinterung von Landschildkröten“ (aufgerufen am 4.12.2025) ↩︎
  3. Reptilienarzt.de, „Winterruhe“ (aufgerufen am 4.12.2025) ↩︎
  4. Vet-gerlitzki.de, „Winterruhe bei Schildkröten“ (aufgerufen am 4.12.2025) ↩︎

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