4. Dezember 2025, 6:12 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Nicht jeder Mensch, der Katzen liebt, wird von ihnen auch geliebt. Viele kennen das Szenario: Man geht freundlich auf eine Katze zu – doch statt Nähe gibt’s nur Rückzug. Woran liegt das, und was kann man tun, um das Vertrauen einer Katze zu gewinnen? Die PETBOOK-Redakteurin und Katzenverhaltensexpertin Saskia Schneider hat sieben bewährte Tipps zusammengestellt, mit denen Sie nicht nur das Interesse von Katzen wecken, sondern vielleicht sogar ihr Herz gewinnen.
Übersicht
- Tipp 1: Desinteresse vortäuschen
- Tipp 2: Blinzeln
- Tipp 3: Sich klein machen
- Tipp 4: Katze an etwas schnuppern lassen
- Tipp 5: Sich nicht aufdrängen
- Tipp 6: Lasse die Katze zu dir kommen
- Tipp 7: Spielen, spielen, spielen
- Tipp 8: Streicheln – aber richtig
- Tipp 9: Finger weg von starken Gerüchen
- Zum Schluss noch ein paar „No-Nos“
Tipp 1: Desinteresse vortäuschen
Klingt erst mal komisch, aber lassen Sie mich erklären. Kennen Sie die Situation, dass Katzen oft gezielt zu denjenigen Menschen kommen, die sie nicht mögen oder gegen die Tiere allergisch sind? Das liegt daran, dass diese Leute auf keinen Fall Kontakt zur Katze haben möchten und diese ignorieren – also nicht ansehen oder ansprechen. Der Katze signalisiert dies jedoch: „Dieser Typ hat kein Problem damit, wenn ich mich nähere“.
Katzen kommunizieren untereinander mit Blicken und Körperhaltung. Direktes Anstarren und Zuwenden bedeutet in der Regel: „Ich trau’ dir nicht! Ich hab’ dich im Blick!“. Abwenden, blinzeln und in eine andere Richtung schauen, während der andere sich nähert, signalisiert hingegen: „Ich vertraue dir und habe nichts dagegen, dass du näher kommst.“
Tipp 2: Blinzeln
Katzen blinzeln sich untereinander bewusst an – denn im Gegensatz zu uns müssen die Tiere dies nicht automatisch tun, um ihre Augen feucht zu halten. Blinzeln ist bei ihnen daher Mittel zur Kommunikation. Man sagt auch, das Blinzeln ist das Lächeln der Katze. Ähnlich wie auch beim Abwenden könnte man es übersetzen mit: „Ich vertraue dir so sehr, dass ich es wagen kann, kurz meine Augen zu schließen.“
In der Regel wird ein Blinzeln vom Tier auch erwidert. Probieren Sie es einmal aus. Meiner Erfahrung nach beantworten sogar Großkatzen im Zoo dieses Signal. Allerdings würde ich davon abraten, sich diesen daraufhin zu nähern.
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Tipp 3: Sich klein machen
Viele Katzen mögen es ganz und gar nicht, wenn Leute sich über sie beugen, um sie zu streicheln. Denn das wirkt ziemlich bedrohlich – auch wenn es nett gemeint ist. Besser ist es, sich bei einem ersten Kontakt möglichst klein zu machen. Gehen Sie dafür in die Hocke und drehen Sie sich am besten noch etwas seitlich weg. Diese Pose wirkt weniger bedrohlich.
Bei sehr ängstlichen Katzen hilft es oft, sich auf den Boden zu setzen und ein Buch zu lesen oder auf dem Smartphone zu surfen. Dann wirkt man beschäftigt und die Tiere trauen sich eher mal zum Schnuppern näher heranzukommen.
Tipp 4: Katze an etwas schnuppern lassen
Katzen begrüßen sich meist Nase an Nase. Dabei nehmen die Tiere den Geruch des anderen auf und bewerten ihn. Etwa so, wie wenn wir unser Gegenüber beim ersten Kennenlernen mustern. Nur dass für Katzen hier weniger das Optische als das Olfaktorische – also der Geruch – eine wichtige Rolle spielt.
Um sich bei einer Katze höflich vorzustellen, sollten Sie dem Tier die Gelegenheit zum Schnuppern geben. Am besten, indem Sie vorsichtig die Hand ausstrecken. Brillenträger können dem Tier auch den Brillenbügel anbieten. Dort fangen sich viele Gerüche und Katzen sind geradezu fasziniert.
Bei sehr ängstlichen Tieren bietet es sich an, dabei wegzuschauen und die Katze nicht anzustarren.
Tipp 5: Sich nicht aufdrängen
Damit Katzen einen mögen, sollte man sich nicht aufdrängen. Nach dem ersten Kennenlernen (Blinzeln, Geruch präsentieren), kehren Sie der Katze am besten erst einmal den Rücken zu. Hat das Tier Interesse, wird es wahrscheinlich sofort hinterherkommen. Wenn nicht, haben sie Ihre Pluspunkte nicht gleich wieder verschossen, wenn sie jetzt schon einen Schritt weiter gehen und versuchen, die Katze anzufassen.
Tipp 6: Lasse die Katze zu dir kommen
Jetzt werden Sie sich sicher fragen: Wann kann ich die Katze nun endlich streicheln? Diesen Schritt sollten Sie erst einleiten, wenn das Tier aktiv den Kontakt zu Ihnen aufnimmt und klare Signale sendet wie:
- Reiben am Bein
- auf den Schoß steigen
- Köpfchen geben
Achtung! Bauch zeigen ist kein Zeichen für „Ich möchte gestreichelt werden“, sondern oft eine Spielaufforderung, was uns zum letzten und wichtigsten Tipp bringt.
Tipp 7: Spielen, spielen, spielen
Hier der ultimative Tipp, wie Sie es nicht nur schaffen, dass die Tiere Sie mögen, sondern zum Held jeder Katze werden: Bieten Sie ein Spiel an! Das beste hierfür sind Spielangeln. Nur hat man die nicht immer zur Hand. Eine gute (und sichere) Alternative sind Papierkügelchen, die man lustig durch die Gegend werfen kann. Irgendein Zettelchen hat man ja immer parat.
Bitte spielen Sie auf keinen Fall mit den Händen – schon gar nicht, wenn es sich um einen Streuner handelt! Auch Laserpointer sind tabu, da sie Katzen frustrieren, wenn sie den Punkt nie fangen. Damit erreichen sie also eher das Gegenteil.
Tipp 8: Streicheln – aber richtig
Haben Sie die Katze so weit, dass Sie sie streicheln können, fangen Sie klein an. Die meisten Katzen zeigen genau, wo sie berührt werden wollen. Das Problem: Viele Leute streicheln erst einmal Rücken oder die Oberseite des Kopfes. Doch das Streicheln über den Rücken – vor allem, wenn es zu stark ist – kann schnell zu Überreizung führen. Das Streicheln über den Kopf ist zwar an sich besser, doch die meisten Menschen kommen mit ihrer Hand von oben, was viele Katzen unheimlich finden und den Rückzug antreten.
Hier ist eine Vorgehensweise, die bei vielen Tieren funktioniert: Katzen am Kinn oder den Wangen streicheln. Das machen die Wenigsten anfangs, denn diese Regionen befinden sich nah an der Schnauze der Katze – also nah an den Zähnen. Aber genau hier lieben Katzen Berührungen, denn hier sitzen viele Geruchsdrüsen. Doch bevor man die Katze hier berührt, kann man zunächst die Hand in die Nähe bringen. Viele Katzen reiben sich dann ganz von selbst an der Hand – ein Hinweis, dass Berührung gewünscht ist.
Aber Vorsicht: Nur weil die Katze ihr Einverständnis signalisiert, bedeutet das nicht, dass man ewig streicheln kann. Machen Sie daher immer wieder kleine Pausen und schauen Sie, wie die Katze reagiert. Entzieht sie sich der Situation, ist die Interaktion beendet und die Katze sollte nicht weiter gelockt oder bedrängt werden. Reibt sich die Katze aktiv weiter an der Hand oder dem Bein, kann man eine Weile weiter streicheln.
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Tipp 9: Finger weg von starken Gerüchen
Der Geruchssinn von Katzen ist hochsensibel, verglichen mit unserem. Auch leichte Parfums können bei den Tieren Irritationen auslösen. Katzen prüfen vorher sehr genau, wer da vor ihnen steht – und das vor allem über den Geruch. Vor allem Leute, die Parfum auf die Innenflächen der Handgelenke geben oder eine parfümierte Handcreme tragen, haben bei Katzen schlechte Chancen. Zumindest was das Streicheln angeht.
Zum Schluss noch ein paar „No-Nos“
Unbewusst tun wir Menschen im Alltag vieles, was Katzen geradezu übergriffig oder unhöflich erscheint. Hier also noch ein paar Dinge, die Sie auf keinen Fall tun sollten:
- Laut mit dem Tier sprechen
- Sich dem Tier frontal nähern und es dabei anstarren
- Sich dem schlafenden Tier nähern, um schnell eine Streicheleinheit zu ergaunern
- Sich einfach neben die Katze auf das Sofa setzen oder die Katze von einem Sitzplatz vertreiben
- An Po, Pfoten, Schwanz oder Bauch der Tiere fassen (die meisten Katzen sind hier sehr empfindlich)