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Können Tiere eifersüchtig sein?

Experten klären auf

Fühlen Haustiere wirklich Eifersucht?

Ein Hund liegt auf dem Boden, schaut ein wenig beleidigt in die Kamera.
Können Haustiere wirklich eifersüchtig werden oder vermenschlichen wir ihr Verhalten nur?Foto: Getty Images

Der Hund schiebt sich dazwischen, wenn seine Halter einen anderen Vierbeiner streicheln. Die Katze verlässt den Raum, wenn ein neues Tier in die Familie kommt. Und eine Papageiendame machte jüngst Schlagzeilen, weil sie ihren Halter derart in Beschlag nahm, dass dessen Ehefrau vom gemeinsamen Bett in ein eigenes flüchtete – die Bisse der besitzergreifenden Vogeldame waren ihr zu viel. 

Jeder Hundebesitzer hat diese Situation so oder ähnlich schon einmal erlebt: Man trifft beim Gassigehen auf den Nachbarhund, der einen freudig begrüßt, und bückt sich herunter, um ihn zu streicheln. Doch da schiebt sich schon der eigene Hund dazwischen. Manchmal fiept oder schnappt er dabei sogar nach dem anderen Hund. Das ist doch klar: Der ist eifersüchtig! Doch gibt es das wirklich, Eifersucht bei Tieren, oder interpretieren wir menschliches Verhalten in unsere Haustiere hinein? Was steckt hinter dem tierischen Verhalten, das wir Eifersucht nennen? PETBOOK hat Experten befragt – die Antwort überrascht.

Können Tiere eifersüchtig sein? 

„Auf jeden Fall“, werden zahlreiche Tierhalter jetzt vermutlich rufen. Besonders bei Hunden und Katzen wird oft Eifersucht vermutet, und auch Papageien, die in der Regel enge Bindungen zu Artgenossen und ihren Haltern aufbauen, werden gern als eifersüchtig bezeichnet. Wenn der eigene Hund mit der Pfote tippt oder sich dazwischenschiebt, wenn Frauchen den Nachbarshund ausgiebig knuddelt, dann ist das doch ganz klar Eifersucht, oder?

Und die Katze pinkelt auch erst in die Schuhe neben der Haustür, seit das aus dem Tierheim gerettete Kitten in die Wohnung gezogen ist. Das macht sie aus Eifersucht, andere Gründe kann es gar nicht geben – zumindest, wenn es nach den Haltern geht.

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Missverständnis oder echtes Gefühl? 

Dr. Juliane Bräuer, Leiterin der Hundestudien am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, wird jetzt vermutlich zahlreiche Halter enttäuschen – obgleich sie das vermeintlich eifersüchtige Verhalten auch von ihrem eigenen Hund kennt, wie sie im Gespräch mit PETBOOK verrät. Aber: „Wir sehen da etwas im Tier, was wir sehen wollen.“ Das aber seien Über- oder Missinterpretationen tierischen Verhaltens. Tatsächlich weisen bisherige Studien darauf hin, dass Hunde eher nicht eifersüchtig sind, wenn man Eifersucht so definiert, wie der Mensch sie empfindet: Als negativ emotionale Reaktion, wenn ein Rivale etwas erhält, das man selbst haben möchte.

Zwar gibt es andere Studien, die das Gegenteil vermuten lassen. „Sie sind aber nicht sehr überzeugend“, so die Verhaltensforscherin. Das vermeintlich eifersüchtige Verhalten der Studienhunde wurde dabei mit Fake-Hunden überprüft, statt mit echten Artgenossen. Da Hunde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit merken, ob sie es mit plüschigen Robotern oder realen Tieren zu tun haben, sind auch die Reaktionen sowie die daraus gezogenen Schlüsse für Bräuer nicht sehr überzeugend. 

Wieso geht der Hund dazwischen, wenn ein Artgenosse gestreichelt wird? 

Hunde lernen schnell, Menschen einzuschätzen und die Bedeutung ihrer Gesten, Äußerungen und Stimmlage zu erkennen. „Der Hund merkt an meiner Stimme und meinem Verhalten, dass Streichelzeit oder etwas Ähnliches ansteht“, sagt Bräuer. Daraufhin reagiert er so, wie er es kennt – er kommt und möchte gestreichelt werden, denn der Mensch signalisiert schließlich deutlich, dass jetzt Streichelzeit ist. Dass sich der Mensch in diesem Moment auf ein anderes Tier konzentriert, etwa den Hund der Nachbarn, nimmt er so, wie wir es glauben wollen, erst mal nicht wahr. Er registriert nur das „Signal“ der Menschen: streicheln! 

Das bedeutet dann auch, dass er sich eventuell dazwischenschiebt, wenn ein Artgenosse im Weg steht. Dass der Hund aber aus „Eifersucht“ dazwischengeht, schließt die Biologin anhand zahlreicher veröffentlichter Untersuchungen mit mehreren beteiligten Hunden und Menschen eher aus. „Es ist unwahrscheinlich, dass Hunde diesen Zusammenhang verstehen und danach handeln.“ In ihrem Beitrag „Do dogs feel jealousy or guilt?“ geht sie näher darauf ein.

Katze mit Verlustangst 

Katzenexpertin Carmen Schell aus dem südhessischen Dieburg weiß, was die Tiere umtreibt, wenn sie „eifersüchtig“ reagieren. Die Buchautorin und Katzentherapeutin gibt Haltern Tipps für den richtigen Umgang mit ihren Katzen. „Eifersuchtsfälle“ hat sie regelmäßig, etwa einmal pro Monat suchten Halter deswegen ihren Rat. Sie beschreibt das, was wir als Eifersucht bezeichnen, als Verlustangst und Sorge, zu wenig von etwas zu bekommen, was die Katze gern möchte – etwa Aufmerksamkeit oder Streicheleinheiten. „Das zu empfinden, dazu sind Katzen in der Lage“, sagt Schell. Wenn man das als Eifersucht bezeichnen wolle, würden Katzen dieses „direkte Gefühl“ also durchaus spüren, wenn auch nicht so, wie Menschen.

„Einem Menschen kann man erklären, dass Eifersucht unbegründet ist, eine Katze versteht das natürlich nicht“, so Schell. Sie nehme bloß wahr, dass sich plötzlich alles um eine andere Person oder ein anderes Tier dreht. „Wir leben heutzutage sehr eng mit unseren Katzen in der Wohnung zusammen, die Tiere sind meist nicht mehr die unabhängigen Streuner, die sie einst waren.“ Daher habe sich die Katze auch an regelmäßige Zuwendungen, Streicheleinheiten und andere Aufmerksamkeiten ihrer Halter gewöhnt. „Werden diese Aufmerksamkeiten plötzlich auf etwas anderes projiziert, bemerkt es die Katze schnell und reagiert darauf.“

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Eifersucht hat negativen Beiklang 

Dennoch stört sich Schell an dem negativen Beiklang, den der Begriff „Eifersucht“ hat. „Denn eine Katze geht nicht berechnend vor. Sie plant nicht, wie sie die Situation verändern kann, sondern reagiert nur auf ihr Gefühl.“ Je nach Charakter der Katze könne sich ihre „Eifersucht“, also das Gefühl, zu kurz zu kommen, unterschiedlich zeigen.

„Ruhige Katzen werden mitunter noch ruhiger und ziehen sich zurück, Freigänger bleiben vielleicht länger als üblich weg, und lebhafte Tiere patschen mal mit der Pfote nach ihren Haltern“. Auch Unsauberkeit könne ein Zeichen sein, dass sich die Katze mit der Situation nicht wohlfühlt.

Was kann man gegen vermeintliche Eifersucht tun? 

Am hilfreichsten sei es, dem Tier weiterhin zu zeigen, dass es dazugehört, rät Schell. „Also streicheln, sich Zeit nehmen für Spiele und all das, was man sonst so gemacht hat.“ Zu schimpfen oder die Katze aus dem Zimmer oder gar der Wohnung auszusperren, verschlimmere die Situation hingegen. Die Katze verstehe nicht, warum sie plötzlich nicht mehr ins Schlafzimmer darf oder auf die Couch, denn das war ja bis gestern noch völlig in Ordnung, so Schell.

All diese Erkenntnisse legen nahe, dass auch hinter dem Verhalten von Papageien und anderen Tieren keine „Eifersucht“ im menschlichen Sinn steckt, sondern eher eine Fehlprägung. Etwa, wenn das Tier von Hand aufgezogen wurde. Papageien gelten als sehr sensibel, aber auch sehr sozial und benötigen den Kontakt zu Artgenossen. Deshalb sollten sie nicht einzeln gehalten werden, sondern mit anderen Vögeln der gleichen Art, mit denen sie entsprechend interagieren können.

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