Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Ursachen und Gefahren

Darum frisst Ihr Hund Erde oder Dreck

Dackel gräbt in Erde und steckt Schnauze hinein
Manche Hunde buddeln nicht nur gerne, sie fressen Erde oder Dreck gezielt. Das kann ernste Ursachen haben. Foto: Getty Images
Artikel teilen

20. April 2026, 9:07 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Hunde und Besitzer sind sich bekanntlich ja oft recht ähnlich. In einer Sache unterscheiden wir uns aber doch recht deutlich: Unsere Vierbeiner haben ganz klar einen anderen Geschmack. Manche Hunde fressen etwa mit Vorliebe Dreck oder Erde. Doch warum tun sie das? Und ist das gefährlich oder gar ein Warnsignal? Die Antwort auf diese Fragen liegt irgendwo dazwischen.

Warum fressen Hunde Erde oder Dreck?

Mein Hund Rudi ist ein echtes – sorry Rudi, ist nicht böse gemeint – „Dreckschwein“. Kaum öffne ich die Tür zur Terrasse, trottet er auch schon auf den Rasen, schnüffelt sich an einer bestimmten Stelle fest und beginnt, genüsslich Erde zu fressen.

Wenn Hunde Erde fressen, kann das verschiedene Gründe haben. Nicht alle sind nur dem (schlechten) Geschmack geschuldet. Mitunter können hinter der Geschmacksverirrung auch ernsthafte Ursachen wie ein Nährstoffmangel oder ein Ungleichgewicht in der Ernährung liegen. Insbesondere ein Kalziummangel oder ein Mangel an B-Vitaminen kann den Appetit auf Dreck steigern. Weitere medizinische Ursachen sind etwa Magen-Darm-Probleme, Parasiten oder Blutarmut (Anämie).

Vielleicht liegt die Ursache dafür, dass Ihr Hund Dreck in den Mund nimmt oder ihn gar frisst, auch in seinem Alltag und an Verhaltens- sowie Umweltfaktoren. So können etwa Langeweile, Stress oder unzureichende Beschäftigung Gründe dafür sein, dass Ihr Hund auf dem Spaziergang fröhlich und stolz wedelnd Pferdemist oder Entendruck vom Boden aufliest, wie man es bei jüngeren Hunden oft sieht.

1. Mangelerscheinungen: Mineralien, Vitamine, Nährstoffe

Hunde brauchen – wie alle Lebewesen – eine ausgewogene Ernährung. Fehlen wichtige Mineralien wie Eisen, Calcium oder andere Spurenelemente, suchen manche Hunde instinktiv nach Alternativen – und Boden kann (theoretisch) solche Stoffe enthalten.

Insbesondere wenn das normale Futter qualitativ unzureichend oder die Tagesration zu gering ist, kann dies ein Grund für das Essen von Erde und Dreck sein.

2. Medizinische Ursachen

Auch Erkrankungen, darunter zum Beispiel Anämie bzw. Blutarmut, machen Hunden Appetit auf Erde und Druck. Blutarmut steht häufig in Zusammenhang mit Parasitenbefall (z. B. durch Würmer) oder inneren Blutungen; manche Hunde versuchen, diese fehlenden Nährstoffe durch Erde auszugleichen.

Auch bei Magen-Darm-Problemen wie etwa Gastritis oder Verdauungsstörungen, versuchen Hunde mitunter instinktiv, durch Erde den Magen zu beruhigen und damit Giftstoffe zu binden.

Wenn Sie bei Ihrem Hund beobachten, dass er plötzlich beginnt, regelmäßig Erde zu fressen, obwohl er dies früher nicht getan hat, kann das möglicherweise ein Signal dafür sein, dass irgendetwas im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. In diesem Fall sollten Sie das Verhalten von einem Tierarzt überprüfen lassen.

3. Stress, Langeweile, mangelnde Auslastung

Hunde sind soziale Tiere mit einem Bedürfnis nach Bewegung und geistiger Beschäftigung. Wenn sie zu wenig ausgelastet werden, etwa durch Spaziergänge, Spiel oder Training, kann das Fressen von Erde hier als Ventil dienen: Dreck fressen gegen Langeweile oder Nervosität.

Auch Trennungsangst oder Unsicherheit können Stress verursachen, der sich in ungewöhnlichen Verhaltensweisen wie dem Kauen oder Fressen von Erde, äußert.

4. Neugier oder Instinkt

Nicht immer steckt etwas Ernstes hinter dem Erdfressen. Manche Hunde – vor allem, wenn sie jung oder neugierig sind – probieren beim Erkunden der Welt einfach alles aus und gehen dabei auch der Frage „Wie Erde wohl schmeckt …?“ nach.

5. Reize intensiv wahrnehmen

Vielleicht müssen Sie das bizarre Essverhalten Ihres Hundes aber auch gar nicht weiter interpretieren, denn mitunter ist dies völlig harmlos – wie etwa, wenn der Boden bestimmte Gerüche oder Rückstände trägt, die einen Reiz auf Ihren Vierbeiner ausüben. Das können zum Beispiel Düfte von Tierpfoten, vergangenem Grillen oder Kadavern sein, die ihr Hund mit dem Aufnehmen der Erde noch intensiver wahrnehmen möchte.

Welche Gefahren kann das Erdfressen mit sich bringen?

Erde zu fressen ist nicht so harmlos, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, und kann unter Umständen sogar gefährlich werden. Mögliche Risiken sind:

  • Magen-Darm-Probleme: Erde kann Steine, kleine Äste oder andere Fremdkörper enthalten, die Ihr Hund beim Kauen verschluckt. Das wiederum kann zu Verstopfung oder im schlimmsten Fall zu einer Darmblockade führen.
  • Parasiten und Krankheitserreger: Boden enthält häufig Wurmeier, Bakterien oder andere Krankheitserreger, die Ihren Hund krank machen können.
  • Toxine oder schädliche Chemikalien: Gerade in fremden Gärten oder Parks, die gedüngt oder behandelt wurden, kann Erde gefährliche Rückstände wie Pestizide, Dünger oder Chemikalien enthalten.
  • Zahn- und Maulschäden: Kleine Steine oder harte Bodenbestandteile können die Zähne Ihres Hundes beschädigen sowie Mund, Rachen und Darm reizen.
Mehr zum Thema

Wann Sie als Halter wachsam werden sollten

Als Hundehalter werden Sie es sehr wahrscheinlich irgendwann erleben, dass Ihr Hund gelegentlich mal ein bisschen Erde probiert. Besonders bei neugierigen oder jungen Tieren können Sie dabei ganz gelassen bleiben. Genauer hinsehen sollten Sie hingegen in den folgenden Fällen:

  • Häufiges oder plötzlich beginnendes Erdfressen: Möglicherweise liegt hier ein Nährstoffmangel vor.
  • Begleitende Symptome wie Lethargie, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall: Diese können auf gesundheitliche Probleme (z. B. Parasiten, Magen-Darm, Vergiftung) hindeuten.
  • Ihr Hund frisst große Mengen Erde oder feste Bodenbrocken: Hier besteht die Gefahr einer Darm- oder Magenblockade, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann

In solchen Fällen ist ein Besuch beim Tierarzt dringend angeraten. Dieser kann eine Blutuntersuchung, Kotanalyse oder Magen-Darm-Diagnostik durchführen, um mögliche Ursachen zu finden und Krankheiten auszuschließen.

Fazit

Hinter dem Geschmack Ihres Hundes für Erde oder Dreck kann mehr stecken, als Sie auf den ersten Blick vermuten. Neben harmlosen Ursachen wie instinktiver Neugier oder Langeweile, kann hinter dem Fressen von Dreck auch der Versuch stecken, einen Nährstoffmangel zu kompensieren, oder gar gesundheitliche Probleme.

Ein einmaliger „Ausrutscher“ ist meist harmlos, doch wenn es zur Gewohnheit wird oder Ihrem Hund gesundheitlich nicht gut geht, ist es wichtig, das Fressen von Erde nicht einfach hinzunehmen – sondern Ursachen zu suchen und nötigenfalls ärztlich abklären zu lassen.

Bei meinem Rudi war der Grund übrigens harmlos: Im Sommer stand auf der Rasenfläche, zu der es ihn immer magisch zieht, der Grill. Darauf kamen wir aber erst nach dem Besuch eines Tierarztes.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.